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Grimma Großbardau feiert 800 Jahre Ersterwähnung
Region Grimma Großbardau feiert 800 Jahre Ersterwähnung
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05:02 07.06.2018
800 Jahre Großbardau – und eine echte Gaudi: das Floßtauziehen. Hier: die Teichgurken gegen den Großbardauer Jugendclub. Quelle: Andreas Döring
Grimma/Grossbardau

Es gab Zeiten, da dümpelte das an der Mulde gelegene Grimma noch in der Bedeutungslosigkeit. Die kirchliche Macht jedenfalls lag vor 800 Jahren einen Steinwurf entfernt am Flüsschen Parthe. Es war 1218, als der sächsische Markgraf Dietrich der Bedrängte darauf pochte, in seiner Grimmaer Burg eine Kapelle zu errichten und sich dabei endlich von der Bardauer Pfarrgemeinde abzukoppeln. Das in der Urkunde erwähnte „Parde“ ist der heutige Grimmaer Ortsteil Großbardau, eines der größten Bauerndörfer im Muldental. Diese Ersterwähnung vor 800 Jahren nehmen die knapp 1000 Einwohner zum Anlass für eine neuntätige, facettenreiche Sause, die am Sonnabend begann und nächsten Sonntag mit dem Festumzug in ihren Höhepunkt mündet. Die Organisation der Big-Fete nahmen die Einwohner selbst in die Hand und gründeten dafür vor zweieinhalb Jahren extra einen Heimatverein, der sich den Hut aufsetzte.

Der Grimmaer Ortsteil Großbardau ist in die Festwoche zur 800-Jahrfeier gestartet – mit der Grundsteinlegung zur neuen Kita, der Eröffnung der Ausstellung „Malerische Großbardau“, dem Sommernachtsball und einer ganz besonderen Gaudi am Schmiedeteich.

Startschuss für neue Kita

Indes: Nicht die Vergangenheit, sondern die Zukunft des Dorfes rückte zum Fest-Auftakt in den Mittelpunkt. Gegen Mittag wurde auf dem Gelände der ehemaligen Motoren- und Traktoren-Station der Grundstein für die neue Kindertagesstätte „Parthenzwerge“ gelegt. Mit Hilfe von Kita-Chefin Annett Riedel ging der einjährige Julian Gnoth Oberbürgermeister Matthias Berger zur Hand, als eine Zeitkapsel ins Fundament versenkt wurde – und dann einer nach dem anderen die Mörtelkelle in die Hand nahm. Auf der Baustelle wimmelte es von Zeitzeugen: Die Grundsteinlegung war Bestandteil der Vormittagstour „Rat fährt Rad“, bei der 70 Hobbyradler mit dem Rathauschef innovative Projekte ansteuerten.

Die vom Grimmaer „Dorf der Jugend“ vorgefertigte Hülse ist prall gefüllt. Zeichnungen vom Bau und die Baugenehmigung stecken ebenso in ihr wie die aktuelle LVZ, das jüngste Amtsblatt, Flyer von der 800-Jahrfeier nebst Plakette und ein Foto der jetzigen Kinder, das beim Kindertagsfest entstand. Nachbar Dirk Illmann brachte spontan die Chronik seiner Familie vorbei – ein Kindergartenbild von 1948 landete so auch noch in der Kapsel.

Eine Sanierung des alten „Parthenzwerge“-Gebäudes lohnt nicht mehr. In das neue Haus, das ebenfalls 45 Kita- und 24 Krippenplätze erhält, fließen 2,28 Millionen Euro, davon 1,63 Millionen Euro aus dem sächsischen Förderprogramm „Brücken in die Zukunft“. Den Rest bringt Grimma aus eigener Tasche auf. Planung und Bau-Koordination obliegt dem Wurzener Büro Weidemüller-Hochbauplanung. Hagen Weidemüller rechnet mit der Fertigstellung im kommenden Frühjahr.

Ausstellung: Malerisches Großbardau

Am Nachmittag wurde die mit Spannung erwartete Ausstellung „Malerisches Großbardau“ eröffnet – umrahmt vom Chor des Evangelischen Schulzentrums Muldental. Sie zeigt 45 Bilder aus der Hand des Großbardauer Heimatmalers Rudolf Weber (1925-2009). Dessen Zeichnungen in Aquarell und Öl sind zwar in alle Winde verstreut, doch nach einem Aufruf im Oktober 2016 stellten etwa 80 Besitzer ihr Weber-Werk für eine professionelle Ablichtung zur Verfügung. Für die Ausstellung räumten Marei und André Berg die Scheune ihres Grundstücks in der Parthenstraße 5 frei – und ließen ihrer Kreativität freien Lauf, zumal die Dame des Haues in einer Werbefirma tätig ist. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, denn die Scheune verwandelte sich in eine Malerwerkstatt. Die Bilder reichen bis zur Decke, am Rand können sich die Besucher in den Lebenslauf von Rudolf Weber vertiefen, dessen Sohn Reinhard zur Eröffnung das vielfältige Wirken seines Vaters, der zu DDR-Zeiten im Ort einen Gemischtwarenladen führte, vor Augen führte. Schon die ersten Besucher der Ausstellung zeigten sich begeistert. Irene Gansler aus Waldbardau fasste ihren Eindruck in ein Wort: „Fantastisch.“

