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Grimma Hilfe per Knopfdruck
Region Grimma Hilfe per Knopfdruck
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05:00 08.10.2010
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. Die 70-Jährige ist eine von 9000 Teilnehmern in Sachsen und Sachsen-Anhalt, die vom Hausnotrufdienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) betreut wird. Ist etwas passiert, kommt Hilfe per Knopfdruck.

Erika W. ist eine, die auf alles achtet. Die Schuhe müssen draußen bleiben, Ordnung muss sein. Sollte jedoch mal etwas nicht stimmen, braucht sich die Rentnerin keine Sorgen zu machen – sie hat ja ihren „Piepser", einen Handsender, etwa so groß wie ein Feuerzeug mit einem roten Knopf drauf. Den braucht die Wahl-Grimmaerin nur zu drücken und schon meldet sich eine Stimme wie bei einer Art Gegensprechanlage. Die Stimme, sie kommt aus der Zentrale aus Leipzig, kennt die Rentnerin und weiß genau Bescheid. „Regelmäßige Medikamentengabe, Unverträglichkeiten, dauerhafte Krankheiten und natürlich Anschrift mit Wegbeschreibung, damit sich niemand im Haus verirrt, sind hinterlegt", erklärt Jörg Schmiedel vom DRK. Auch etwa, ob ein Hund auf dem Grundstück ist und, ob mit dem zu Spaßen sei. „Gerade auf dem Land kann das manchmal ein Problem sein", lacht er.

Neben der Sprechanlage hat Erika W. immer ein Briefchen parat. „Damit die DRK-Leute gleich wissen, was sie machen müssen", sagt die 70-Jährige. In diesem Umschlag würden oft auch auf den ersten Blick skurrile Dinge stehen. Etwa, was die Katze zum Fressen bekomme und wer die Blumen gießen könnte. „Das ist manchmal eine echte Erleichterung, gerade, wenn beispielsweise vermerkt ist, wo eine gepackte Tasche für einen möglichen Krankenhausaufenthalt steht und welche Angehörigen benachrichtigt werden müssen", so Schmiedel.

Ins Krankenhaus müssten aber die wenigsten, bei gerade einmal zwei Prozent der Einsätze sei ein Arzt nötig. Auch seien nur knapp die Hälfte der Teilnehmer chronisch krank oder hilfebedürftig. „Der Hausnotruf deckt so etwas wie eine Grauzone ab. Es geht eher um Fälle, wenn jemand stürzt und alleine nicht genug Kraft hat, sich wieder hochzurappeln. Da muss kein Krankenwagen kommen." Für den Fall der Fälle sei beim DRK außerdem ein Schlüssel hinterlegt. „Das ist ja schon komisch, wenn bei mir jemand die Tür aufbrechen muss, nur weil ich nicht aus der Wanne komme", lacht Erika W.. Für sie sei ihr „Piepser" ein unersetzliches Stück Sicherheit, eine Art Schutzengel. Man wisse ja nie, was kommt, und vor allem: Wie lange keiner kommt. Denn in ihrer Wohnanlage im Süden Grimmas kenne Erika W. kaum jemanden, eine Betreuung käme für sie aber nicht in Frage und umziehen – nein danke. Die Tochter wohne mit ihrer Familie in Hessen. „Klar telefonieren wir mehrmals wöchentlich. Aber ich kann ja auch nicht solange warten, bis sie hierher nach Grimma gefahren ist, sollte ich mir mal nicht aufhelfen können", erzählt die Alleinstehende. Etwa 35 Euro bezahle sie für den Service, der neben dem Gerät mit Funkverbindung auch sämtliche Sofort-Helfer-Einsätze, Schlüsselhinterlegung, Benachrichtigung der Angehörigen und regelmäßige technische Überprüfungen umfasst – und 24 Stunden am Tag erreichbar ist. „Das ist mir schon wichtig, dass da immer jemand da ist und schnell kommen kann", sagt die Rentnerin. „Vielleicht mag das etwas seltsam klingen. Ich bin 70 Jahre alt, habe ein offenes Bein und Atembeschwerden. Aber nichts, dass ich nicht alleine wohnen könnte. Da fühle ich mich einfach besser, wenn jemand da ist und vor allem: Wenn jemand merkt, dass etwas bei mir nicht stimmt." Denn zweimal am Tag drückt sie auf der Sprechanlage die sogennante „Tagestaste". Immer früh und abends. „Einmal habe ich das doch glatt vergessen. Da hat sich sofort eine nette Frau gemeldet und gefragt, ob bei mir alles klar sei. Ja, ja, nur vergessen habe ich dann gesagt", erzählt die 70-jährige.

Scheu habe sie nie davor gehabt, sich den Hausnotruf-Service zu holen, die Handhabung sei völlig unkompliziert und für „einen alten Single das Beste". Ursprünglich komme Erika W. aus Halle, habe vor etwa 13 Jahren einen neuen Lebenspartner in Grimma kennen gelernt, sich vor zwei Jahren aber von diesem getrennt und beschlossen, alleine zu leben. Jetzt sei sie froh, eben nicht allein gelassen zu werden. Erika W.: „Im Notfall einfach piepsen."

Infos gibt es bei vielen sozialen Einrichtungen etwa unter: www.drk.de, www.malteser.de oder unter www.johanniter.de

Magdalena Fröhlich

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