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Grimma Heizungsanlage in Köhraer Kita weiter defekt – Gemeinde Belgershain zieht vor Gericht
Region Grimma Heizungsanlage in Köhraer Kita weiter defekt – Gemeinde Belgershain zieht vor Gericht
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00:28 05.03.2018
Zusatzleistung: Wird es draußen kalt, müssen die beiden Heizpartonen zugeschaltet werden, die viel Strom kosten. Quelle: Andreas Döring
Belgershain/Köhra

Manch wundersame Dinge spielen sich bisweilen in einem Märchenland ab. Ritter kämpfen furchtlos gegen Drachen, holde Prinzessinnen werden zum Schrecken der Kinder verhext, Stroh verwandelt sich in Gold. In Köhra bedarf es solcher fantasievoller Zutaten nicht. Dort versetzt einen das reale Leben in Erstaunen.

Das Stück spielt in der KindertagesstätteMärchenland“. Vor acht Jahren wurde sie erbaut, ausgestattet mit einer modernen Heizungs- und Belüftungsanlage. Ihren Zauber entfaltete diese allerdings anders als gedacht. Leiterin Kathrin Walther könnte ein Buch über ihre Erlebnisse schreiben, vielleicht dicker als jenes der Brüder Grimm.

Heiztechnik bereits nachgerüstet

Die Heizleistung reichte von Anfang an nicht aus“, fasst sie zusammen. Deshalb wurde nach ihren Worten eine zusätzliche Heizpatrone installiert. Die war zu klein, weshalb sie gegen eine größere ausgetauscht werden musste. Auch diese brachte nicht genügend Kraft auf, so wurde eine zweite Patrone am Kessel angebaut und dafür ein Teil der Isolation entfernt, die bis heute niemand wieder komplettiert hat.

Wenn nun, wie gerade eben, draußen eisige Kälte herrscht, muss Hausmeister René Jope die Patronen per Hand zuschalten. Jede von ihnen frisst neun Kilowattstunden. Und weil die Gemeinde über kein Rumpelstilzchen verfügt, das Stroh zu Gold spinnen kann, muss sie letztlich die ganze Schose zuzüglich zum Gasverbrauch bezahlen.

Raumklima spielt verrückt

Die erweiterte Technik ist jetzt zwar kräftig genug, ein angenehmes Raumklima kann sie allerdings weiterhin nicht erzeugen. Kathrin Walther zeigt auf das Thermostat in ihrem Büro, das auf Null steht; trotzdem beträgt die Temperatur ganz ohne Hexerei 23,7 Grad. „Manchmal habe ich sogar 26 Grad“, schildert sie. Im Gruppenzimmer sei die Temperatur auf 21 Grad eingestellt, doch sie schwanke zwischen 17 und 24 Grad.

Geisterhände bedarf es ebenso keiner bei der Lüftungsanlage, sie spielt ganz von alleine verrückt. Je nach Bedarf sollte sie sich zu- und abschalten, damit die Luft in den Räumen zirkuliert. Lief die Lüftung an, ging die Heizung allerdings aus mit der Folge, dass es im Gebäude kalt wurde. „Deshalb stellten wir zusätzliche Heizkörper auf, die nicht nur Strom kosteten, sondern dazu führten, dass uns die Sicherungen rausflogen“, berichtet Kathrin Walther. „Ohne Strom fiel unser Garofen aus, also musste der Hausmeister draußen Bratwürste für die Kinder grillen.“ Einen Drachen mit heißem Atem konnte die Volkssolidarität, die die Kita betreibt, offenbar nicht ausfindig machen. Um die Ausgaben zu begrenzen bleibt die Lüftungsanlage mittlerweile außer Betrieb. Eine Fachfirma, die hinzugezogen wurde, hat laut Walther ohnehin festgestellt, dass sie mit der Heizung nicht kompatibel ist.

Keine Reaktion auf Mängelanzeige

Mehrmals kamen Vertreter der Gemeinde, von Unternehmen und des Planungsbüros zusammen, um Lösungen zu suchen. Das zuständige Naunhofer Bauamt stellte laut Mitarbeiter Steffen Klömich vor Ablauf der Gewährleistungsfrist eine Mängelanzeige, damit eventuelle Ansprüche nicht verfallen. Doch nichts tat sich. „Hier müsste richtig Geld in die Hand genommen werden, um die Heizungsanlage umzubauen“, urteilt Kathrin Walther. Doch keine der Seiten besitzt einen Goldesel.

Deshalb versucht sich jetzt Bürgermeister Thomas Hagenow (parteilos) als wackerer Ritter, der gegen das Ungemach ankämpft. „Wir fanden mit dem Planungsbüro keinen Weg, um eine funktionierende Heizungs- und Lüftungsanlage hinzubekommen“, informiert er. „Deshalb beauftragten wir die Anwältin unserer Gemeinde.“ Sie erreichte, dass inzwischen ein Gutachter des Gerichts die Technik in Augenschein nahm. Ob sich daraus ein Verfahren ergibt, bleibt abzuwarten. „Die ganze Sache läuft, deshalb kann ich dazu noch nicht mehr sagen“, hält sich Hagenow zurück. Am Ende, so will es die Regel, gehen Märchen gut aus.

Von Frank Pfeifer

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