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Heike Raubold führt am Neujahrstag durch die Höfgener Wehrkirche

Dicke Mauern und eine sekundengenaue Uhr Heike Raubold führt am Neujahrstag durch die Höfgener Wehrkirche

Sie hat dicke Mauern und eine massive Tür: die Höfgener Kirche, die 1275 erstmals erwähnt wurde und durch die die Grimmaer Gästeführerin Heike Raubold am Neujahrstag Besucher führte.

Besucher bei der Führung durch die Höfgener Kirche am Neujahrstag.

Quelle: Roger Dietze

Grimma/Höfgen. Wahrhaft wehrhaft thront sie auf ihrem Hügel, die Höfgener Kirche, die zu Recht den Beinamen „Wehrkirche“ zu tragen scheint. Doch da der Grimmaer Gästeführerin Heike Raubold nichts ferner als historisches Pathos liegt, musste sie die Teilnehmer ihrer Führung am Neujahrstag durch das 1275 erstmals urkundlich erwähnte Gotteshaus sogleich enttäuschen. „Die Kirche mag über eine massive Tür und dicke Mauern verfügen, und sie trägt sicherlich auch wehrhafte Züge, aber zu einer Wehrkirche fehlen ihr dann doch einige entscheidende Attribute“, so Raubold.

Die Höfgener indes scheint die kleine Schummelei bei der Namensgebung ihres Gotteshauses nicht weiter zu stören. Beim Silvestergottesdienst etwa wurden 40 Besucher gezählt – bei gerade einmal 100 Kirchgemeindeglieder. Und die Wahl-Grimmaerin Heike Raubold gesteht, dass ihr die kleine Höfgener Dorfkirche emotional näher liegt als ihre „Hauskirche“, die Grimmaer Frauenkirche. Sie habe sich vor knapp 15 Jahren sofort in sie verliebt.

Verantwortung für die Höfgener Wehrkirche hat die evangelische Landeskirche vor einigen Jahren übernommen. 2008 und 2009 ließ sie umfangreiche Arbeiten zur statischen Sicherung an dem Gebäude durchführen und dabei auch den mittlerweile wieder begehbaren Dachboden herrichten. Bereits 2004 hatte die Kirche den weicheren Klang von in einer im sächsischen Lauchhammer gegossenen Bronzeglocken zurückerhalten, nachdem die Stahlglocken zuvor demontiert worden waren. Jetzt zeigt die Kirchenuhr den Höfgenern nicht nur wieder den Gang der Zeiten an, sondern tut dies zudem fast auf die Sekunde genau. „Der Klöppel ist einer der wenigen in Dorfkirchen, der funkgesteuert ist“, so Heike Raubold, die sich bestens in der Baugeschichte ihrer „Lieblingskirche“ im Bereich der vier Schwesterkirchen Grimma, Döben/Höfgen, Hohnstädt-Beiersdorf sowie Nerchau auskennt. 1450 wurde die Kapelle zur Kirche erweitert und ein 16 Meter hoher Turm angebaut. Knapp 60 Jahre später folgte der Anbau der Sakristei, bevor 1525 die lutherische Lehre eingeführt wurde. In die Verkündigung dieser Lehre sowie in die Seelsorge der Höfgener Gemeindeglieder teilen sich aktuell zwei Pfarrer. Mittlerweile sind Gästeführerin Raubold zufolge 48 Jahre ins Land gegangen, in denen die Kirche ohne einen eigenen Pfarrer auskommen muss. Brautpaare indes stört das kaum. Bis zu einem Dutzend geben sich nach Angaben von Heike Raubold alljährlich in dem Gotteshaus das Ja-Wort.

Von Roger Dietze

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