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Höfgen: Hotelier plant eigene Hochwasser-Schutzmauer

Höfgen: Hotelier plant eigene Hochwasser-Schutzmauer

Das Kreischen eines Schwingschleifers hallt über die Muldewiesen in Höfgen. Die massiven Holzmöbel aus dem Biergarten bekommen einen neuen Schliff.

Auf dem Hof des Erlebnishotels Zur Schiffsmühle stapeln sich ausrangierte Heizkörper. In einer Schuttrutsche rauschen Zement und Mörtelreste aus dem zweiten Obergeschoss geräuschvoll zu Boden. Mario Sörnitz erfasst schnell den fragenden Blick. So hoch habe das Junihochwasser natürlich nicht gestanden. "Wir ziehen die Sanierung der Hotelzimmer vor", sagt der 37-Jährige Hotelier.

So beherzt wie der junge Mann kurz nach der Hochwasser-Entwarnung im Juni zum Schneeschieber greift, um das in der Mulde schwimmende Treibgut vom Fachwerkhaus fernzuhalten, koordiniert er jetzt gemeinsam mit seinem Bruder Thomas die Arbeiten zum Wiederaufbau. "Wir haben keine Sekunde gezögert", sagt Sörnitz heute sichtlich gefasst. Auch wenn er nicht der Mann für große Worte ist, lässt er keinen Zweifel aufkommen. Dieses am Fuße bizarrer Porphyrfelsen gelegene und von einem urwüchsigen Mischwald umgebene Ensemble aus Schweizerhaus, modernem Hotel und Erlebnisgastronomie in Weinkeller und rustikaler Bowling-Grotte atmet den Geist seiner Familie. Dass die Brüder als dritte Generation im Familienunternehmen besonders hart geprüft werden, ahnt 2000, als sie den Betrieb von den Eltern Silvia und Steffen übernehmen, noch niemand. Nach der Flut 2002 stellt sie der Sommer 2013 erneut auf eine harte Probe.

Wie vor elf Jahren müssen auch diesmal die Gebäude des Hotelkomplexes entkernt werden. Bis auf eine Höhe von 1,70 Meter arbeitete sich der Fluss in die Räume vor, zerstörte Einrichtung und Anlagen. "Die Küche war erst zwei Monate alt", sagt der Unternehmer. Die Investition sollte der Anfang einer umfassenden Sanierung sein, um das Hotel noch erfolgreicher am Markt zu platzieren. Während der Wintersaison sollten die 31 Hotelzimmer einen neuen Charme bekommen. Nach zehn Jahren kontinuierlicher Umsatzsteigerung hätten die Pläne endlich in die Unternehmensentwicklung gepasst, so Sörnitz. Eine Tatsache, von der die Natur keine Notiz nimmt. Das Junihochwasser wirft das Betreiber-Duo aus der Bahn.

Aber aufhalten kann die Mulde die jungen Geschäftsmänner nicht. Im April 2014 soll das Haus wiedereröffnet werden. Sörnitz, der einen Tag nach dem Rückzug der Mulde alle Pläne, sogar seine eigenen Hochzeitspläne, verschieben wollte, holt zum großen Sprung aus. Während sie in den zurückliegenden Jahren das Haus nur so weit ausbauen, wie es der Hotel- und Gastronomiebetrieb sowie die Wirtschaftskraft des Unternehmens zulassen, wollen sie jetzt eine Sanierung hinlegen, die in allen Bereichen stimmig ist. "Das wird wie eine Neueröffnung", sagt Sörnitz. "Wir werden einen Faden durch das ganz Haus spinnen", erzählt er und sein sonst ernstes Gesicht hellt sich ein wenig auf. Mit Hilfe der Versicherung müssen in erster Linie die Schäden beseitigt werden. Aus eigener Kraft wollen die Betreiber einen Lift anbauen, der das Haus attraktiver machen soll. "Wenn wir zurück sind, wollen wir uns um vier Sterne bewerben", sagt Sörnitz. Sein 30-köpfiges Team, dass sich derzeit in die Umbauarbeiten einbringt, sitze mit im Boot. Dieses Bild - für Nichtbetroffene angesichts der Ereignisse makaber- verunsichert den Unternehmer nicht. Sie seien schon wieder mit dem Schlauchboot auf der Mulde unterwegs gewesen - das schweiße die Truppe zusammen.

Die Mulde haben die Sörnitz-Brüder nach dem jüngsten Hochwasser anders als bislang in den Wiederaufbau einbezogen. Eine Hochwassermauer soll den Familienbetrieb künftig vor desaströsen Schäden schützen. "Wir brauchen den Schutz auch für unsere Kunden", sagt Sörnitz. Er habe unzählige Familienfeiern, allein 30 Reservierungen für den Schulanfang, absagen müssen. Das Projekt, das derzeit auf dem Papier Gestalt annimmt, sehe Mauern und Spundwände vor. "Der Blick auf die Mulde bleibt offen", sagt der Hotelier. Alles werde so gestaltet, dass es sich in die Landschaft integriere. Eine Zusage der Sächsischen Aufbaubank verstärke die Zuversicht, das sich die Zukunft des Unternehmens an der Mulde nachhaltig gestalten lässt. "Aber ohne finanzielle Förderung hätten wir keine Chance", gibt der Hotelinhaber zu bedenken.

Obwohl das Zeitfenster bis Frühjahr 2014 für diese Mammutaufgabe eng ist, hat Sörnitz seine Zuversicht zurückgewinnen können. "Gäste, denen wir absagen mussten, haben zum Teil ihre Feiern auf nächstes Jahr verlegt", freut er sich über die Treue der Kunden. Reservierungen, die bereits jetzt wieder unter der bekannten Telefonnummer möglich sind, lassen darauf hoffen, dass das Erlebnishotel dort anknüpfen kann, wo es Anfang Juni aufhören musste. "Wir sind auf einem guten Weg", stellt der schlanke Mann mit den blauen Augen fest.

Weder die Pläne fürs Hotel, noch seine privaten hat Sörnitz letztlich verschoben. In diesem Sommer hat seine Frau Mandy, die bereits nach der Flut 2002 an seiner Seite stand, geheiratet.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.10.2013

Schöppenthau, Birgit

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