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Grimma Ilja ist stolz auf seine russischen Wurzeln
Region Grimma Ilja ist stolz auf seine russischen Wurzeln
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05:00 20.01.2010

Vielleicht trifft der blonde 1,88 Meter-Schlaks auch heute wieder – im Freundschaftsspiel der Grimmaer gegen den FC Sachsen ab 18.30 Uhr im Jahnstadion.

Dabei ist der Mittelfeldspieler auch in der Defensive stark. Kein Wunder: Schon als Kleinkind musste er sich seiner Haut erwehren. Denn um ihn herum wurde scharf geschossen. „Als in Tadschikistan der Krieg ausbrach, lag ich im Bett. Die Schüsse draußen hielt ich für den Eisbären aus der Gute-Nacht-Geschichte. Weil die Salven auch die Wände durchschlugen, legte mich meine Mutter in die Badewanne.“ Ilja spricht perfekt Deutsch. Obwohl er seit seinem 18. Lebensjahr deutscher Staatsbürger ist, betont er seine russischen Wurzeln. „Meine Eltern sind Russen. Wir lebten in der Stadt Kurgan-Tübe in Tadschikistan. Damals war das ja noch alles Sowjetunion. Als die UdSSR zusammenbrach, mussten wir raus. Wir flüchteten zu meinen Großeltern in das kleine russische Dorf Neboltchi.“ Von dort aus ging die Familie nach Wurzen. Hier spielte sein Vater Fußball, Landesliga, bei Frisch-Auf. „Mein Vater war schon in Tadschikistan ein guter Spieler.“ Nächste Station der Schafeevs: Falkenhain. Auch hier legte sich der Vater für den Sportverein ins Zeug. Er spielte nicht nur selber, sondern kümmerte sich als Übungsleiter mit Hingabe um den Nachwuchs. Ilja: „Mitte der 90-er Jahre stand auf einmal die Polizei vor unserer Wohnung. Innerhalb von zwei Stunden sollten wir unsere Koffer packen. Dabei hatten wir gültige Papiere. Es war nur den Dorfbewohnern zu verdanken, dass wir doch bleiben durften.“ Marion Steyer von der Gemeindeverwaltung: „Die Schafeevs waren uns richtig ans Herz gewachsen. Deshalb setzten wir uns sehr für sie ein. Besonders unser damaliger Pfarrer Heinz Martin. Es wurden auch Unterschriften gesammelt.“ Dmitri Schafeev trainierte zwischenzeitlich sogar den eigenen Sohn. Der bekennt: „In der Mannschaft von Falkenhain-Börln platzte bei mir der Knoten. Das habe ich meinem Vater zu verdanken.“ Wie Ilja nun nach Grimma kam? „Ein Kumpel sprach mich in der 11. Klasse an, ob ich nicht Lust auf ein Probetraining hätte. So fing ich also bei Trainer Daniel Kurzbach in der A-Jugend von Grimma an.“ Zwei Jahre wohnte Ilja im Internat. Inzwischen zog die ganze Familie nach Grimma um. Der Vater ist Lkw-Fahrer und weiter Übungsleiter, die Mutter arbeitet im Hohburger Behindertenwohnheim. Nach dem Abitur kämpft Ilja um einen Platz im Landesligateam und macht beim Sponsor Ege-Fenster seine Lehre zum Industriekaufmann. Danach noch studieren? „Vielleicht Lehramt.“

Trainer Daniel Wohllebe, der mit seinen Jungs das Spielfeld von Schnee beräumte, schenkt Ilja auch heute gegen den FC Sachsen das Vertrauen: „Ilja ist ein intelligenter Bursche. Es macht Spaß, mit ihm zu arbeiten. Wenn er sich noch ein bisschen mehr zutraut, hat er ein enormes Potenzial.“ Ilja freut sich über so viel Anerkennung. Doch das Allerwichtigste für ihn: „Wir sind jetzt fünf in der Familie. Vor anderthalb Jahren haben meine Schwester und ich noch ein Brüderchen bekommen. Weil wir schon so groß sind, wünschte sich meine Mutsch noch ein Baby. Sie hat Kinder doch so gern.“ Da kommt sie ganz nach der Großmutter. Deshalb fährt Ilja mindestens einmal im Jahr zur Oma – ins kleine russische Dorf Neboltchi, wo er das Wasser noch aus dem Brunnen holt.

Haig Latchinian

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