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Grimma Großsteinberg: Umweltamt kippt Windrad-Pläne von Haba-Beton
Region Grimma Großsteinberg: Umweltamt kippt Windrad-Pläne von Haba-Beton
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15:43 19.05.2015
Kein Windrad für Großsteinberg. Quelle: Mario Jahn
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Nachdem es das Umweltamt abgelehnt hatte, weil es laut Pressesprecherin Brigitte Laux planungsrechtlich nicht zulässig ist, ging der Betrieb nicht in der festgesetzten Frist in Widerspruch. Haba-Beton, so Laux, könne allerdings jederzeit einen neuen Antrag stellen. Dazu und zu der aktuellen Entscheidung des Umweltamtes möchte die Unternehmensführung nichts sagen. "Wir kommentieren das nicht", sagte Werksleiter Dirk Hensel gestern auf LVZ-Anfrage.

Bei der Bürgerinitiative (BI) Gegenwind Parthenstein stieß die jüngste Entwicklung auf Erleichterung. Sie hatte den Prozess seit Oktober 2012 verfolgt und bedankt sich bei allen, die sie tatkräftig unterstützt haben, sei es bei Unterschriftenaktionen, mit persönlichen Beiträgen oder bei der Aufklärungsarbeit. "Wir werden auch künftig unser aller Anliegen im Auge behalten", versprach Peter Hoffmann.

"Es darf nicht sein, dass Privathaushalte und mittelständische Unternehmen wie Haba-Beton für die verfehlte Energiepolitik in Deutschland zahlen sollen", holte Gemeinderat Matthias Constantin (FDP) aus, der sich stets gegen die Windkraftpläne positioniert hatte. "Windkraft und Photovoltaikanlagen auf wertvoller Ackerkrume sind nun einmal nicht grundlastfähig. Da können wir noch so viele bauen!" Braunkohleverstromung gehöre auf absehbare Zeit dazu. Die überhastete Abschaltung

der Atomkraftwerke werde Deutschland noch teuer zu stehen kommen.

"Zu Lasten der Landbevölkerung, der schützenswerten Natur und auch des Tourismus wird weiter verspargelt und werden Vogelhäcksler installiert", so Constantin. "Ich sehe weder in Dresden noch in Berlin einen Entscheider, der die Reißleine zieht, um diesen Wahnsinn zu beenden." In Sachsen müsse wie in Bayern die 10-H-Regelung umgesetzt werden, die vorschreibt, dass neue Windkraftanlagen mindestens das Zehnfache ihrer Höhe von einer Wohnbebauung entfernt sein müssen.

"Mein besonderer Dank und meine Hochachtung gelten der Bürgerinitiative Gegenwind Parthenstein, die mit Ausdauer und Überzeugung zumindest erst einmal erfolgreich den Bau einer Windkraftanlage auf dem Betriebsgelände von Haba-Beton verhindert hat", teilte Constantin mit. Er fordere alle Gemeinde- und Stadträte, Kreistags- und Landtagsabgeordnete auf, sich intensiv mit dem Thema zu befassen und die Betroffenen vor Ort mit ihren Einsprüchen und Befürchtungen ernst zu nehmen. "Wer mit Verlusten von Arbeitsplätzen droht, verschärft den Widerstand der Bürger. Die erhofften Gewinne Einzelner gehen zu Lasten der Mehrheit", sagte er.

Die Kreistagsabgeordneten des Vogtlandkreises haben dieser Tage die Mindestabstände zwischen Windrädern und Wohnhäusern beschlossen. Damit folgten sie dem Beispiel des Kreistags in Meißen, der eine solche Forderung im September vergangenen Jahres an die Adresse der Landesregierung in Dresden gerichtet hatte.

Haba-Beton wollte mit dem Windrad Energie erzeugen, die für die Produktion gebraucht werde. Das Unternehmen betreibt in Großsteinberg nach eigenen Angaben seit 1992 das modernste

und größte seiner acht Werke in Europa und beschäftigt dort 65 Mitarbeiter. Am Standort verbraucht es nach Angaben von Johann Bartlechner jährlich 1,7 Millionen Kilowattstunden Energie. Das geplante Windkraftrad erachtete er für die Wettbewerbsfähigkeit als unerlässlich. Laut Constantin versuchte der Betrieb im September 2012, den Gemeinderat unter Druck zu setzen mit dem Argument, wenn es kein Windrad gebe, gehe er nach Polen.

Der Parthensteiner Bürgermeister Jürgen Kretschel (parteilos) sieht indessen das Verhältnis zwischen Betrieb und Gemeinde nicht vergiftet. "Haba-Beton bleibt der Hauptsteuerzahler für uns", sagte er. "Ohne ihn käme es zu erheblichen Einschränkungen, was eine wesentliche Überlegung jener war, die damals im Parthensteiner Gemeinderat für den Antrag der Firma gestimmt hatten." Gerade eben sponserte das Unternehmen Geld für die vier kommunalen Kindertagesstätten.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.05.2015
Frank Pfeifer

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