Eröffnung im Festzelt

Zur offiziellen Eröffnung der Jahrfeier Samstagabend im Festzelt erinnerte Ortsvorsteher Matthias Franz an vier große Söhne Großbardaus: Carl Christoph Traugott Tauchnitz (1761-1836), der den Buchdruck revolutionierte und den Lesestoff so erschwinglich machte, Soziologe Bernd Keller (geboren 1946), Heimatschriftsteller Oskar Karich (1895-1959) und Maler Rudolf Weber. Oberbürgermeister Berger hatte die Archive bemüht und wusste zu berichten, dass die Großbardauer schon immer geschäftstüchtig waren. Und: „Ihr habt euch damals sogar eure eigenen Regeln geschaffen. Es gab ein Rügenbuch in Großbardau.“ Das würde er sich für die heutige Zeit wieder wünschen, es sei aber wie vom Erdboden verschluckt. Seit der Eingemeindung nach Grimma im Jahr 2006 „haben wir – bei allen Problemen – in Großbardau ein paar Zeichen setzen können“, so Berger weiter. Der MTS-Schandfleck sei verschwunden, eine neue Feuerwehr gebaut und nun der Grundstein für den neuen Kindergarten gelegt.

Andres Wittig, Chef des Fördervereins der Feuerwehr, erinnerte aber auch daran, was seit der 750-Jahrfeier alles im Ort verschwunden ist und beschwor ein engeres Zusammenrücken zwischen alten und neuen Bewohnern des Parthe-Dorfes. Und das rege Leben im 240 Mitglieder zählenden Sportverein führte dessen Chef Frank Bachran vor Augen. In der von den Bardauer Rad-Madl und dem Tanzsportzentrum Muldental umrahmten Eröffnung ging der Großpösnaer Hobbyhistoriker Harald Köpping ausführlich auf die Entstehungsgeschichte und Historie von Großbardau ein, ehe die Disko „Non Stop“ zum Sommernachtsball auflegte.

Gaudi am Schmiedeteich

Der Sonntag begann mit einem Posaunengottesdienst in der Kirche und einen musikalischen Frühschoppen mit den Hohburger Musikanten und mündete in das nach der Wende etablierte Teichfest. Das bot erneut einen spektakulären Gaudi, der seit der 777-Jahrfeier zelebriert wird. Hunderte Schaulustige säumten dicht gedrängt den Schmiedeteich, als zum 24. Floß-Tauziehen gerufen wurde. Neun vierköpfige Männermannschaften mit starken Armen stellten sich dem Wettkampf. Es galt, das gegnerische Team vom fest verzurrten Floß zu ziehen – unter dem Jubel der Leute hinein ins trübe Parthenwasser. „Mein persönlicher Favorit“ aus Großbardau bezwang im hart umkämpften Finale die Roten Teufel aus Großbuch und sicherte sich so zum zweiten Mal den Pokal. Seit acht Jahren stellen sich die Jungs um David Schlichter dem einmaligen Spaß. „Jahrelange Erfahrung, Technik und das Publikum im Rücken“, bezeichnet der Kapitän als Erfolgsrezept.

So wird weiter gefeiert

Montag, 4. Juni

• 17.30 Uhr: Skatturnier im Dorfgemeinschaftshaus „Weintraube“.

• 19.30 Uhr: Konzert mit dem Kammerorchester „St. Wenceslai“ in der Kirche.

Dienstag, 5. Juni

• 19 Uhr: Leipziger Kabarett „Sanftwut“ in der “Weintraube“ (ausverkauft).

Donnerstag, 7. Juni

• 18.30 Uhr: Großbardauer Heimatabend in der „Weintraube“.

Freitag, 8. Juni

• 16 Uhr: Sport Open Air auf dem Sportplatz.

• 19 Uhr: Löschangriff-Wettkampf.

• 22 Uhr „Großbardau tanzt“: Partynacht mit DJs Tom B., Robexx, Tonsen, Takt&Geber.

Sonnabend, 9. Juni

• Buntes Markttreiben herrscht am Samstag von 11 bis 18 Uhr und am Sonntag von 11 bis 17 Uhr auf dem Sportplatz.

• 12 bis 16 Uhr: Frühlingshoffest im Evangelischen Schulzentrum Muldental.

• 14 bis 19 Uhr: Spaß am Dorfleben (Sportplatz).

• 14.30 Uhr: Musikschule Fröhlich.

• 17.30 Uhr: Tanzgruppe „Eyecatchers“.

• 21 Uhr: Liveband „Rockpirat“.

• Ab 23 Uhr: Summer Closing - After Show Party im El Jakkd Ritmo Dancehouse.

Sonntag, 10. Juni

• 9.30 Uhr: Gospel-Festgottesdienst in der Kirche.

• 10 Uhr: Frühschoppen (Festzelt).

• 13 Uhr: Großer Festumzug.

• 17 Uhr: Abschlusskonzert mit dem Jugendblasorchester Grimma.

Von Frank Prenzel

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