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In Grimma geht die Post ab: Philatelisten tauschen Briefmarken

Kurz vor Jubiläum In Grimma geht die Post ab: Philatelisten tauschen Briefmarken

Ein wenig mutet er wie der Kampf des traurigen Ritters Don Quichote gegen die Windmühlenflügel an, der Behauptungswille der Grimmaer Briefmarkenfreunde in einer Zeit, in der riesige Datenströme in Bruchteilen von Sekunden um den Globus geschickt werden. Der Philatelistenverein, der am Sonntag eine Tauschbörse veranstaltete, will nun in die Offensive gehen.

Es ging ums Fachsimpeln und Tauschen: Philatelisten am Sonntag im Grimmaer Rathaussaal.

Quelle: Roger Dietze

Grimma. Ein wenig mutet er wie der Kampf des traurigen Ritters Don Quichote gegen die Windmühlenflügel an, der Behauptungswille der Grimmaer Briefmarkenfreunde in einer Zeit, in der riesige Datenströme in Bruchteilen von Sekunden um den Globus geschickt werden. „Wir lassen uns nicht unterkriegen“, gibt sich der Vorsitzende des Philatelistenvereins Grimma 1887, Stefan Lehn, kämpferisch. Und mehr noch: Im kommenden Jahr wollen der Diplomingenieur für Fernmeldewesen und seine 30 Vereinsmitstreiter, die am Sonntag zur Herbstbörse in den Grimmaer Rathaussaal geladen hatten, in die Offensive gehen.

Anlass bietet das im nächsten Jahr ins Haus stehende 130. Gründungsjubiläum des Vereins, der auf eine durchgehende Existenz in Grimma verweisen kann. „Neben einer Festschrift wird es im Oktober eine Ausstellung inklusive Sonderpostamt und Sonderstempel geben, darüber hinaus werden wir einen Tag der Briefmarke veranstalten“, blickt Stefan Lehn voraus.

Dabei vermag die Umtriebigkeit des letzten im Muldental verbliebenen Philatelistenvereins – im Landkreis Leipzig wird der organisierten Philatelie neben Grimma nur noch in Pegau gefrönt – nicht über die anhaltenden Probleme der Philatelie auf Landes- und Bundesebene hinwegtäuschen. „Der Bundesverband verliert alljährlich rund fünf Prozent seiner Mitglieder, und die vier ostdeutschen Landesverbände in Mitteldeutschland und Mecklenburg-Vorpommern sind in den vergangenen Jahren personell so geschrumpft, dass nur ein für das übernächste Jahr ins Auge gefasster Zusammenschluss ihr Überleben sichern kann“, beschreibt Lehn die Situation.

Eine Situation, von der der Philatelistenverein Grimma 1887 insofern profitiert hat, als viele Mitglieder der im Verlauf der vergangenen Jahre von der regionalen Landkarte verschwundenen Philatelistenvereine Unterschlupf an der Mulde gefunden haben. Gleichwohl liegt der Altersdurchschnitt der Grimmaer Philatelisten bei 66 Jahren, und Mitglieder unter 50 sind rar gesät.

Der Fraktion „Philatelisten-Jugend“ zugehörig ist mit seinen 41 Jahren Matthias Kupsch, der eher durch einen Zufall zur Philatelie gefunden hat. Oder besser zurückgefunden hat. „Ich hielt vor acht Jahren meine Jugendsammlung in den Händen, und nachdem eine Schätzung ergeben hat, dass sie in den nächsten Jahren keinen größeren Wertzuwachs verzeichnen wird, habe ich mich wieder intensiver mit der Materie beschäftigt“, so der Wurzener.

Mit dem Ergebnis, dass seine jetzige Sammlung durchaus eine „kleine Sachanlage“ darstellen würde. „Mittlerweile betreibe ich mein Hobby kostenneutral, weil ich gezielte Zukäufe mit den Teilverkäufen gegenfinanziere“, so Matthias Kupsch, der für seinen Vereinsvorsitzenden nach dessen Aussage ein vertrautes Vereinsmitglied ist.

„Andere Mitglieder hingegen kenne ich nur ihrem Namen nach, weil sie etwa auf Montage arbeiten und somit keine Gelegenheit haben, unsere Vereinsabende zu besuchen“, so Stefan Lehn, der den Grimmaer Philatelisten seit 1983 angehört und den Vorsitz seit 2005 innehat. Und der mit seinem Verein Briefmarkensammlern eine der wenigen verbliebenen Möglichkeiten in Sachsen anbietet, um miteinander in Kontakt zu treten. „Börsen dieser Art gibt es neben Grimma nur noch in Pegau und den Großstädten“, sagte der 64-Jährige.

Von Roger Dietze

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