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Grundstücksdeal: Grimma lässt Ampel in Hohnstädt noch auf Rot

Immobilien Grundstücksdeal: Grimma lässt Ampel in Hohnstädt noch auf Rot

Ohne Sicherheiten in der Tasche war es dem Stadtrat von Grimma am Ende zu heiß, dem Grundstücksdeal in Hohnstädt zuzustimmen. Die Beschlussvorlage wurde zurück gestellt. Zunächst wollen die Stadträte notariell beglaubigte Schriftstücke – nämlich Kaufvertrag und Investitionsverpflichtung – auf dem Tisch haben, ehe sie grünes Licht geben.

Hat schon bessere Zeiten gesehen: Das Herrenhaus Hohnstädt.

Quelle: Thomas Kube

Grimma. Ohne Sicherheiten in der Tasche war es dem Stadtrat von Grimma am Ende zu heiß, dem Grundstücksdeal in Hohnstädt zuzustimmen. Die Beschlussvorlage wurde zurück gestellt. Zunächst wollen die Stadträte notariell beglaubigte Schriftstücke – nämlich Kaufvertrag und Investitionsverpflichtung – auf dem Tisch haben, ehe sie grünes Licht geben.

Worum geht es? Die Stadt Grimma will wie berichtet ein brach liegendes Filetstück in Hohnstädt für den Bau neuer Wohnungen veräußern. Nach dreimaliger Ausschreibung lag ein Angebot oberhalb des Bodenrichtwertes vor, eingereicht von der K & P Immobilien Gesellschaft Taucha. Die Ausschreibung beinhaltete auch eine Forderung, die es in sich hat. Der Investor muss sich verpflichten, auch das benachbarte Herrenhaus Hohnstädt zu erwerben und unter Denkmalschutz-Aspekten zu sanieren.

So will Grimma zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen – attraktive Wohnungen schaffen und ein verwahrlostes Denkmal-Gebäude auf Vordermann bringen. Allerdings gehört nur die etwa 6000 Quadratmeter große Baufläche der Kommune, das Herrenhaus ist im Besitz eines Holländers. Der habe seinerzeit das Herrenhaus im Tausch gegen die Roggenmühle erhalten, die Grimma als Bestandteil der Hochwasserschutz-Anlage brauche, erklärt Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos).

Die K & P Immobilien GmbH muss sich deshalb mit dem Holländer, der offensichtlich keinen Finger am Herrenhaus gerührt hat, einig werden und ihm das ruinöse Gebäude abkaufen. Diesen Kaufvertrag möchte die Stadt nun zunächst ebenso sehen wie eine notariell beurkundete Investitionsverpflichtung der Tauchaer. Erst dann wird der Stadtrat über den Verkauf des attraktiven 6000 Quadratmeter großen Baugrundstücks zu einem Preis von 39 Euro je Quadratmeter befinden – und vermutlich zustimmen.

Die K & P-Firma soll sich per Erklärung verpflichten, nach Grundbucheintrag innerhalb von fünf Jahren das Herrenhaus in Hohnstädt wieder herzustellen. „Schaffen die das nicht, wird eine Vertragsstrafe fällig“, erläutert Rathauschef Berger. Dann falle das um 1700 errichtete Herrenhaus an die Stadt Grimma und müsse ihr kostenlos übereignet werden. Zudem müsse die Firma der Kommune 240 000 Euro zahlen. Mit dieser Pönale, wie so eine beglaubigte Vertragsstrafe auch genannt wird, will die Stadt einen langwierigen Streit vor Gericht umgehen, sollte die Investition ins derzeit jämmerlich anmutende Herrenhaus ausbleiben. Mit dieser Summe könnte zumindest die Bausubstanz erst mal gesichert werden, so Berger vor dem Stadtrat.

Den Anstoß im Stadtrat gab CDU-Fraktionschef Frank Linke. „Wir sollten den Verkaufsbeschluss erst fassen, wenn die Beurkundung zum Herrenhaus und die notarielle Verpflichtung tatsächlich vorliegen“, gab er zu bedenken. Darauf ging Berger ein. Er geht davon aus, dass man jetzt vier bis fünf Wochen verliert.

K & P-Geschäftsführerin Christine Partschefeld informierte auf LVZ-Nachfrage, dass der Notartermin mit dem Holländer für den 30. März anberaumt sei.„Wenn Herr Spelt kommt, wird es auch beurkundet.“ Beim Preis sei man sich einig. Für ihre Firma ist der Kauf des Herrenhauses der Ausschlag gebende Punkt. Erst wenn der in trockenen Tüchern ist, wird auch die Investitionserklärung unterschrieben. Die habe sie mit der Bitte um kleinere Änderungen der Stadt zugeschickt und warte jetzt auf Rücksendung, so Partschefeld. Demnach will sich die Firma verpflichten, innerhalb der nächsten fünf Jahre mit der Sanierung des Herrenhauses zu beginnen und nicht schon in diesem Zeitraum fertig werden. Ein Termin für die notarielle Beurkundung der Erklärung sei dann schnell zu bekommen, meint die Chefin. Partschefeld erläutert, dass ihre Firma ursprünglich aus dem Denkmalschutz kommt. „Wir kennen uns mit solchen Gebäuden wie das Herrenhaus aus. Es gefällt uns optisch sehr gut.“ Sie freue sich, das Haus in Hohnstädt entwickeln zu können. Allerdings macht Partschefeld unmissverständlich deutlich, dass Eile geboten ist: „Ohne Sicherungsmaßnahmen steht das Haus in zwei Jahren nicht mehr.“

Das Grundstück hatte einst dem Wägetechnik-Produzenten Bizerba gehört. 2009 kaufte Grimma die Fläche, „um Ordnung reinzubringen“, so Berger. Die baufälligen Gebäude wurden abgerissen. Allerdings zerschlugen sich die Pläne eines Neubaus der Grundschule, die dann am angestammten Standort erneuert wurde. Nur für Turnhalle und Wendeschleife wurde ein Teil des Areals benötigt. Nun sollen mit Hilfe des Investors neben dem Herrenhaus maximal 30 Wohnungen zwischen 80 und 130 Quadratmeter Größe entstehen – in bester Lage. Ins Herrenhaus müsste er laut Berger wohl um die zwei Millionen Euro stecken, um es wieder herzustellen.

Von Frank Prenzel

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