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Grimma In Grimma stehen zwei in die Jahre gekommene Kleinode zum Verkauf
Region Grimma In Grimma stehen zwei in die Jahre gekommene Kleinode zum Verkauf
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00:18 08.04.2017
Das Kavalierhaus Kössern. Quelle: Thomas Kube
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Grimma

Als unlängst eine Fotokünstlerin aus Großbothen an die Tür von Rathauschef Matthias Berger klopfte, hatte sie einen triftigen Grund. Sie suchte für ihre junge Familie eine Bleibe mit besonderem Charme. „Ich empfahl ihr mehrere Objekte, sie fokussierte schließlich das Kavalierhaus Kössern“, erzählt der Oberbürgermeister. Er freute sich, für dieses einstige Kleinod einen Interessenten an der Hand zu haben. Doch die Pläne zerschlugen sich.

Jetzt hat die Stadt Grimma das Kavalierhaus zum Verkauf ausgeschrieben. Und nicht nur das. Für ein weiteres, noch imposanteres Gebäudeensemble können ebenfalls Kaufangebote eingereicht werden. Die Rede ist vom Rittergut in Haubitz. In beide Immobilien muss viel Geld gesteckt werden, um sie vor dem Verfall zu bewahren und einer Nutzung zuzuführen. Wohl auch deshalb liegen die Buchwerte vergleichsweise günstig – 80 000 Euro beim Kavalierhaus, 100 000 Euro beim Rittergut. Veräußert wird aber meistbietend. Die Ausschreibung läuft bis zum 15. April.

Grimma erbte beide Gebäude im Zuge der Eingemeindungswelle. Das Kavalierhaus, das einst gut betuchten Jägern als Herberge diente und zu DDR-Zeiten als Grundschule genutzt wurde, war vordem im Besitz der Gemeinde Großbothen. Das Rittergut, zu dem Scheune und Garagen gehören, stand auf dem Gebiet der Gemeinde Thümmlitzwalde. Jetzt hat die Muldestadt beide Immobilien zum ersten Mal ausgeschrieben. „Weitere denkmalgeschützte Gebäude dieses Klassements haben wir nicht mehr zu veräußern“, erklärt Holger Krüger, Sachgebietsleiter Gebäude und Liegenschaften bei der Stadtverwaltung. Der letzte große Deal war der Verkauf von Schloss Mutzschen.

Die zwei bedeutenden Immobilien werden derzeit kaum genutzt und sind deshalb auch dem Verfall preisgegeben. Im Rittergut, das in Teilen auch mal den Bauhof und das Dorfgemeinschaftshaus beherbergte, ist derzeit nur noch eine Wohnung belegt. Im Kavalierhaus dient ein Raum der Feuerwehr-Schalmeienkapelle Grimma, auch die Nähgruppe des Sportvereins Kössern geht hier hin und wieder ihrem Hobby nach. Eine Kegelbahn gehört ebenfalls zum Komplex. Ansonsten steht das Haus leer.

Eine Sanierung der stattlichen Immobilien auf eigene Kosten kommt für die Stadt Grimma nicht in Frage. Über die Ausschreibung will sie nicht nur neues Leben in die Häuser bringen, sondern auch Einfluss auf deren Zukunft und die Zeitschiene nehmen. Die potenziellen Erwerber müssen dem Kaufangebot ein Entwicklungskonzept beilegen. Der Schwerpunkt soll auf einer – zumindest teilweisen – künstlerischen oder touristischen Nutzung liegen. Gerade in Kössern könnte ein künstlerisches Zentrum entstehen, hofft Krüger. Gegenüber steht das Jagdhaus, die Festwiese ist nebenan, nur Schritte entfernt liegt das Rittergut.

Aus städtischer Sicht sei derzeit ein günstiger Zeitpunkt für die Ausschreibung, erläutert Fachmann Krüger. Käufer könnten Förderprogramme wie Leader anzapfen, um die wertvollen Gebäude wieder in Schuss zu bringen. „Wir wollen eine größtmögliche Anzahl Interessenten erreichen“, betont der Sachgebietsleiter. Finden sich in der ersten Ausschreibung, die regional ausgerichtet ist, keine Käufer, werden die Immobilien erneut angepriesen – dann überregional. Indes gibt es für das Rittergut im beschaulichen Haubitz sogar einen Interessenten, der laut Köhler Ideen hat. Ob er anbeißt, ist offen.

Von Frank Prenzel

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