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Großevents, Ausstellungen, Schülerprojekte – Rittergut Trebsen richtet sich neu aus

Nach Wegbruch der Handwerkerweiterbildung Großevents, Ausstellungen, Schülerprojekte – Rittergut Trebsen richtet sich neu aus

Mit der Änderung des Vereinsnamens ist es nicht getan. Das weiß der Vorsitzende, Uwe Bielefeld. Auch inhaltlich muss sich das Rittergut Trebsen neu ausrichten, nachdem die Weiterbildung in der handwerklichen Denkmalpflege weggebrochen ist. Verschiedene Standbeine sollen die Einrichtung zu einem Kulturdenkmal machen.

Schülerprojekt: Fünftklässler bauten solche Setzkästen, die für die Gesteinsausstellung genutzt werden sollen.

Quelle: Andreas Döring

Trebsen. Mit der Änderung des Vereinsnamens ist es nicht getan. Das weiß der Vorsitzende, Uwe Bielefeld. Auch inhaltlich muss sich das Rittergut Trebsen neu ausrichten, nachdem die Weiterbildung in der handwerklichen Denkmalpflege weggebrochen ist. Verschiedene Standbeine sollen die Einrichtung zu einem Kulturdenkmal machen.

Bewährtes läuft weiter, wie die Bluesnächte, das Folkcafé und die Reihe „Land und Leute“. Davon allein könnte sich der Förderverein Rittergut Trebsen aber nicht halten und seine hochgesteckten Ziel umsetzen. Großveranstaltungen wie die Highland Games an jedem dritten Septemberwochenende, für deren aktuelle Auflage gerade die heiße Vorbereitungsphase läuft, bringen richtig was. Allein im vergangenen Jahr wurden trotz schottischen Schmuddelwetters – oder gerade deshalb – über 10 000 Besucher des Spektakels gezählt.

Großveranstaltungen wie Highland Games sind Zugpferde

So ein Erfolg muss nicht auf einen Termin im Jahr begrenzt werden. Bielefeld kündigt für das Wochenende vom 10. bis 12. Februar kommenden Jahres bereits ein ganz neues Großevent an: das erste Nordlandfestival im Schloss und Park Trebsen. „Wir wollen die kulturelle und kulinarische Vielfalt von Alaska über Skandinavien bis nach Russland zeigen“, sagt der 62-Jährige. Wikinger-Rockabend, Feuerinstallationen und Feuershows gehören dazu. „Wir versuchen, damit in der veranstaltungsschwachen Zeit der Winterferien etwas zu bieten. Es macht wenig Sinn, so etwas anzuschieben, wenn überall was los ist“, meint der Vereinschef.

Der Strukturwandel des Ritterguts reicht aber viel weiter. Dazu gehört auch die im Sommer eröffnete Herberge mit nachgebauten gotischen Kastenbetten (LVZ berichtete). Und dazu gehört, sich stärker dem konkreten Lebensraum und der Natur zu widmen. Der Verein arbeitet dabei eng mit dem Geopark „Porphyrland – Steinreich in Sachsen“ zusammen.

Steinerlebniswerkstatt wird von Schülern angenommen

Erste Pilotprojekte mit Schülern in der neu geschaffenen Steinerlebniswerkstatt zeigen, wie spannend die Mädchen und Jungen das Thema finden. Fünftklässler bauten Setzkästen für Steine, sammelten Steine und bestimmten deren Arten. Nun geht der Unterricht, der die Lehrpläne der Schulen ergänzen soll, ins zweite Jahr – unter Mitwirkung der Universität Leipzig und des Geoparks. „Die Schüler teilen wir in zwei Gruppen, die Jäger und Sammler und die Steinbeißer, die sich mit der künstlichen Gestaltung von Natursteinen befassen“, erklärt Bielefeld.

