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Grimma Grüner: Flaute in Sachsen bei der Windkraft
Region Grimma Grüner: Flaute in Sachsen bei der Windkraft
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06:02 06.04.2018
Der Grünen-Landtagsabgeordnete Gerd Lippold (l.) kommt am Fuße der neuen Großbardauer Windkrafträder ins Gespräch mit dem Chef der Leipziger Planungsgesellschaft Terrawatt, Falk Zeuner. Quelle: Frank Prenzel
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Grimma/Großbardau

Alle 2017 gebauten Windkrafträder an einem Tag aufsuchen? „In Sachsen ist das möglich“, schüttelt der Grünen-Landtagsabgeordnete Gerd Lippold den Kopf. Denn es sind nur 16 Stück. Von 1800 in ganz Deutschland. Lippold setzte sich am Mittwoch ins Auto, um die Anlagen abzufahren und sich bei den Betreibern kundig zu machen, mit welchen Problemen sie kämpfen. Station war am Abend auch Grimma, wo sich seit vorigem Jahr zwischen Groß- und Kleinbardau zwei neue Räder im Wind drehen – die einzigen wirklich neu gebauten in Sachsen. Die anderen 14 waren sogenannte Repowering-Anlagen, also Ersatzräder für alte Energieanlagen.

GRÜNE Akzente in der 66. und 67. Landtagssitzung

Ab morgen steht ein neues #Plenum an. Wir GRÜNEN bringen u.a. diese Themen in die zweitägige #Landtagssitzung ein: #Klimaschutz, #Versammlungsfreiheit, sozialer #Wohnungsbau, Seiteneinstieg in den #Lehrerberuf, #Aufarbeitung von DDR-Unrecht. Im Video spricht unser Fraktionsvorsitzender Volkmar Zschocke über unsere GRÜNE Inititativen im Sächsischer Landtag. Alle Infos: http://bit.ly/gruenes-Plenum-2018_66-67 Alle Reden: http://bit.ly/gruene-reden #Landtag #Sachsen #saxlt

Gepostet von GRÜNE Landtagsfraktion Sachsen - saxgruen am Dienstag, 30. Januar 2018

Allerdings standen die wuchtigen Rotorblätter gerade still, obwohl ein ordentliches Lüftchen blies. „Wegen des Rotmilans“, erklärte Falk Zeuner von der Geschäftsleitung der Leipziger Planungsgesellschaft Terrawat, der Lippold am Fuße eines der Giganten Rede und Antwort stand. Windkraft-Verfechter unter sich. Terrawatt und die bei Colditz ansässige Windstromer GmbH hatten um die 13 Millionen Euro für die beiden Anlagen in die Hand genommen.

Energieerzeuger erfüllen mehrere Schutz-Auflagen

Der Schutz des Rotmilans gehört zu den Naturschutz-Auflagen der Großbardauer Investoren. Wenn die Bauern den Acker nahe der Windkraftwerke bearbeiten, könnte der seltene Vogel Futter wittern und angeflogen kommen. Deshalb gibt es zwischen Landwirten und dem Anlage-Betreiber Verträge, ein Management für 200 Hektar, wie Zeuner verdeutlichte. Wenn sie ackern, rufen die Bauern an – die Rotorarme sind dann zwei Tage lang anzuhalten. Zudem werden Früchte, die Mäuse und andere Nager locken, rund um die Maschinen nicht angebaut. In windarmen, lauen Nächten stoppen die Rotoren sogar automatisch, um Fledermäuse nicht zu gefährden.

Doch das waren Infos nur am Rande. Lippold geißelte die Politik der schwarz-roten Regierung in Dresden. Im Koalitionsvertrag 2014 sei vollmundig verkündet worden, die Blockade der Windenergie zu beenden und sich an den Ausbauzielen des Bundes für erneuerbare Energie zu orientieren. Zu sehen sei davon nichts. Eigentlich müssten im Freistaat 80 bis 90 neue Anlagen pro Jahr entstehen, so Lippold mit Blick auf die Großbardauer 3,4-Megawatt-Räder, deren Nabenhöhe bei 143 Metern liegt. „Sachsens Energie- und Klimaprogramm hätte novelliert werden müssen“, beklagt der Grünen-Politiker. Weil die Ausbauziele zu niedrig seien, würden für die Windkraft jedoch keine Flächen ausgewiesen. Erschwerend komme das Prozedere der Ausschreibung hinzu. Lippold: „Wir brauchen einen effizienten Pfad zur Versorgung mit erneuerbarer Energie. Da kommen wir um die Windkraft nicht herum.“ Es mache Sinn, mit möglichst wenigen Anlagen zur Energiewende zu kommen.

Sächsische Windenergieerzeuger setzen auf Auslandsmarkt

Zeuner ist da ganz auf der Seite des Grünen-Abgeordneten. „Wenn wir nur auf Sachsen gesetzt hätten, wären wir längst verhungert“, schimpfte er. „Wir machen unsere Hauptumsätze im Ausland“, nannte er Korea, den Offshore-Windpark Baltic 1 und auch Marokko als Beispiele. Zeuner spricht sogar von einem Desaster in Sachsen. Ein Zubau von Windkraft werde politisch verhindert.

Der Grünen-Landtagsabgeordnete Gerd Lippold (l.) und der Chef der Leipziger Planungsgesellschaft Terrawatt, Falk Zeuner. Quelle: Frank Prenzel

Am Bau eines dritten und vierten Windspargels auf Großbardauer Flur halten die Investoren fest – obwohl Gegenwind aus den Ortschaften weht. Die Infrastruktur dazu wurde beim Bau der jetzigen zwei Anlagen, die etwa 7000 Haushalte mit Strom versorgen können und laut Zeuner einen fantastischen Ertrag haben, mit errichtet. Allerdings müssen Terrawatt und Windstromer erst die Fortschreibung des Regionalplanes Westsachsen abwarten. „Danach gehen wir in die Beantragung und ins Verfahren“, bekräftigte Zeuner.

Widerspruch gegen den Regionalplanentwurf eingelegt

Doch es gibt einen Haken. Das Ansinnen der Anlagenbetreiber zum Vorranggebiet Großbardau fand in der Regionalplanung keine Berücksichtigung. Beim Abstand zur geschlossenen Wohnbebauung werde eine alte, fehlerhafte Plangrundlage herangezogen, erläuterte Zeuner. Deshalb werde nur drei Windrädern Platz eingeräumt. Das Gebiet sei aber eigentlich größer, der Abstand lasse vier Anlagen zu. Deshalb sei man in Widerspruch zum Regionalplan-Entwurf gegangen. „Es war der politische Wille, hier vier Mühlen zu bauen“, so Zeuner. Mittlerweile biete Sachsen kaum noch Vorranggebiete für Windkraft, auch bei der Fortschreibung des westsächsischen Regionalplanes seien Flächen gestrichen worden, zeigt sich der Fachmann fassungslos.

Von Frank Prenzel

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