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In Colditz lernen Kinder spielend die Sprache des Nachbarlandes

Deutsch-tschechisches Ferienprojekt In Colditz lernen Kinder spielend die Sprache des Nachbarlandes

Musik ist eine Sprache, die jeder versteht. Das zeigt sich dieser Tage in der Landesmusikakademie (LMA) auf Schloss Colditz. Vom 1. bis 9. Juli findet hier nach zweijähriger Pause zum vierten Mal das deutsch-tschechische Ferienprojekt „Musik und Sprache – Muzika i jazyk“ des Sächsischen Musikrates (SMR) statt.

Unter der Leitung von Mathis Stendike wird Mozarts Türkischer Marsch, arrangiert für Bläser, geprobt.

Quelle: Andreas Döring

Colditz. Musik ist eine Sprache, die jeder versteht. Das zeigt sich dieser Tage in der Landesmusikakademie (LMA) auf Schloss Colditz. Vom 1. bis 9. Juli findet hier nach zweijähriger Pause zum vierten Mal das deutsch-tschechische Ferienprojekt „Musik und Sprache – Muzika i jazyk“ des Sächsischen Musikrates (SMR) statt.

Aus dem Probenraum neben der Terrasse dringt Mozarts „Türkischer Marsch“. Dazwischen klare Anweisungen von Mathis Stendike. Der Hornist an der Philharmonie Aue und gefragter Percussionist mit Hang zum Experimentellen versucht, acht junge Bläser und Timi (9) am Tamburin zu einer harmonierenden Einheit zu formen. Was nicht ganz einfach ist. „Es gibt leistungsmäßig große Unterschiede, der eine Hornist will demnächst Musik studieren, der andere kann gerade mal vier Töne, aber trotzdem mitspielen“, sagt Stendike und lobt: „Das war Klasse.“ Das gilt auch für Nancy, die Querflöte spielt. „Ich bin seit dem ersten Mal vor fünf Jahren immer dabei, weil es einfach viel Spaß macht“, verrät die Zehnjährige. Sie gehört zu den Mozartkindern der Sächsischen Mozartgesellschaft Chemnitz, die sich auf die Fahnen geschrieben hat, 100 Kinder bis 2018 musikpädagogisch zu fördern. Die Mozartkinder bilden nicht nur regelmäßig eine von vier Gruppen der Ferienakademie, über die Kontakte der Gesellschaft zur tschechischen Jugendkunstschule in Chomutov waren von Anfang an auch tschechische Kinder dabei. Hinzu kommen diesmal Kinder der Chemnitzer Blindenschule. Alle zusammen wollen eine musikalische Zeitreise unternehmen, Musik verschiedener Epochen vergleichen.

„Insgesamt haben wir 134 Teilnehmer zwischen acht und 18 Jahren, ein Viertel davon aus Tschechien“, informiert LMA-Leiterin Christine Müller. Sie begrüßt ausdrücklich die Einbeziehung Sehbehinderter. „Gerade diese Kinder können ihr Selbstbewusstsein durch positive Erlebnisse in der Musik stärken.“ Das Ferienprojekt sei aber auch inhaltlich breit aufgestellt und komme damit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen entgegen. „Ein Instrument zu spielen, war keine Bedingung für die Teilnahme, denn singen kann jeder.“ Der Chor bildet denn auch den zweiten Kurs. Er erarbeitet sich unter anderem Stücke aus der Oper „Das schlaue Füchslein“ des tschechischen Komponisten Leoš Janáček. Wer im Kammermusikkurs mitwirken möchte, der von der Chinesin Ning Xu gleitet wird, die an der Musikhochschule Hannover Akkordeon studiert hat und in Leipzig Hammerflügel, sollte allerdings schon über eine gewisse musikalische Bildung verfügen, sagt Müller. „Auch dessen Teilnehmer reisen durch die Jahrhunderte und sind dabei für alle Genres, bis hin zum Folk, offen.“ Besonders spannend findet sie den Improvisationskurs, „wo Leute mit verschiedenen Instrumenten nur eine Woche Zeit haben, sich aufeinander einzustimmen“.

Den Kindern und Jugendlichen stehen dabei 30 Dozenten und Betreuer zur Seite. „Seit wir das Projekt das erste Mal ausgeschrieben haben, hat sich ein Pool an Interessenten gebildet, aus dem wir schöpfen können“, freut sich Müller. Die Dozenten bestimmen den Inhalt der Kurse, die LMA bietet die Hülle – Räume, Instrumente, die Europajugendherberge gleich nebenan, Kooperationspartner vor Ort und die Finanzierung. Nachdem 2014 und 2015 keine Fördermittel akquiriert werden konnten, wird das Projekt in diesem Jahr vom Netzwerk kulturelle Bildung und Sprache unterstützt, das aus dem Kooperationsprogramm zur Förderung der grenzübergreifenden Zusammenarbeit zwischen Sachsen und der Tschechischen Republik gefördert wird. „Die Teilnahme ist für die Kinder somit nur mit einer geringen Gebühr verbunden“, sagt Müller.

Auch die Sprache sollte keine Hürde bilden. Dolmetscherin Markéta Peluchová hilft, wenn Hände und Füße zur Verständigung nicht mehr ausreichen. Ihre Sprachanimation gehört zum Tagesprogramm, damit die Kinder in die jeweils andere Sprache reinschnuppern. „Denn wir haben schon den Anspruch, dass sie sich über das Ferienprojekt auch mit der jeweils anderen Kultur auseinandersetzen“, sagt Müller. Gelegenheiten, einander kennen zu lernen, gibt es genug. Morgens werden die Kinder von Waldhornklang geweckt. Nach dem Frühstück ist Sport angesagt, dann arbeitet jeder Kurs an seinen Projekten. Am Nachmittag kann beim Paddeln oder Wandern die Umgebung erkundet oder das Waldbad besucht werden, um sich dann, erholt, noch einmal der Musik zu widmen – die Mozartkinder zum Beispiel basteln an einer Zeitmaschine. „Und natürlich wird abends gemeinsam Fußball geguckt“, lacht Müller. „An der EM kommen auch wir nicht vorbei.“ Am Freitagabend, wenn die Fußballer pausieren, findet übrigens das Abschlusskonzert der Ferienakademie im Schloss statt. Die Kinder würden sich sicherlich freuen, die Ergebnisse ihrer Arbeit interessierten Gästen präsentieren zu können.

Von Ines Alekowa

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