Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Grimma In Not und ohne Wohnung: Kommune im Landkreis Leipzig halten Unterkünfte vor
Region Grimma In Not und ohne Wohnung: Kommune im Landkreis Leipzig halten Unterkünfte vor
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:00 28.10.2016
Wolfgang Osterkamp und Kerstin Schröter von der Erwerbslosen- und Sozialhilfeinitiative Leipzig e. V. Quelle: Jens Paul Taubert
Anzeige
Landkreis

Die Tage werden wieder kürzer, die Temperaturen sinken in einstellige Bereiche. Obwohl die Zeiten für Wohnungs- oder Obdachlose rauer werden, finden sie im Landkreis ein Dach über dem Kopf. In Borna beispielsweise betreibt der Verein Erwerbslosen- und Sozialinitiative Leipzig im Auftrag der Stadt eine Obdachlosenunterkunft. Zehn Betten stehen hier dauerhaft zur Verfügung. „Unsere wichtigstes Anliegen ist aber, Menschen wieder zurück in die eigenen vier Wände zu bringen“, so Wolfgang Osterkamp, Geschäftsführer des Vereins. Um dieses Ziel zu erreichen, unterstützt die Erwerbsloseninitiative nicht nur bei der Wiedereingliederung, sondern tut schon im Vorfeld alles dafür, dass Menschen ihre Wohnung gar nicht erst verlieren. „Oft geraten Menschen in eine finanzielle Notlage und es droht die Wohnungsräumung“, so Kerstin Schröter, zuständige Sozialarbeiterin für die Obdachlosenunterkunft. „Manchmal suchen Betroffene von sich aus Hilfe, wenn sie merken, dass sie nicht mehr allein aus der Situation herauskommen oder die Vermieter – etwa die Wohnungsbaugenossenschaft – tritt an uns heran.“ Kommt es doch zur Obdachlosigkeit, hilft der Verein bei der Wohnungssuche, bei Papierkram und, wenn es nicht anders geht – etwa aufgrund einer Suchterkrankung – verwaltet der Verein auch das Geld der Betroffenen und teilt ihnen dieses zu.

In Grimma gibt es keine täglich geöffnete Unterkunft für Wohnungslose. Allerdings hält die Stadt eine möblierte Wohnung, mit Küche und Waschmaschine bereit, die kurzfristig an Obdachlose vergeben werden kann. „Aber auch, wenn durch Havarien oder Brände Wohnungen nicht mehr bewohnbar sind, hilft die Stadtverwaltung kurzfristig, um eine Notunterbringung zu gewährleisten“, so Jana Kutscher, Amtsleiterin für Schulen, Soziales und Kultur in Grimma. In Wurzen löst die Stadt das Problem der Wohnungslosigkeit mit kurzfristigen Unterbringungen bei privaten Anbietern. „Im Notfall werden wir aktiv, so dass wir immer eine Lösung anbieten können, bis die Betroffenen wissen, wie es weiter geht“, sagt Diana Henke, Sachbereichsleiterin Ordnung und Sicherheit bei der Stadt Wurzen.

Oft steht hinter den finanziellen Schwierigkeiten ein tiefergehendes Problem. Scheidungen oder Trennungen ziehen vielen den Boden unter den Füßen weg. „Vorwiegend nehmen Männer mit Suchtproblemen, psychischen Erkrankungen oder nach der Entlassung aus dem Justizvollzug die Wohnung in Anspruch“, heißt es aus der Stadtverwaltung Grimma. Ähnliche Situationen schildern Henke aus Wurzen, sowie Schröter und Osterkamp aus Borna. Ob mehr Männer oder Frauen betroffen sind könne man nicht sagen. Auch ziehe sich die Problematik der Obdachlosigkeit oder drohenden Wohnungslosigkeit durch alle Altersschichten.

„Derzeit betreuen wir etwa 15 bis 20 Personen“, so Schröter. „Die Obdachlosenunterkunft wird sehr unterschiedlich genutzt. Zurzeit ist eine Person bei uns untergebracht.“ Die Unterkunft darf nur von 18 bis sechs Uhr früh besucht werden, danach müssen die Leute für den Tag raus. Ab Oktober ist die Unterkunft ab 16 Uhr geöffnet. „Außerdem haben wir zwei Zimmer, zu denen wir auch einen Schlüssel ausgeben. Die Bewohner dürfen dann immer in ihren Raum“, so Osterkamp. Für alle Nutzer der Schlafplätze ist es Pflicht, dass Zimmer sauber und ordentlich zu hinterlassen und auch in den Gemeinschaftsräumen muss mit geputzt werden.Tagsüber kann das Vereinshaus in der Schulstraße 19 in Borna genutzt werden.

Auch in Grimma und Wurzen müssen die Unterbringungsmöglichkeiten glücklicherweise nur selten in Anspruch genommen werden. „Im Schnitt wird zwei bis fünfmal im Jahr Hilfe benötigt“, sagt Henke aus Wurzen. In Grimma gab es in diesem Jahr bisher einen Fall, in dem ein Mann die Unterkunft brauchte, im Jahr zuvor baten drei Männer und eine Frau, 2014 sechs Männer um Hilfe.

Von Tatjana Kulpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Es wirkt wie in einem Katastrophenfilm: Die Mediziner der Notfallaufnahme sind in Schutzanzüge gehüllt. Rote Absperrbänder am Eingang zur Notfallaufnahme. In einer Übung proben die Feuerwehr und Krankenhaus den Ernstfall – ein tödliches Virus zu stoppen.

27.10.2016

Der Countdown für Weihnachten läuft. Für das Fest der Feste ist das erste Federvieh auf der Gänsefarm Eskildsen bei Mutzschen ausgestallt worden. Und am 1. November öffnen sich die Pforten des traditionellen Gänsemarktes mit dem Flair eines Weihnachtsmarktes.

27.10.2016

Mehrere Wochen nach den Steinwürfen am Grimmaer Bahnhof sucht die Polizei Zeugen in einem üblen Fall von mutwilliger Zerstörung. Die Randale war bereits am 19. September passiert

27.10.2016
Anzeige