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Grimma Großbucher Ortschronist Karl-Heinz Herfurth hält Rückschau
Region Grimma Großbucher Ortschronist Karl-Heinz Herfurth hält Rückschau
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00:30 22.03.2018
Rückschau auf 82 Jahre: Im Rahmen des letzten von ihm gestalteten Heimatabends gab Karl-Heinz Herfurth in der Großbucher Kirche Anekdoten aus seinem Leben zum Besten. Quelle: Roger Dietze
Otterwisch/Großbuch

Nach einer dreiviertel Stunde war Karl-Heinz Herfurth am Freitagabend bei der Wiedervereinigung angekommen. Viel mehr Zeit hätte sich der Großbucher Ortschronist in der Kirche des Otterwischer Ortsteiles auch nicht nehmen können, war doch der Zeitplan des 30. und zugleich letzten von ihm gestalteten Heimatabends eng gestrickt. Denn es galt, das bisherige Leben des Großbucher Originals Revue passieren zu lassen. Eine alles andere als einfache Aufgabe.

Exkurs durch acht Jahrzehnte

„82 Jahre sind eine lange Zeit, ein Vortragsabend demgegenüber sehr kurz. Ich habe das Problem schlussendlich mathematisch zu lösen versucht, um die acht Jahrzehnte in ein eineinhalbstündiges Zeitkorsett hineinzubekommen“, so der Heimatforscher, dem am Freitagabend Heike Schipanski und Ivonne Rudolph beim Verlesen von Texten sowie ein halbes Dutzend Bläser der Beuchaer Musikfreunde bei der akustischen Gestaltung des Abends zur Seite standen. Ein Abend, dem Karl-Heinz Herfurth nach eigenem Bekunden mit gemischten Gefühlen entgegen geblickt hat. „Die halbe Familie hatte im Vorfeld die Grippe erwischt, und so habe ich mir einige Gedanken darum gemacht, ob wohl meine Stimme halten wird“, so der 82-Jährige.

Ortchronist gestaltet Abend in der Kirche

Rückschau auf 82 Jahre: Im Rahmen des letzten von ihm gestalteten Heimatabends gab Karl-Heinz Herfurth in der Großbucher Kirche Anekdoten aus seinem Leben zum Besten. Quelle: Roger Dietze

Zum Glück hielt sie, womit die Basis für einen unterhaltsamen und bisweilen nachdenklichen Abend gelegt war, an dem Karl-Heinz Herfurth vor rund 50 Zuhörern den Bogen von seiner Geburt (zu Hause mit Unterstützung von Hebamme Krenkel) und der Kindheit (Kirchauflauf zum 4. Geburtstag) über Kriegserinnerungen (Bomben im Buchholz) bis hin zur Gründung der DDR (Lkw-Ausflug zu einem Wilhelm Pieck-Auftritt) und eben der Wiedervereinigung spannte. „Wir lebten in Großbuch zwar nicht hinterm Mond, aber die politischen Ereignisse wurden auf dem Dorf eher am Rande wahrgenommen“, erinnert sich Herfurth. Was zu keinem geringen Teil an den Mühen der Arbeit in der Landwirtschaft lag, die der Großbucher Ortschronist von 1949 an im elterlichen Betrieb von der Pike auf erlernte. „Die Arbeit war anstrengend, aber ich habe sie immer gern verrichtet“, so Herfurth, der später in Otterwisch im Rang eines Meisters mit seiner 1958 geehelichten Frau Irmgard und der Tochter an der Seite für 500 Kühe verantwortlich zeichnete.

Ersterwähnungsurkunde von Großbuch war Anstoß

In jener Zeit fand er auch den Zugang zur Geschichte im Allgemeinen und der Heimatgeschichte im Besonderen. „Bei den Grimmaer Heimatgeschichtlern habe ich meine Lehrstunden genommen, als ich auf die Ersterwähnungs-Urkunde Großbuchs stieß, war mein Feuer für die Heimatgeschichte entfacht.“ Die 700-Jahrfeier prägte Karl-Heinz Herfurth 1985 ebenso wie die 725-Jahrfeier, die 2010 von einem großen Umzug gekrönt wurde. Aus der Beschäftigung mit dem Gestern habe er Kraft für das Heute geschöpft. „Über der Lektüre von Büchern und alten Dokumenten verflog der Ärger des Tages, und ich konnte motiviert den nächsten Tag in Angriff nehmen“, so der Großbucher Ortschronist, den auch ein vor vier Jahren erlittener Herzinfarkt nicht von seiner positiven Lebenseinstellung abzubringen vermochte. „Ich blicke mit Zufriedenheit auf mein Leben zurück, in dem niemals Reichtum mein Ziel war. Manchmal habe ich zuviel geredet, auf jeden Fall lieber gelacht als gestritten.“

Von Roger Dietze

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