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Gutachter bescheinigt Schläger von Naunhof bei klarem Bewusstsein gehandelt zu haben

Prozess fortgesetzt Gutachter bescheinigt Schläger von Naunhof bei klarem Bewusstsein gehandelt zu haben

Am Mittwoch wurde der Prozess wegen gefährlicher Körperverletzung in Naunhof gegen den 30-Jährigen Maik E. fortgesetzt. Ein Sachverständiger bescheinigte dem Angeklagten ein ausgeprägtes Problem im Umgang mit Alkohol. Das Urteil soll am 11. April gesprochen werden.

Die 8. Strafkammer des Landgerichtes Leipzig wird voraussichtlich am 11. April ihr Urteil verkünden.

Quelle: dpa

Leipzig/Naunhof. Maik E. leidet weder an einer erkennbaren psychischen Erkrankung, noch hat er eine Persönlichkeitsstörung. Der 30-Jährige „wird sehr genau gewusst haben, was er da tat. Seine Steuerungsfähigkeit war gut – auch wenn ihm zur Tatzeit 2,1 Promille Atemalkohol nachgewiesen wurde“, erklärte der Gutachter, der Maik E. nach seiner Festnahme im Juni 2016 mehrfach in der JVA Leipzig untersucht hatte. Zwar könne es sein, dass die Kombination von Alkohol und einem niedrigen Blutzuckerwert – der Angeklagte leidet unter Diabetes mellitus – seine Psyche temporär beeinflusst hat. Zumindest sei das medizinisch erklärbar. Aber dass er zwischen den Attacken gegen sein Opfer zumindest einmal mit seiner Lebensgefährtin telefoniert hatte, lässt vermuten, „dass er bei klarem Bewusstsein war.“

Maik E. hatte Anfang Juni einen Gleichaltrigen mit Schlägen und Tritten malträtiert, als dieser gerade von Rettungssanitätern in Naunhof wegen einer Alkoholvergiftung versorgt wurde. E. soll das Opfer als mutmaßlichen Drogendealer wiedererkannt haben, als er offenbar zufällig am Rettungswagen des DRK vorbeilief. Da seien ihm die Sicherungen durchgebrannt, hat er angegeben.

Am zweiten Verhandlungstag im Prozess gegen den gebürtigen Zwenkauer sagten am Mittwoch vor der achten Strafkammer des Landgerichtes Leipzig neben dem Sachverständigen auch die Polizeibeamten aus, die am späten Abend des 3. Juni in die Naunhofer Ladestraße gerufen wurden. Alle gaben übereinstimmend an, dass der Beschuldigte sich anstandslos festnehmen und abführen ließ. „Wir haben ihn vom Geschädigten weggeführt, damit die Rettungskräfte und der Notarzt den Verletzten versorgen konnten.“ Etwa 20 Minuten lang soll Maik E. vorher auf das Opfer Michael S. eingeschlagen und ihn von der Trage des Rettungswagens auf den Boden gezerrt haben.

Ein Leipziger Rechtsmediziner hatte den Naunhofer etwa 24 Stunden nach der Tat begutachtet. Die deutlichen Verletzungsspuren an Kopf und Oberkörper des Mannes ließen klar auf mehrere Schläge und Tritte schließen. „Keine davon waren lebensbedrohlich“, erklärte der Mediziner den Prozessbeteiligten. Dass sich S. am Morgen nach dem Tatabend auf eigenen Wunsch aus der Uni-Klinik Leipzig entlassen ließ, sei „zumindest ungewöhnlich. Die Verletzungen waren zumindest so schwer, dass man den Patienten zur Überwachung in stationärer Betreuung behalten hätte“, erklärte der Rechtsmediziner.

Bei dem vorbestraften Maik E. (bereits wegen Körperverletzung verurteilt) sei eine ausgeprägte Suchtneigung erkennbar, stellte der Gutachter fest. Auch im familiären Umfeld habe Alkohol immer wieder eine Rolle gespielt. Das Einzelkind mit nachgeholtem Hauptschulabschluss und abgebrochener Metallfacharbeiter-Ausbildung hat einen leiblichen Sohn, zu dem es inzwischen keinen Kontakt mehr gebe. In der Untersuchungshaft habe E. sich erstmals mit seinem massiven Alkoholgebrauch auseinandergesetzt und strebt eine Therapie an, wie sein Anwalt Tommy Flechsig erklärte.

Am zweiten Verhandlungstag beschäftigten sich die Prozessbeteiligten ansonsten hauptsächlich mit der Frage, wie schwer die Attacken des Angeklagten gegen sein Opfer waren. Zu Beginn des Prozesses war ein erneuter Antrag der Staatsanwaltschaft Leipzig, auf Totschlag anzuklagen, abgelehnt worden.

Für den letzten anberaumten Verhandlungstermin kommenden Dienstag werden die Plädoyers erwartet. Der Vorsitzende Richter der Strafkammer, Rüdiger Harr, ging davon aus, dass dann auch ein Urteil fallen kann.

Von Thomas Lieb

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