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Gymnasiasten auf den Spuren der einstigen Spitzenfabrik Grimma

Dorf der Jugend Gymnasiasten auf den Spuren der einstigen Spitzenfabrik Grimma

Acht Grimmaer Gymnasiasten haben sich auf Spurensuche begeben. Sie erforschen die Geschichte der Grimmaer Spitzenfabrik und erarbeiten wetterfeste Anschauungstafeln. „Die Geschichten, die die alten Mauern erzählen können, sollen nicht in Vergessenheit geraten“, sagt Constanze Röder (17), die sich an die Spitze der Gruppe im „Dorf der Jugend“ gestellt hat.

Constanze Röder, Kim Linke, Hanna Siebert, Paula Pust und Pauline Schützenberger gehören zum Team, dass die Geschichte der Alten Spitzenfabrik für eine Open-Air-Ausstellung aufarbeitet.

Quelle: Frank Prenzel

Grimma. Ein achtköpfiges Team Grimmaer Gymnasiasten hat sich auf Spurensuche begeben. Es erforscht die Geschichte der Grimmaer Spitzenfabrik und erarbeitet wetterfeste Anschauungstafeln. „Die Geschichten, die die alten Mauern erzählen können, sollen nicht in Vergessenheit geraten“, sagt Constanze Röder (17), die sich an die Spitze der Gruppe gestellt hat.

Kurz nach der Wende ging in der Fabrik am Muldeufer das Licht aus. Fast ein Jahrhundert lang war hier Plauener Spitze produziert worden, zu DDR-Zeiten als Teil des gleichnamigen Volkseigenen Betriebes. Auf dem Gelände hat sich inzwischen das „Dorf der Jugend“ etabliert, in dem sich auch Röder und ihre Mitschüler wohl fühlen und engagieren. Als ihnen das „Spurensuche“-Projekt im gesellschaftswissenschaftlichen Profil ihrer Schule vorgestellt wurde, fingen sie sofort Feuer für die Aufarbeitung der Grimmaer Spitzenfabrik-Historie. „In dem alten Gebäude wird ein Ort für junge Leute geschaffen“, sagt Constanze Röder. Ihre Truppe will deshalb dauerhaft vor Augen führen, was einst dessen Bestimmung war.

Die Open-Air-Ausstellung auf der Wiese neben dem Containercafé im „Dorf der Jugend“ soll nach den Sommerferien feierlich eingeweiht werden. Doch bis dahin war es ein weiter Weg. Schon im vorigen Jahr hatten die Jugendlichen bei der Sächsischen Jugendstiftung einen Antrag auf finanzielle Unterstützung gestellt und 1700 Euro erhalten. Zu den Jugendgeschichtstagen in Dresden präsentierten sie ihr Projekt.

Spannend war die Recherche zu den Arbeitsbedingungen, dem Produktionsablauf und den Produkten. Die Gymnasiasten forschten im Stadtarchiv und fanden so auch die Betriebsverordnung von 1906. Indes: Die Archivakte reicht nur bis 1946, andere Teile sind offenbar entfernt worden. „Wir haben dennoch den Zeitstrahl ohne Lücken“, freut sich Pauline Schützenberger (15). Über Medien und Plakate suchten die Jugendlichen dann Zeitzeugen, worauf sich eine Handvoll meldete. Sie konnten den Projektleuten Dokumente und Fotos ebenso zur Verfügung stellen wie in Grimma produzierte Spitze. So hielten die Jugendlichen auch alte Lohnverträge und eine Urkunde für gute sozialistische Arbeit in der Hand. Zeitungsartikel fanden sich ebenfalls. Mit dem einstigen Hausmeister/Instandhalter und zwei Frauen, die an den Maschinen standen, wurden jeweils einstündige Interviews geführt. „Sie gaben einen tiefen Einblick in ihr Leben, das war sehr emotional“, ist Pauline Schützenberger noch immer beeindruckt. Die Gespräche mit den betagten Zeitzeugen trugen wesentlich zum Erkenntnisgewinn bei.

Beim Anfertigen der Tafeln hilft die Leipziger Agentur „Zeitläufer“. „Es ist gar nicht so einfach, alles gut lesbar zu gestalten“, weiß die 17-jährige Teamchefin inzwischen und betont: „Der Punkt Arbeitsbedingungen war uns am Wichtigsten.“ Deshalb sind dafür zwei von sechs Tafeln reserviert. Produkte und Herstellung, Gebäude und Geschichte sowie eine Tafel zum Projekt vervollständigen die Ausstellung, die dauerhaft auf der Wiese bleiben soll.

Für die Eröffnungsfeier ist der 12. August ins Auge gefasst. Dann sollen auch die Zeitzeugen eingeladen werden. Neben Musik wird die ehemalige Improvisationstruppe des Gymnasiums mit kleinen Showteilen aufwarten. Die Betrachter werden dann auch ein Foto vor Augen bekommen, wie zu DDR-Zeiten auf Gleisen eine Dampflokomotive angeliefert wurde. In der realsozialistischen Mangelwirtschaft wurde das stählerne Ungetüm zur Energieerzeugung gebraucht. „Das fand ich am Besondersten“, meint Kim Linke (16).

Von Frank Prenzel

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