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Großbothener läutet die Glocken per Hand

Großbothener läutet die Glocken per Hand

Großbothen. Wenn heute um Mitternacht Raketen in den Himmel steigen und Böller auf dem Asphalt krachen, begrüßt auch Manfred Herms mit hörbaren Zeichen das Neue Jahr. Er jedoch braucht dazu weder Feuerzeug noch Pyrotechnik, sondern einzig und allein Muskelkraft.

Denn Manfred Herms hängt sich im Großbothener Kirchturm in die Seile und läutet die Glocken. Er selbst ist seit zwei Jahren der Glöckner des Dorfes. In seiner Familie jedoch gehört der Glockenschlag zum Alltag.

Was du ererbt von deinen Vätern... – Goethes Worte haben für den Großbothener Manfred Herms eine besondere Bedeutung. Ihn nämlich beerbte sein Vater mit einer Berufung. „25 Jahre lang, von 1982 bis 2007, läutete mein Vater täglich die Glocken unserer Kirche. Nach seinem Tod übernahm ich diese Aufgabe“, erzählt Manfred Herms. Seit zwei Jahren steigt er täglich kurz vor 18 Uhr, bei Gottesdiensten und Feierlichkeiten und eben auch Silvester kurz vor Mitternacht die 64 Stufen zur Glockenstube hinauf und hängt sich in die Seile.

Denn anders als in den meisten Kirchen der Region klingt es in Großbothen nicht auf Knopfdruck. Hier ist die richtige Dosis Zugkraft gefragt, um die Kolosse im Joch zu bewegen. Rückschrittlich sind die Großbothener keineswegs. Vielmehr gehörte die Dorfkirche 1962 zu den ersten, die den Fortschritt einziehen ließen und Stromimpulse nutzten, um ihr Glockengeläut in Gang zu setzen. „Doch das Läuten mit Kraftstrom zog das Gebälk in Mitleidenschaft. Die Schäden wurden 1981 bei der Rekonstruktion des Turmes bemerkt“, erklärte Manfred Herms, weshalb die Kabelei nach knapp 20 Jahren wieder entfernt wurde und man sich auf den Vorteil der Handsteuerung besann.

Der Vater habe als Kirchenvorstand sofort seine Bereitschaft erklärt, diese Verantwortung zu übernehmen. „Und ich habe bislang nicht damit gehadert, die Nachfolge angetreten zu haben“, versichert Manfred Herms. Längst ist der tägliche Gang auf den Kirchturm für ihn zum Ritual geworden. Schließlich sorgt er nicht nur mit dem Läuten dafür, dass die Großbothener wissen, was die Stunde geschlagen hat. Denn auch die Kirchturmuhr – ein Original aus dem Jahre 1882 – muss per Hand aufgezogen werden. „Aller zwei Tage mindestens“, weiß der Großbothener.

Richtig läuten sei erlernbar und letztlich entspanne es sogar, wenn der kleine Raum im Oberstübchen des 42 Meter hohen Dachreiters im Lärm vibriert. Ein wenig lasse er hier aber auch seinen Tag Revue passieren, verrät der Gärtnermeister. Zu wissen, dass die Leute auf den Glockenschlag warten, motiviere, sagt er. Die große Glocke aus dem Dreiergespann sei es, die täglich 18 Uhr den Feierabend einläutet. Die mittlere und die kleinste kommen bei besonderen Anlässen zum Einsatz. So heute um Mitternacht. Dann klingen alle drei im melodischen Miteinander. Dreimal zehn Minuten läutet Manfred Herms, begrüßt so weithin hörbar das neue Jahr.

Conny Hanspach

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