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Großsteinberger Bahnhof bleibt Schandfleck

Großsteinberger Bahnhof bleibt Schandfleck

Parthenstein/Großsteinberg. Es sah alles so gut aus. Ein Borsdorfer Eisenbahn-Enthusiast wollte den Großsteinberger Bahnhof kaufen und künftig darin wohnen. Doch dann platzten die Verhandlungen mit dem Eigentümer.

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Trauriger Anblick: Die Bahn fährt noch, doch der Bahnhof ist heruntergekommen. Gern hätte ihn ein 29-Jähriger Borsdorfer erworben. Doch die Verhandlungen mit Eigentümer Karl-Leo Spettmann verliefen nicht erfolgreich. So steht die Immobilie weiter zum Verkauf.

Quelle: Klaus Peschel

Dieser ist inzwischen mit seinem Preis offenbar heruntergegangen, 25 000 Euro soll die Immobilie jetzt kosten. Für den Borsdorfer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, kommt dieses Angebot zu spät.

Im schmucken Großsteinberg bildet der Bahnhof den schlimmsten Schandfleck. Graffiti prangen an den Wänden, Fenster sind eingeschlagen, drinnen sieht es nicht besser aus. Erworben hat das Gebäude Karl-Leo Spettmann aus Düsseldorf. Am Telefon befragt, was er mit ihm vorhat, kommt kein vernünftiges Gespräch zustande. "Die Presse hat doch sowieso ihre eigenen Gesetze", tobt er und legt auf.

In der Tat klingt das, was in der Presse zu lesen war, nicht immer so, als hätte er stets gute Erfahrungen mit Journalisten gemacht. "Karl-Leo Spettmann hat eine Leidenschaft: Er kauft Häuser, vermarktet sie und verkauft sie weiter", schrieb das Nachrichtenmagazin Focus in seiner Online-Ausgabe. Und weiter: "Das wäre nicht sonderlich spektakulär, würde es sich dabei um ganz normale Immobilien handeln. Doch Spettmann, im Hauptberuf Schlosser, hat sich spezialisiert auf Bruchbuden." Was ihn daran reize, sei der "Reiz des Wahnsinns".

In der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung mit Sitz in Essen war zu lesen, wie er ein denkmalgeschütztes, stark sanierungsbedürftiges Haus in Langenberg für 30 001 Euro ersteigerte, indem er einen Interessenten überbot, der das Gebäude retten wollte. Wenig später habe er es für 79 000 Euro angeboten. Der Vorwurf dort: Spettmann scheine wenig Interesse zu haben, aus dem geschichtsträchtigen Haus ein bauhistorisches Kleinod zu machen. "Stattdessen setzt er wohl aufs schnelle Geld", schrieb das Blatt.

Im mittelsächsischen Waldheim trat Spettmanns Sohn Leonardo als Käufer des dortigen Bahnhofs auf. "Er hatte ihn für unter 10 000 Euro erworben und schraubte den Preis hoch bis auf 160 000 Euro", sagt Bürgermeister Steffen Blech (CDU) der LVZ. Zuerst habe Leonardo Spettmann aus dem Bahnhof ein Hardcore-Discozentrum machen wollen, dann sogar ein Begegnungszentrum für afrikanische Islamisten. "Er wollte uns damit unter Zugzwang bringen: Entweder kaufen wir die Immobilie, oder es kommen die Islamisten und in deren Folge die Rechten zu uns", schildert Blech, der den Stadtrat bat, sich von solch einem Vorgehen nicht erpressen zu lassen. Waldheim bewahrte die Ruhe und beteiligte sich im Dezember vergangenen Jahres an einer Versteigerung des Bahnhofs. Für 5000 Euro erhielt die Stadt den Zuschlag. Gerettet werden kann das Gebäude damit aber nicht mehr. Es soll bis auf die Vorderfront abgerissen werden.

50 000 Euro habe Vater Karl-Leo Spettmann von ihm für den Großsteinberger Bahnhof verlangt, sagt der Borsdorfer, der sich für das Haus interessiert hatte. "Bei den Verhandlungen war er unnahbar", sagt er. Deshalb hat sich der 29-Jährige nach einer Alternative umgeschaut und diese in Naunhof gefunden. Dort will er eine Immobilie zu Wohnzwecken kaufen. Das jetzige Angebot des Düsseldorfer Händlers, der nur noch die Hälfte verlangt beziehungsweise die neun Zimmer für eine Kaltmiete von monatlich 299 Euro offeriert, interessieren ihn nicht mehr. Wirklich bewohnbar wäre das Gebäude aus dem Jahre 1880 in seinem jetzigen Zustand sowieso nicht.

Bürgermeister Jürgen Kretschel (parteilos) bedauert die Entwicklung. "Es wäre seinerzeit besser gewesen, den Bahnhof zu ersteigern", meint er heute. "Auch wenn wir kein Nutzungskonzept als kommunalen oder Gewerbestandort hatten, hätten wir versuchen sollen, ihn als Wohngebäude weiter zu veräußern." Es hätte aber keinen Sinn gemacht, das Haus zu kaufen und selbst zu sanieren. "Das Risiko wäre zu hoch gewesen, die Kosten wieder einspielen zu können", gibt der Bürgermeister zu bedenken.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 15.04.2014
Pfeifer, Frank

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