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Henning Olschowsky gehört zu den Freiwilligen im Leipziger Land

Notfallseelsorger auf Helfertag geehrt Henning Olschowsky gehört zu den Freiwilligen im Leipziger Land

Henning Olschowsky gehört zu den sieben Freiwilligen im Leipziger Land, die schon über zehn Jahre unermüdlich erste Hilfe für die Seele leisten. Für ihr überragendes Engagement wurden sie auf dem Helfertag des Landkreises geehrt.

Im Pfarramt in Mutzschen ist Pfarrer Henning Olschowsky anzutreffen. Foto: Thomas Kube

Grimma/Mutzschen. Wann immer Menschen den plötzlichen Tod des Partners, eines Familienangehörigen oder Freundes verkraften müssen, stehen Notfallseelsorger bereit. Es ist ein winziger Augenblick, der das Leben für immer verändert. „Wir sind rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr für Menschen erreichbar und begleiten Betroffene in Ausnahmesituationen, mit denen sie allein oft überfordert sind“, sagt Henning Olschowsky. Er ist in der Notfallseelsorge seit über zehn Jahren im Einsatz. 2001 holte er sich das notwendige Rüstzeug dazu bei einer Weiterbildung in Jena. „Wir waren damals zwei Pfarrer aus dem Landkreis, die eine derartige Ausbildung absolvierten“, erinnert sich der 50-Jährige. Die erste Bewährungsprobe für ihn, war die Flut 2002. Seitdem ist er ein bis zweimal im Monat unterwegs, um sich um die Seele von Menschen zu kümmern. „Menschen, die den plötzlichen Tod eines nahen Angehörigen miterlebt haben und verkraften müssen, sind oft fassungslos und aufgrund des Verlustes hilflos. Das kann aufgrund eines Verkehrsunfalls oder auch durch einen Suizid der Fall sein. Sie stellen sich Fragen, wie: Was ist gerade passiert? Wie konnte das passieren?“, sagt der Seelsorger. Sein Job sei es dann, wenn die Arbeit von Polizei und Rettungsdienst beendet ist, Fragen zu beantworten, die Trauernden zu unterstützen und psychosoziale Begleitung anzubieten. „In den ersten Stunden nach dem Unglück betreuen wir die Hinterbliebenen und schauen, was in der jeweiligen Situation vorrangig zu tun ist. Welche Angehörigen, Freunde, aber auch Einrichtungen verständigt werden müssen und was als Nächstes zu tun ist. „Die Normalität ist nach einem schlimmen Ereignis zunächst einmal weg. Sie fühlen sich wie im falschen Film“, meint Olschowsky. Erst vor kurzem wurde er nach Trebsen gerufen, da ein 31-jähriger Mann Suizid begangen hatte. „Viele Seelsorger sind Pfarrer und haben eine spezielle Weiterbildung für die Tätigkeit bei Notfällen absolviert“, weiß Olschowsky aus Erfahrung. Notfallseelsorger müssten mit Stress umgehen können, belastbar sein sowie Einfühlungsvermögen, Fingerspitzengefühl, Organisationsfähigkeit und ein feines Gespür für Menschen und ihre Bedürfnisse mitbringen. „Ein ausgeprägtes Kommunikationsverhalten ist außerdem wichtig. Wie muss ich den Menschen ansprechen, welche Bemerkungen sind der Situation angemessen?“, zählt er weitere Attribute auf, die bei seiner Arbeit von Bedeutung sind. Diese Einsätze hinterlassen selbst bei einem Pfarrer Spuren. So hatte er eine Situation zu meistern, dass einen Frau Suizid begangen hatte, während der Mann einkaufen war. „Dieser hatte Schuldgefühle, da gerade in der einen Stunde, die er außer Haus war, seine Frau Suizid begangen hatte. „Seine Frau war jedoch schwer depressiv, und er hätte es nicht vermeiden können. Ich konnte diesem Mann nur helfen, in dem ich seiner Bitte nachkam und mit ihm gemeinsam noch einmal zu der Todesstelle ging und ihn bei seinem Abschlussritual begleitete“, sagte Olschowsky. Das sei ein Anfang gewesen, dass dieser Mann seinen inneren Frieden wieder finden konnte. „Ich kann jedoch keinen Physiotherapeuten ersetzen“, ist er sich bewusst. In Erinnerung geblieben ist ihn auch der Fall der achtjährigen Michell aus Leipzig, die 2008 auf dem Weg vom Schulhort nach Hause verschwunden war und tot in einem Ententeich entdeckt wurde. „Ich hatte damals die Eltern zu betreuen, die im Hotel Nimbschen inkognito untergebracht waren“, erzählte er. Seine Hilfe bestand damals unter anderem darin, ihnen Essen zu besorgen. „Bei ihnen war die Trauer um das Kind noch nicht angekommen“, sagte er. Doch die Aufgabe eines Seelsorgers sei in erster Linie, den Betroffenen nach einem solchen Ereignis Schritt für Schritt zu helfen. Mit solchen Situationen umzugehen, ist auch für ihn nicht leicht. „Dabei hilft mir meine Frau, die Psychologien ist“, sagte er. Auch gäbe es regelmäßig Treffen der Seelsorger, in denen man sich austausche, wie man damit umgehen kann. Geld bekommt er für seine Arbeit nicht. Trotzdem ist es für ihn ein wichtiger Job. „Wir üben eine sinnvolle Tätigkeit aus und können anderen Menschen in schweren Situationen helfen“, meint er. Diesen Job könnte nicht jeder tun, aber jeder Mensch könnte etwas finden, um sich ins gesellschaftliche Gemeinwesen einzubringen und den Sinn im Leben zu finden.

Von Cornelia Braun

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