Trebsen liegt in einem ehemaligen Vulkangebiet. Davon zeugen die zahlreichen Steinbrüche der Umgebung. So kam der Verein auf die Idee, im Rittergut eine Dauerausstellung unter dem Titel „Edle Steine in Sachsen – Schätze in Porphyr“ zu schaffen. In ihr will er die wertvollsten Fundstücke präsentieren. „Wir haben einen eigenen Bestand, sprechen aber auch mit sächsischen Sammlern, die uns Exponate zur Verfügung stellen können. Einige haben schon zugesagt“, erklärt Bielefeld. „Bewusst setzen wir auf das, was es in der Terra Mineralia in Freiberg nicht oder zu wenig zu sehen gibt: mehr Gesteine aus der Region.“

Mit diesem touristischen Ansatz möchte der Rittergutsverein wie bei den Großveranstaltungen – verstärkt Gäste von außerhalb anziehen. Planen will er auch Sonderausstellungen von Künstlern zu den Themenbereichen Landschaft und Natur, die in der ehemaligen Scheune zu sehen sein sollen.

Kleinkunstveranstaltungen sollen nach Umbau zurückkehren

Grundvoraussetzung dafür, dass der Standort an Attraktivität gewinnt, ist die Fortsetzung der Baumaßnahmen. „Die brandschutztechnische Ertüchtigung in den Veranstaltungsräumen wollen wir im Herbst abschließen“, kündigt Bielefeld an. Die Kleinkunstreihen, die während der Arbeiten im benachbarten Schloss liefen, könnten dann an ihren angestammten Platz zurückkehren. Für die neuen Projekte werden zum Teil Räume gebraucht, in denen bisher die Handwerker ausgebildet wurden. Über das europäische Förderprogramm Leader soll Geld für die Umnutzung der Gebäude akquiriert werden. „Zurzeit erarbeiten wird die Anträge. Dabei sind wir auf die Unterstützung der Stadt angewiesen“, erklärt Bielefeld.

Sein Verein hieß bis zur Umbenennung im Juni „Förderverein für Handwerk und Denkmalpflege – Rittergut Trebsen“. Der erste Teil des Namens ist nun passé, denn als Weiterbildungsstätte hat das Ensemble an der Mulde ausgedient. Zur Gründung des Vereins 1992 bestand ein immenser Bedarf an Handwerkern, die alte Bausubstanz fachgerecht sanieren können – schließlich hält Sachsen nach Bayern den zweiten Platz der denkmalsreichsten Bundesländer. In den knapp 25 Jahren durchliefen 250 Meister und rund 180 Gesellen die Ausbildung. Stuckateure, Maler, Maurer, Tischler, Steinmetze und Zimmerer statteten sich theoretisch und praktisch mit dem Rüstzeug für ihre Berufe aus. „Wir hatten die Qualitätslatte für die Interessenten hochgelegt. Sogar Meister mussten bei uns ein Prüfungsstück herstellen“, erläutert der Vereinsvorsitzende.

Ministerium lehnt weitere Förderung der Handwerker-Ausbildung ab

Doch es kamen immer weniger Handwerker, zuletzt waren es drei Maurer. „Durch Preisminderungen und Reduzierungen von Kursstunden haben wir versucht, mehr Interessenten zu gewinnen. Wir bemühten uns beim Innenministerium um eine Förderung, doch diese wurde abgewiesen“, schildert Bielefeld. „So mussten wir Ende vergangenen Jahres unsere Weiterbildungsstätte schließen.“ Ein ähnliches Schicksal ereilte jene von Görlitz im März – seitdem gibt es in Sachsen keine derartige Einrichtung mehr.

Was aus handwerklichen Zeiten in Trebsen noch bleibt, ist das Bergelager. Oder zumindest der Rest, den die Mulde-Hochwasser von 2002 und 2013 übrig gelassen haben. Die historischen Baustoffe und Materialien vom Dachziegel bis zum Türverschlag wurden einst mit für die Ausbildung genutzt. Bis zum 31. Dezember läuft noch der Ausverkauf für jedermann. „Dann ist damit endgültig Schluss“, bedauert Bielefeld.

Von Frank Pfeifer

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