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Grimma In Ragewitz: Fünf Generationen unter einem Dach
Region Grimma In Ragewitz: Fünf Generationen unter einem Dach
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00:16 09.05.2017
Fünf Generationen unter einem Dach: Francine, Malia, Celine Grabow, Werner Fehse, Annett Grabow, Emil und Ursula Fehse. Insgesamt wohnt die Großfamilie hier in Ragewitz mit elf Personen auf dem Anwesen. Quelle: Foto:
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Grimma/Ragewitz

Malia sitzt auf dem Schoß ihrer Mutter. Ein tönendes Liederbuch hat es dem Mädchen angetan, immer wieder greift es danach. Malia ist gerade mal ein Jahr alt – und damit die Jüngste in einem Haus mit Seltenheitswert in unseren Breiten. Angefangen von ihrem Ururopa Werner Fehse, der diesen Monat seinen 89. Geburtstag feiert, leben hier sage und schreibe fünf Generationen unter einem Dach. Das Haus steht im Nauberger Weg in Ragewitz, nur einen Steinwurf von der Kirche entfernt. Im wahrsten Sinne des Wortes ist hier immer Leben in der Bude.

Vier Familien der Familie – wenn man so will – haben in dem Anwesen, das Werner Fehse 1972 erwarb und immer wieder ausbaute, ihr Refugium. Jede lebt in einer eigenen Wohnung mit Küche und Bad, insgesamt fühlen sich hier elf Personen heimisch. Der Senior, der zu DDR-Zeiten als Schweinezüchter in der LPG sein Geld verdiente, und seine Frau Pia Fehse (82) bilden die erste Generation im Haus. Seine unverheiratete Tochter Ursula Fehse (57) stellt die zweite Generation. Eine ihrer beiden Töchter, Annett Grabow (36), blieb ebenfalls im Nauberger Weg hängen und füllt mit ihrem Mann André (40) die dritte Generation in den alten Mauern aus. Das Paar hat vier Kinder: Celine (20), Maurice (18), Francine (8) und Emil (4), die damit die vierte Generation sind. Celine indes wollte es fast so zeitig wissen, wie ihre Mutter und brachte vor einem Jahr Malia auf die Welt. Damit war das Generationen-Quintett im Grundstück perfekt. Vater des Babys ist Michael Haase (20), der wie selbstverständlich am Großfamilienleben teilnimmt.

„Das ist ein Fuchsbau“, lacht Annett Grabow über die verwinkelten Wohnbereiche. Als ihre Mutter 1980 mit ihr schwanger ging, wurde die Scheune ausgebaut. So begegnete die Familie dem Wohnungsmangel zu DDR-Zeiten und legte den Grundstein für das Haus der Generationen. „Sie brauchte ja mit ihrem Freund eine Bleibe“, erinnert sich Werner Fehse. Für seine Tochter Ursula stand nie zur Debatte, das Haus der Eltern zu verlassen. „Es ergab sich durch die Arbeit, außerdem war so die Kinderbetreuung geklärt.“ Und die Großeltern bedurften der Pflege. „Es ging Hand in Hand“, erzählt die 57-Jährige, die in der Kälberaufzucht der Ragewitzer Agrarproduktion arbeitet. Hand in Hand – so ist das auch noch immer. Zwar lebt jede Familie für sich, doch jeder kümmert sich auch um den anderen. Alt um Jung, Jung um Alt.

„Ich kann hier nicht ausziehen“, bekräftigt Annett Grabow. Sie habe es schon immer schön gefunden, wenn alle im Haus sind. Und sie genießt den Luxus, dass beim Großziehen der Kinder immer jemand zur Stelle ist. „Sonst könnte ich nicht in Schichten arbeiten“, weiß die 36-Jährige, die in Erdmannshain als Betreuerin im Pflegeheim tätig ist. Ihr Mann sitzt als Kraftfahrer ebenfalls Tag und Nacht am Lenkrad. Und so weiß das Paar für die quirlige Francine, die derzeit in der Grundschule Zschoppach die 2. Klasse besucht, und für den aufgeweckten, vier Lenze zählenden Emil immer eine Betreuung im Haus. „Man ergänzt sich“, bringt es Annett Grabow auf den Punkt. „Die mittlere Generation geht arbeiten, die ältere passt auf die Kinder auf.“

Auch die Pflege des Seniorenpaares beantwortet sich im Generationen-Haus von selbst. Werner Fehse braucht regelmäßig Insulin und schätzt einen weiteren Vorteil: Die Kinder „sind für mich eine große Hilfe am Computer“, schmunzelt der 88-Jährige.

Bei aller Harmonie: „Wir sind alle Stress getestet, man braucht auch mal gute Nerven“, verrät Ursula Fehse, die so etwas wie die Zentrale im Haus ist und am Wochenende schon mal für die gesamte Mannschaft kocht. Kein Wunder, meint ihre Tochter Annett. Bei so vielen Generationen gebe es halt auch viele Meinungen. „Man muss tolerant sein und miteinander reden.“ Alle Meinungen unter einen Hut zu bringen, das ist ihrer Ansicht nach auch die größte Herausforderung im „Fuchsbau“. Zum Beispiel bei baulichen Plänen.

Die kleine Malia hat geduldig den Pressetermin überstanden. Ihre Mutter Celine ist gelernte Sozialassistentin. Nach dem Babyjahr im August will die 20-Jährige in Leipzig eine Ausbildung als Erzieherin beginnen. „Ich kenne es nicht anders“, meint sie zum Wohnen in Gemeinschaft. Und freut sich, dass sie so für Malia eine Betreuung hat, wenn die Ausbildung startet. Malias Uroma Ursula wird sich schon drauf freuen. „Das Schöne ist, die Kinder aufwachsen zu sehen“, schätzt sie das gemeinsame Leben im Nauberger Weg.

Von Frank Prenzel

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