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Grimma Gymnasiasten gehen auf historische Spurensuche in ihrer Heimatstadt Grimma
Region Grimma Gymnasiasten gehen auf historische Spurensuche in ihrer Heimatstadt Grimma
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12:05 20.04.2017
Betsaal des Gymnasiums St. Augustin: Anja Höfer und Jennifer Ruppert gehören zu den Teilnehmern des Geschichtswettbewerbes.   Quelle: Foto: Andreas Döring
Grimma

 „Gott und die Welt. Religion macht Geschichte“ – lautet das Thema der 25. Ausschreibung des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten. Vom 1. September 2016 bis zum 28. Februar begaben sich auch Grimmaer Gymnasiasten auf historische Spurensuche vor Ort. Wer wusste schon, dass das Grimmaer Kreismuseum einst die erste Mädchenschule war oder der Betsaal vom Gymnasium St. Augustin von den Nationalsozialisten als Appellplatz missbraucht wurde. Noch vor der offiziellen Preisverleihung durften die Schüler des Gymnasiums St. Augustin ihre Arbeiten im kleinen Festsaal präsentieren und der Öffentlichkeit vorstellen. „Damit sollten die Schüler für ihre intensive Arbeit gewürdigt werden“, sagt Herma Lautenschläger, die Mentorin. Mit von der Partie war unter anderem die 16-jährige Jennifer Ruppert. Sie befasste sich mit dem Thema „Die vergessene Nonne“. „Ich habe die Führungen zur Reformation in Grimma mit erarbeitet“, so die Schülerin. Dabei kam sie mit dem Namen Magdalena von Staupitz (1485-1548) in Kontakt. Staupitz gehörte zu den Nonnen, die mit Katharina von Bora aus dem Zisterzienserinnenkloster Marienthron in Nimbschen 1523 geflohen waren. Sie wurde Schulleiterin einer Elementarschule für Mädchen in Grimma, dem heutigen Kreismuseum. Später heiratete sie den Grimmaer Bürger Tiburcius Geuder. Magdalena von Staupitz kannte Martin Luther persönlich. Ihr älterer Bruder, Johann von Staupitz, war Augustiner Generalvikar in Wittenberg und Beichtvater Luthers. „Ich habe zu diesem Thema viele Expertengespräche geführt, um herauszufinden, wie zur Reformationszeit mit Frauen umgegangen wurde“, erzählt die Schülerin.

Die Landessiegerin im zurückliegenden Geschichtswettbewerb, Anja Höfer (16) befasste sich dagegen mit der Geschichte des Betsaals am Gymnasium St. Augustin. 1891 für religiöse Andachten eingerichtet, diente er zwischenzeitlich auch als Turnhalle. Erst 2002 wurde er nach der Flut durch Spendengelder restauriert und als Festsaal umfunktioniert. „Für mich war interessant zu erfahren, dass der Betsaal nicht erst zur DDR-Zeit zerstört, sondern bereits im Nationalsozialismus als Appellplatz missbraucht wurde. In dieser Zeit übermalte man die Bibelsprüche und verstaute die Bleiglasfenster auf den Dachboden“, erzählt sie.

Muriel Wegner (17) interessierte der Kirchenkampf 1952/53 in Grimma. „Ich bin Baptistin, und für mich war es unvorstellbar, wie junge Christen von der Staatsgewalt bedroht wurden“, sagt sie. Die Gymnasiastin entwickelte dazu das Spiel des Lebens. „Da ich mich in der DDR-Geschichte nicht so auskannte, habe ich viele Gespräche mit meinen Eltern geführt“, erklärt sie. Mit der Ausgestaltung des Lutherjahres 1983 in Grimma befasste sich Jakob Eißner (17). „Ich habe dazu zahlreiche Zeitzeugen befragt, die mir erklärten, dass die kirchliche Arbeit in Grimma zu diesem Zeitpunkt noch nicht so ausgeprägt war, wie in den großen Städten“, berichtet er. Die Cabana-Bewegung hatte es Constanze Röder (17) angetan. Dabei ging es um die Integration von Ausländern in den 80er- Jahren, bei der sich die Kirche verdient gemacht hatte.

„Glaube und Religion haben gerade in der Region Grimma vielfältige Spuren in der Geschichte hinterlassen. Deshalb ist das Thema des Geschichtswettbewerbes voll auf unsere Region zu geschnitten“, freut sich die Pädagogin Herma Lautenschläger, die wieder hofft, dass ihre Schüler erfolgreich beim Geschichtswettbewerb sind. Anfang Juni werden die Ergebnisse auf Landesebene veröffentlicht und die Preisträger sowie die jeweilige landesbeste Schule in den Bundesländern bekannt gegeben. Im Sommer werden in allen Bundesländern die Landessieger der aktuellen Aus­schreibung ausgezeichnet, bevor in einer zweiten Stufe unter ihnen die Bundessieger ermittelt und die Erstpreisträger durch den Bundespräsidenten in Schloss Bellevue persönlich geehrt werden. Grimmaer, die die Vorstellung der Arbeiten verpasst haben, können dies im Rahmen des Reformationsprogrammes der Grimmaer Kirchgemeinde am 7. oder 14. Juni nachholen.

Von Cornelia Braun

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