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Grüner Tisch macht sich gegen Kahlschläge in und um Naunhof stark

Neugründung Grüner Tisch macht sich gegen Kahlschläge in und um Naunhof stark

Schon manchmal erhitzten sich die Gemüter, wenn in und um Naunhof Bäume gefällt wurden. Im vergangenen Winter war aber besonders oft die Säge zu hören. Das brachte besorgte Bürger auf die Palme, sie gründeten einen Grünen Tisch in der Hoffnung, gegensteuern zu können. Erste Ziele haben sie abgesteckt.

Pfarrer Norbert George. Ihm waren die Fällungen schon lange ein Dorn im Auge. Für die Sitzungen des Grünen Tischs stellt er den Kirchgemeindesaal zur Verfügung.

Quelle: Frank Pfeifer

Naunhof. Schon manchmal erhitzten sich die Gemüter, wenn in und um Naunhof Bäume gefällt wurden. Im vergangenen Winter war aber besonders oft die Säge zu hören. Das brachte besorgte Bürger auf die Palme, sie gründeten einen Grünen Tisch in der Hoffnung, gegensteuern zu können. Erste Ziele haben sie abgesteckt.

Als massenhaft die Bäume fielen, musste sich Heilpraktikerin Helge Heinze ihren Frust von der Seele schreiben. „Gerade der Wald war für viele der Grund, hierher zu ziehen“, sagt die 51-Jährige, die ihre Zeilen an Freunde verschickte sowie in ihrem Tai-Chi- und Qigong-Kursen verteilte. „Die Resonanz war überwältigend“, resümiert sie. Auch der evangelische Pfarrer Norbert George erfuhr von der Kritik. Ihn trieb das Thema schon lange um, so stellte er für die Gründung eines Grünen Tisches den Kirchgemeindesaal zur Verfügung.

Zu einem ersten Treffen lud sich die Runde Revierförster Udo Köhler ein. Vereinbart wurde mit ihm, gemeinsam durch den Naunhofer Forst zu gehen, um die Gründe fürs Abholzen zu erfahren. Heinze zollt ihm viel Mut, sich den Fragen von 40 besorgten Bürgern gestellt zu haben, denn der Ärger machte sich zum Teil Luft. Für Köhler allerdings erfolgt der Holzeinschlag streng nach gesetzlichen Regeln. „Außerdem“, betont er, „fällt nicht nur der Staatsforst Bäume, das geschieht auch bei privaten Waldbesitzern.“

Zwar brachten beide Seiten ein Stückweit Verständnis füreinander auf. „Grundsätzlich sprechen wir aber zwei verschiedene Sprachen“, resümiert Heinze. „Wir Bürger wollen uns in einem Wald erholen, und der Forstbetrieb ist ein Wirtschaftsunternehmen. Wir befürchten eine Fortsetzung des Kahlschlags.“ Ein solcher sei in einem von der Europäischen Union 2012 ausgewiesenen Vogelschutzgebiet zwischen Naunhof und Lindhardt für Oktober vorgesehen, was die Initiatorin des Grünen Tischs besonders erzürnt.

Ähnlich sehen es andere Mitglieder der zwanzigköpfigen Runde, die für weitere Interessierte offen ist. „Meiner Meinung nach geht es nur ums Geldverdienen“, moniert André Engelhardt aus Eicha, den die großen Flächen aufregen, „die nach dem Abholzen wie Wüsten aussehen.“ Der Ortsvorsteher von Erdmannshain/Eicha/Albrechtshain, Jan-Walter Heikes, erklärt: „Ich kenne das Argument, es würde weniger Holz geschlagen, als nachwächst. Aber wenn man das sieht, ist es erschreckend. Es fallen nicht nur alte Bäume, sondern auch gesunde Mischwaldbestände.“ Und der Macherner Klangtherapeut Friedhelm Bretschneider meint: „Bäume helfen mir, gesund zu werden, ihre Kräfte sind gut auf uns abgestimmt im Gegensatz zu chemischen Medikamenten. Pflanzen sind genauso schützenswert wie Tiere und Menschen.“

Reinhild Melcher vom Imkerverein Naunhof fordert ein Hin zu Mischwäldern; Fichten-Monokulturen dürften nicht mehr angelegt werden. Insgesamt sei ein größerer Wert auf Blühpflanzen zu legen. „Sie bieten die Grundlage für Insekten, die im natürlichen Kreislauf von Vögeln gefressen werden“, erläutert sie. „Außerdem sind Bienen wichtige Bestäuber, 70 Prozent der landwirtschaftlichen Erträge hängen von ihnen ab.“

Auch in der Stadt Naunhof müssten nach Melchers Ansicht mehr Nahrungsquellen für die Immen geschaffen werden. Doch dort fielen im Winter ebenso zahlreiche Bäume – auf der Grundlage eines Gutachtens. „Hätte man es schon eher erstellen lassen, wäre die Fällung über einen längeren Zeitraum erfolgt und nicht jetzt auf einmal so massiv“, meint Engelhardt.

Zumindest innerhalb der Stadt zeichnet sich ein Kompromiss an. „Uns wurde versprochen, dass die Kommune die Baumscheiben nach einem Jahr neu bepflanzt“, sagt Helge Heinze, die ein erstes Ziel des Grünen Tisches nennt: „Wir werden das genau verfolgen.“ Ein zweites Vorhaben seien Neupflanzungen im Schillerpark. „Das Gelände an der Grundschule gehört der Kirchgemeinde, die Stadt hat es gepachtet“, erklärt Pfarrer George. „Dort wurden große Linden gefällt. Wir wollen aufrufen, neue Bäume zu spenden, die dort im Herbst gesetzt werden sollen.“

Weiterhin appelliert der Grüne Tisch an die Öffentlichkeit, die Online-Petition „Baumschutzgesetz verabschieden – Kommunalen Baum- und Gehölzschutz in Sachsen wieder ermöglichen“ zu unterschreiben. „Damit soll es nicht mehr so einfach wie seit der Gesetzesänderung von 2010 sein, Bäume auf Privatgrund zu beseitigen“, sagt Helge Heinze.

Am 3. Juli, 19 Uhr, kommt der Grüne Tisch wieder im Gemeindesaal, Wurzener Straße 1, zusammen. Neue Interessenten sind willkommen.

Von Frank Pfeifer

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