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Heiko Schulze verlässt Bläserphilharmonie nach Württemberg

Abschied Heiko Schulze verlässt Bläserphilharmonie nach Württemberg

Ob Stadtmusik oder Musikschule, Sächsische Bläserphilharmonie oder Deutsche Bläserakademie: Sie alle sind verbunden mit dem Namen Heiko Schulze. Der Mann, der diese Institutionen etablieren half, wechselt nun als Aufbauhelfer nach Baden-Württemberg.

Gabriele Hegner folgt Heiko Schulze als Geschäftsführer von Sächsischer Bläserphilharmonie und Deutscher Bläserakademie.

Quelle: Jens Paul Taubert

Bad Lausick. Dass er Geschäftsführer der Sächsischen Bläserphilharmonie und einer damit verbundenen Akademie werden könnte, wagte Heiko Schulze nicht zu träumen, als er im Kinder- und Jugendblasorchester der Braunkohleveredlung Espenhain Posaune spielte. Nicht nur deshalb, weil das Ensemble in den 80er-Jahren als Rundfunk-Blasorchester Leipzig ein Begriff war.

Dass der gebürtige Kitzscheraner in Nürnberg studieren konnte, machte die Wende möglich. Seit 1996 vor allem als Musik-Manager in Bad Lausick, sucht er in der Mitte des (Berufs-)Lebens jetzt eine neue Herausforderung in Baden-Württemberg: Als Direktor für Musik und Bildung des neu gegründeten Musikzentrums Baden-Württemberg nahe Stuttgart kann er erneut von Grund auf etwas aufbauen – eine Nummer größer noch als das ihm in Sachsen möglich war. Der Blasmusikverband im Südwesten zählt zu den größten in Europa.

Choreografie zum Flutgedenken ist eingepackt

Grimma feierte 2012 die Auferstehung zehn Jahre nach der Jahrhundertflut mit viel Kultur. Eine Fotografie des Konzertes nahe der Pöppelmannbrücke, das die Bläserphilharmonie gestaltete und dessen Choreografie Heiko Schulze schrieb, hängt über seinem Schreibtisch in der Deutschen Bläserakademie. Noch, denn Schulze ist am Packen. Im Haus am Rande des Kurparks, das Orchester und Akademie beheimatet und dessen Bau der 47-Jährige maßgeblich mit vorantrieb, stapeln sich Kartons. Während Schulze viele Unterlagen zur Hand nimmt, um sie zu verstauen, kann er Rückschau halten auf die Bad Lausicker Zeit, die ihn prägte wie er sie.

Höhepunkt des vergangenen Jahres

Höhepunkt des vergangenen Jahres: Die Sächsische Bläserphilharmonie führte mit den Dresdner Universitätschor und Solisten die Kammeroper "Katharina von Bora" am Originalschauplatz vor der Klosterruine Nimbschen bei Grimma auf.

Quelle: Thomas Kube

Joachim Czichos, Chef des Betonwerks und Blasmusikfreund, hatte ihn nach dem Studium am Meistersinger-Konservatorium zurück in die Kurstadt geholt. Eine Musikschule und das Orchester der Stadtmusik wurden aufgebaut, internationale Stadtmusikfeste strahlten weithin aus. Als die Orchester-Gesellschaft, zu der Rundfunk-Blasorchester und Westsächsisches Symphonieorchester verschmelzen mussten, auseinanderbrach, engagierte er sich für einen Neubeginn des Bläserensembles. In Bad Lausick gelang es schließlich für das traditionsreiche Orchester ein Domizil und Sicherheit zu finden – sieht man von der seit anderthalb Jahrzehnten kaum angemessenen Entlohnung ab.

„Es ging in all den Jahren fast immer und immer wieder ums Geld. Wie viel Kraft hatte man da, über künstlerische Inhalte nachzudenken?“ Die musikalischen Erfolge des Orchesters und der Bläserakademie, beider internationale Reputation und viele gemeinsame Projekte – die Kammeroper „Katharina von Bora“ als ein Beispiel – sind Belege für eine Verankerung des durch den Kulturraum geförderten Orchesters im Landstrich zwischen Torgau und Kohren-Sahlis, aber auch für den Anspruch, über die Region und Deutschland hinaus zu wirken. Unter seinem Chefdirigenten Thomas Clamor reiste das Orchester nach China, Venezuela und Australien. Neujahrs-, Schüler- und Anrechtskonzerte gehören zum Standardprogramm. Die Aktivitäten der Akademie und des Ensembles greifen in vielem ineinander. Die Aufnahme in die Exzellenz-Initiative des Bundes 2017 verstand er als einen Ritterschlag.

Direktor für Musik und Bildung im Musikzentrum Baden-Württemberg

„Dass die Bläserphilharmonie in der Region angekommen ist und ausstrahlt, das ist mein schönster Lohn“, sagt Heiko Schulze. „Für das Vertrauen und die Unterstützung, die ich hier erfahren durfte, bin ich verdammt dankbar.“ Dass er dennoch geht, hat für ihn einen triftigen Grund: „Ich kann dort wieder mehr kreativ-künstlerisch arbeiten, Unterricht geben, neue Strukturen aufbauen – so wie ich damals in Bad Lausick angefangen habe.“ Er freue sich, wieder mehr Pädagoge und weniger Manager zu sein. In Baden-Württemberg treffe er auf „eine hoch musikalische Gesellschaft, die deutlich stärker ehrenamtlich getragen wird als etwa in Sachsen“. Schulze wird in den kommenden Monaten und Jahren den Lehrgangsbetrieb vorbereiten.

Orchesterdirektorin Hegner folgt auf Schulze

In einen Umzugskarton packt er neben dem Grimma-Foto eines, das die Weinhänge bei Freyburg zeigt. Seine Reben hier gebe er nicht auf, wie er auch Bad Lausick nicht grundsätzlich den Rücken kehre, sagt er. Nicht nur weil seine Eltern hier zu Hause sind. „Es sind so viele Kontakte und Freundschaften entstanden. Die bleiben natürlich.“ Und was seine Nachfolge an der Spitze der Träger-gGmbH betrifft: Gabriele Hegner, bisher Orchesterdirektorin, übernimmt diese Verantwortung. Ihre bisherige Stelle wird neu ausgeschrieben.

Von Ekkehard Schulreich

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Grimma in Zahlen

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Landkreis: Leipzig

Fläche: 218,32 km²

Einwohner: 28.480 Einwohner (31.12.15)

Bevölkerungsdichte: 130 Einwohner je km²

Postleitzahl: 04668

Ortsvorwahlen: 03437,034382, 034384, 034386

Stadtverwaltung: Markt 16/17, 04668 Grimma

Luftbildaufnahme des Zentrums von Grimma.
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