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Grimma Hohe Haftstrafen im Naunhofer Mordprozess
Region Grimma Hohe Haftstrafen im Naunhofer Mordprozess
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16:40 19.05.2015
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Richter Hans Jagenlauf verurteilte Mike G. zu 14 Jahren und dessen Bruder Sven G. zu 13 Jahren Gefängnis. Voraussichtlich wird es aber zu einer Revisionsverhandlung kommen.

Jagenlauf befand Mike G. (25) aus dem Naunhofer Ortsteil Lindhardt des Mordes und des Raubs mit Todesfolge für schuldig. Sven G. (31) aus Naunhof schickte er wegen Raubs mit Todesfolge hinter Gitter. Der Gedanke einer anschließenden Sicherungsverwahrung sei verworfen worden.

Als erwiesen sah es der Richter an, dass die Brüder in der Nacht vom 20. zum 21. Oktober vergangenen Jahres in die Garage des querschnittsgelähmten Gunter E. (68) in Naunhof eingestiegen sind. Sie hätten gewusst, um wen es sich handele und dass bei ihm eine Münzsammlung zu holen sei. Nachdem sie einiges Diebesgut an sich genommen hätten, sei Mike G. ins Haus des Rollstuhlfahrers vorgedrungen und habe seinem Bruder die Tür geöffnet. Die Zwei hätten nachgeschaut, ob noch jemand anderes zu Hause war.

Mike G., so Jagenlauf, sei ins Wohn- und Schlafzimmer von Gunter G. gegangen und habe versucht, die Münzsammlung herauszuholen. Als der Rentner aufwachte, habe er mit einem Kerzenständer mehrmals auf dessen Kopf eingeschlagen. Dass beide den Raub fortsetzten, indem sie nach Verlassen des Gebäudes das Diebesgut versteckten, war der ausschlaggebende Punkt für den Richter, auch Sven G. im Sinne der Anklage schuldig zu sprechen. "Er hätte sich komplett zurückziehen und ohne Beute nach Hause gehen müssen, als er die schwere Tat seines Bruders mitbekam. Doch er hat in diesem Moment die falsche Entscheidung getroffen", erklärte Jagenlauf.

Gunter E. verstarb am 3. Januar an den Folgen der Kopfverletzungen. Wenn die Täter vielleicht ursprünglich keine Tötungsabsicht hatten, so nahmen sie doch nach Meinung Jagenlaufs den Tod des Opfers zumindest billigend in Kauf. Die Tatsache, dass Mike G. kurz nach seinen Schlägen medizinische Hilfe rufen wollte und darüber mit seinem Bruder sogar geredet habe, verdeutliche, dass den beiden die Schwere der Verletzungen bekannt gewesen sein muss.

Zwar hatten die Brüder laut Gericht zur Tatzeit Alkohol getrunken, doch nicht in einer Menge, die eine verminderte Schuldfähigkeit annehmen lässt. Zugute hielt der Richter Mike G. dessen umfangreiches Geständnis und die Reue, die dieser im Nachhinein zeigte. Deshalb sei von einer lebenslangen Strafe abgesehen worden. Die vielen Vorstrafen und die erhebliche Gewalt, die er gegen den wehrlosen Gunter E. angewendet hätte, müssten aber wenigstens eine hohe zeitliche Strafe nach sich ziehen. Der Anwalt von Mike G., Stephan Bonell, kündigte dennoch umgehend gegenüber der Presse an, in Revision gehen zu wollen.

Sven G. warf der Richter vor, von der ersten polizeilichen Vernehmung bis hin zum Prozess scheibchenweise immer mehr zugegeben zu haben. Anfangs habe er ausgesagt, er hätte nichts mit der Tat zu tun. Im Gerichtssaal folgte das Geständnis, bei der Diebestour dabei gewesen zu sein. Noch immer behaupte er, nicht im Haus des Opfers gewesen zu sein, doch entdeckte Spuren zeugten vom Gegenteil.

Verteidiger Malte Heise will überlegen, ob er mit Sven G. in Revision geht. Rechtsanwältin Katrin Scholz, die den Zwillingsbruder des Ermordeten vertrat, zeigte sich mit dem jetzigen Urteil einverstanden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.06.2013

Pfeifer, Frank

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