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Grimma Im Jubiläumsjahr sucht Trebsener Papiersackhersteller Mondi Nachwuchs
Region Grimma Im Jubiläumsjahr sucht Trebsener Papiersackhersteller Mondi Nachwuchs
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00:21 12.10.2017
Hochtechnologie, wohin das Auge blickt. Mit diesen Maschinen werden Säcke zugeschnitten, gefaltet und verklebt. Quelle: Thomas Kube
Trebsen

Den Wandel auf dem Ausbildungsmarkt spürt Mondi Trebsen deutlich. Standen früher noch Lehrlingsanwärter beim Papiersackhersteller Schlange, so sucht das Unternehmen im 25. Jahr seines Bestehens händeringend Nachwuchs. Mit einer stabilen Basis will es seine Existenz sichern – weitere Expansion nicht ausgeschlossen.

Warnweste und Kappe trägt, wer die Werkshallen betritt. „Wir legen einen sehr hohen Wert auf die Sicherheit“, sagt Geschäftsführer Volker Reimer und erläutert, wie riesige Papierrollen bedruckt, zerschnitten, gefaltet und zu Säcken zusammengeklebt werden. Wie viele pro Jahr die sechs Produktionslinien verlassen, darüber bewahrt er Stillschweigen. Nur so viel: „Heute haben wir den vierfachen Ausstoß gegenüber unserer Anfangszeit.“

1992 war es, als das in Kooperation von zwei westdeutschen Firmen auf der grünen Wiese entstandene Werk die Fertigung in einer Halle aufnahm. Bis 2014 kamen alle zwei bis drei Jahre Erweiterungen hinzu. Und der Geschäftsführer will einen erneuten Ausbau nicht ausschließen. „Nie haben wir gesagt, wir hätten die Größe erreicht, die wir erreichen wollten“, bemerkt er. „Wir haben genügend Platz, sind innovativ. Wir sind Deutschlands modernste Papiersackfabrik, der Standort ist bestens. Es spricht also nichts dagegen, dass er weiter wächst, auch wenn gegenwärtig keine konkreten Pläne vorliegen.“

Hochkonzentriert bedienen die Mitarbeiter die Maschinen. Hier kontrolliert einer die Qualität der Produkte, dort programmiert jemand den Computer auf neue Aufgaben um. Zeit für einen festen Händedruck nehmen sie sich, wenn der Chef vorbeikommt. Dieser weiß: Menschen sind der eigentliche Wert. Die Stammbelegschaft wechselte vor 25 Jahren von der alten Sackfabrik auf dem heutigen Julius-Schulte-Gelände rüber ins neue Werk. Mittlerweile stehen 200 Beschäftigte bei Mondi in Lohn und Brot.

„Den Großteil davon haben wir selbst ausgebildet“, betont Reimer. Seit Gründung gehört es zur Firmenphilosophie, den eigenen Nachwuchs anzulernen; umsetzen lässt sich das immer schwieriger. „Wir schalten Zeitungsanzeigen, laden zu Azubi-Tagen ein. Studenten der Leipziger Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur können bei uns ihre Master- und Bachelorarbeiten schreiben. Aber der Ausbildungsmarkt scheint wie leer gefegt zu sein, allein werden wir das Problem wohl nicht lösen können“, urteilt Reimer, der den jungen Leuten sogar zusagt, alle nach der Lehre zu übernehmen, die das wollen.

Gerade erreicht ein neuer Papiertransport das Gelände, der entladen werden will – einer von durchschnittlich 20 Lastwagen, die täglich ein- und ausfahren. Zugeliefert werden die gigantischen Rollen von konzerneigenen Papierfabriken in Tschechien, Österreich und Schweden. Schon an ihrer Form und Breite lässt sich erkennen, dass der Grundstoff für verschiedene Produkte eingesetzt werden soll. An den drei Druckmaschinen trennen sich die Wege des Papiers. „Wir stellen über 20 000 verschiedene Artikel her“, erläutert Volker Reimer.

Heimwerker werden viele davon schon in den Händen gehalten haben. Zahlreiche der in Baumärkten und bei Baustoffhändlern erhältlichen Mörtel-, Zement- und Fliesenkleber sind in Mondi-Säcken verpackt. Sie bestehen aus einem besonders reißfesten und luftdurchlässigen Papier, das mit einer hauchdünnen Folie beschichtet wird, die gegen Feuchtigkeit von außen schützt.

Die chemische Industrie nimmt Säcke ab, in denen unter anderem Farbpigmente transportiert und gelagert werden. Die Lebensmittelindustrie beliefert Großbäckereien und Großküchen mit Zucker, Reis und Mehl, abgefüllt in Trebsener Säcken. Die größten Säcke, die das Werk verlassen, sind bis zu drei Meter lang. In sie hüllen Automobilhersteller Ersatzteile; sie bestehen aus besonders weichem Material, um Kratzer auszuschließen.

Auf Paletten stapeln sich die Säcke, die gerade das Band verlassen haben. Per Gabelstapler werden sie ins Fertigwarenlager gebracht, von wo aus sie mit dem nächsten Lastwagen Trebsen verlassen. Sie alle werden von anderen Betrieben genutzt. Nur eine Ausnahme gibt es, sie ist für Otto Normalverbraucher bestimmt.

Zur festen Größe wurden mittlerweile die Bioabfallbeutel, die Mondi über einen Leipziger Händler vertreibt. Der Kunde kann darin seine Kartoffel- oder Gurkenschalen entsorgen. Sie weichen nicht durch und sind kompostierbar. Eine gute Alternative also zu Plastiktüten.

Der Betrieb kommt damit einem Trend nach, der die Richtung weg vom Kunststoff und hin zum Papier weist. Ein Trend, der mit zum eher vorsichtigen Urteil des Geschäftsführers beiträgt: „Ich sehe für uns einen stabilen, wenn nicht sogar leicht wachsenden Markt.“

Von Frank Pfeifer

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