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Grimma In Grimma-West: Grundschüler stellen sich zwischen Streithähne
Region Grimma In Grimma-West: Grundschüler stellen sich zwischen Streithähne
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00:21 18.09.2017
In fünf Schritten zur Schlichtung: Charlotte Runge (l.) und Johanna Beyer gehören zu den Streithelfer-Kindern in der Grundschule und dem Hort Grimma-West. Quelle: Frank Prenzel
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Grimma

Charlotte Runge ist gerade mal neun Jahre alt. Doch neulich im Hort ist es ihr gelungen, den Streit zweier Jungs zu glätten. Die Viertklässler waren sich beim Fußballspiel in die Haare geraten, die Situation drohte zu eskalieren. Die Neunjährige indes bat die zwei Streithähne mutig zu sich – und tat, was sie gelernt hat. Charlotte gehört nämlich wie ihre Klassenkameradin Johanna Beyer (10) zu den 14 Streithelfern an Hort und Grundschule in Grimma-West. „Ich möchte, dass die Kinder sich vertragen und es keinen Ärger gibt“, nennt Johanna kess ihr Motiv. Es stimme sie traurig, wenn ein Streit passiert, und es mache sie froh, wenn sie helfen kann, so das Mädchen aus der 4b.

Die Grundschule „Bücherwurm“ und der Hort „Wilde Würmer“ haben am Sonnabend eine wichtige Etappe geschafft. Während des Eltern-Kind-Aktionstages, der von 10 bis 12 Uhr über die Bühne geht, erhalten beide Einrichtungen für ihr Streitschlichter-Projekt sozusagen das Gütesiegel. Sie werden von der Unfallkasse, die das Projekt „Kinder lösen Konflikte selbst“ drei Jahre lang fördert, zertifiziert. „Damit haben wir den Grundstein gelegt, Kinder zu kompetenten Streithelfern auszubilden“, sagt Hort-Erzieherin Siegrun Herzog.

2015 startete der Hort in das Projekt. Eine Mentorin der Unfallkasse, die insgesamt 1800 Euro beisteuert, führte in einem Basiskurs drei Erzieherinnen um Siegrun Herzog in das Thema ein. Im Jahr darauf saßen dann auch Schulsozialarbeiterin Helena Wagner und Ethiklehrer Tillmann Steiner auf der Schulbank. Die Kenntnisse beider Teams wurden schließlich in die Gruppen und Klassen getragen. Auch das Training der kleinen Streithelfer begann, die im März dieses Jahres sogar eine Prüfung ablegen mussten. Dabei wurde auch ein klassischer Zank simuliert. Meist liegt eine Auseinandersetzung in Hort oder Schule in der Luft, wenn ein Kind einem anderen etwas wegnimmt, ein Spielzeug etwa, weiß Schulsozialarbeiterin Wagner.

„Wir wollen die Kinder befähigen, Konflikte selbst friedlich zu lösen“, nennt Herzog die Marschrichtung. „Es muss ja nicht erst was passieren.“ Es gebe Streitregeln, die alle Lehrer, Erzieher und Streithelfer in der Tasche haben. Zudem hängen sie in jedem Klassenzimmer und Hortraum an der Wand. Der Leitfaden zeigt in fünf Schritten, wie ein Streit beigelegt werden kann. Das von der Unfallkasse angeregte Programm basiert auf dem sogenannten Bensberger Meditationsmodell.

Bei den Kindertrainings im vorigen Jahr seien schließlich alle 260 Schulkinder einbezogen worden, erzählt Wagner. Dabei sei es nicht nur um das Thema Streitlösung, sondern auch um Gefühle und Verständnis füreinander gegangen. Im Ethikunterricht werde das jetzt weitergeführt. Das Projekt selbst soll sich zu einem Selbstläufer entwickeln, indem in einer Arbeitsgemeinschaft die älteren Streithelfer unter Leitung der Pädagogen die Neueinsteiger anlernen. Ziel ist es, in jeder Klasse zwei Streithelfer zu etablieren. Wer die Prüfung erfolgreich ablegt, erhält eine Urkunde und eine Mütze, mit der er als Schlichter ersichtlich ist.

Die Zertifizierung ist bewusst auf den Aktionstag, der unter dem Motto „Zeit schenken“ steht, gelegt. „Wir wollen möglichst viele Eltern erreichen“, sagt Herzog. So werden auch alle Streithelfer vorgestellt. Darüber hinaus können sich die Eltern mit ihren Kindern an acht Stationen gemeinsam sportlich betätigen.

Von Frank Prenzel

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