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Ideale Bedingungen fürs Borstenvieh in Leisenau

Ideale Bedingungen fürs Borstenvieh in Leisenau

Großbothen/Leisenau/Otterwisch. Der Wald rund um Leisenau ist in die Jahre gekommen. Was Naturliebhabern zunächst als gute Nachricht erscheinen mag, bereitet Jägern Kopfzerbrechen.

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Infos vom Fachmann: Hans-Joachim Schwark führt die Leisenauer Jagdgenossen durch das Otterwischer Tiergehege.

Quelle: Roger Dietze

Denn hohe Bäume bedeuten fehlende Deckung insbesondere für das Schwarzwild, das es deshalb vorzieht, sich tagsüber in den Colditzer und Glastener Forst zurückzuziehen, um erst mit Anbruch der Dunkelheit auf die Felder rund um Leisenau zurückzukehren.

Probleme, von denen die Jagdgenossen, also jene Grundbesitzer, die ihre Flächen an die Weidmänner verpachten, am vergangenen Sonnabend aus erster Hand erfuhren. Denn die beiden Jagdpächter – Jagdbezirksinhaber Hans-Joachim Schwark und sein Jagdkollege Joachim Czichos – standen ihnen in Otterwisch auf der alljährlich stattfindenden Vollversammlung Rede und Antwort. „Die damit verbundene Nachtaktivität der Tiere zwingt auch uns Jäger dazu, verstärkt in der Nacht zu jagen“, so Schwark. Allein die Möglichkeiten dazu seien aufgrund des fehlenden Lichts beschränkt, sodass es allein bei Mondlicht Sinn mache, dem Schwarzwild nachzustellen. „Und dies ist maximal eine Woche im Monat möglich, vorausgesetzt, dass der Himmel weitgehend wolkenfrei ist“, so der Leipziger, der 1943 zum ersten Mal zur Jagd ging und diese Tätigkeit seit 1953 ununterbrochen ausübt, wofür er vom Deutschen Jagdschutzverband mit dem goldenen Ehrenzeichen für seine 60-jährige Mitgliedschaft ausgezeichnet wurde.

Hinzu komme, dass das Borstenvieh rund um Leisenau geradezu ideale Bedingungen vorfinde. „Das Schwarzwild zieht ab Mitte Mai in den Raps, um im Sommer in den Mais zu wechseln, in dem es sich bis zum Herbst gütlich tut“, so der 83-Jährige. Einmal in den Flächen drin, sei ihm nur schwerlich Herr zu werden. „Die Landwirte unterstützen uns zwar mit der Anlage von Schussschneisen, aber aufgrund der Nachtaktivität der Tiere in Kombination mit den Schonzeiten stehen wir wie andere Jagdpächter auch dem Anstieg der Wildschweinpopulation ziemlich machtlos gegenüber.“ Zumal die Zerstückelung der Pachtgebiete die Koordination der Jagd zwischen den dazu Berechtigten nicht unbedingt erleichtere. „Zwar nimmt man hin und wieder an gemeinsamen Jagden teil, aber dies ändert nichts an der Tatsache, dass diese Zerstückelung insbesondere dem Schwarzwild einen zusätzlichen Schutz verschafft.“

Trotz allem käme dem Jäger nach wie vor eine wichtige Funktion zu. „Ohne Jägerschaft hätten wir früher oder später überhaupt kein Wild mehr, weil jeder versuchen würde, ihm habhaft zu werden“, so der pensionierte Veterinärmediziner, der selbstkritisch einräumt, dass seine Jagdleidenschaft bereits leichte Züge einer Sucht trage. „Wenn man in meinem Alter noch regelmäßig bei Wind und Wetter in der Natur ist, dann muss man zweifelsfrei ein wenig verrückt sein“, meint Schwark augenzwinkernd.

Roger Dietze

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