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Grimma In der Leitstelle in Grimma gehen nach 21 Jahren und acht Monaten die Lichter aus
Region Grimma In der Leitstelle in Grimma gehen nach 21 Jahren und acht Monaten die Lichter aus
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17:11 26.02.2018
Matthias Uhlmann nimmt zum letzten Mal auf seinem Stuhl in der Rettungsleitstelle Grimma Platz. Am Mittwoch gingen hier nach 21 Jahren und acht Monaten für immer die Lichter aus. Mehr Fotos aus der Leitstelle in Grimma sehen Sie im Internet auf www.lvz.de/grimma Quelle: Foto: Thomas Kube
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Grimma

Um 4.43 Uhr wurde der letzte Notruf entgegen genommen. Im Raum Wurzen schwebte eine Person in Lebensgefahr und brauchte umgehend ärztliche Hilfe. Um 5 Uhr schaltete die Telekom die Apparate dann auf die Integrierte Regionalleitstelle (IRLS) in Leipzig um, wo seitdem alle Notrufe aus dem Landkreis Leipzig eingehen und gemanagt werden.

Die Rettungsleitstelle in Grimma atmete Ruhe an ihrem letzten Tag. Nur noch zwei der fünf Arbeitsplätze mit je vier Monitoren wurden bedient. Kurz nach der Umstellung setzten sich Matthias Uhlmann (46) und Uwe Prager (44) zum letzten Mal auf ihren gewohnten Platz. Viel zu tun gab es für sie nicht. Da aber am Mittwoch peu à peu noch weitere der über 350 Brandmeldeanlagen des Landkreises in die Leipziger Zentrale geschaltet wurden, war zumindest hier ein waches Auge vonnöten. So schlug in den Morgenstunden auch ein Brandmelder im Wurzener Kaufland an, die Disponenten in Grimma leiteten die Information umgehend an die IRLS weiter. Das Ganze entpuppte sich zum Glück als Fehlalarm.

In der Rettungsleitstelle Grimma wurden am Mittwoch nach über 21 Jahren die Stecker gezogen. Das Gebäude soll künftig als Stabsstelle des Landkreises genutzt werden.

Matthias Uhlmann ist sozusagen ein Urgestein unter den Disponenten. Er wechselte seinerzeit schon aus der Rettungsleitstelle Borna nach Grimma, wo am 1. Januar 1996 die neue Notruf-Zentrale fürs Muldental, Leipziger Land und den Raum Döbeln in Betrieb ging. Seit Donnerstag sitzt er nun vor den Monitoren in der Leipziger Gerhard-Ellrodt-Straße und damit in seiner dritten Leitstelle. Vom Arbeitsplatz her ist das für ihn sogar günstiger. Uhlmann wohnt in der Messestadt. Insofern sei er mit Leipzig und dem Landkreis Leipzig vertraut, sagt der 46-Jährige. Mit den Gepflogenheiten etwa der Feuerwehren in Nordsachsen kenne er sich aber nicht aus. „Die muss ich erst verinnerlichen“, sagt er und freut sich auf die neue Herausforderung.

Uhlmann gehört zu den neun Disponenten nebst einem Techniker, die nun von Grimma nach Leipzig wechselten. Zwei weitere Disponenten rückten in der IRLS Chemnitz ein, wo seit Dienstag die Notrufe aus dem Raum Döbeln ankommen. Nach der monatelangen, kräftezehrenden Vorbereitung der Umstellung fiel Carola Schneider, Geschäftsführerin des hiesigen Rettungszweckverbandes und Leiterin des Amtes für Brandschutz, Rettungsdienst und Katastrophenschutz im Landratsamt, am Mittwoch ein Stein vom Herzen. „Es ist auf der einen Seite wie eine Amputation. Auf der anderen Seite ist es endlich geschafft“, meinte die 53-Jährige erleichtert, dass der Überang so reibungslos verlief. Doch die Leitstelle Grimma, in der zuletzt 16 Personen ihren Dienst versahen, ist nun Geschichte. Sie koordinierte jährlich rund 64 000 Einsätze des Rettungsdienstes und 1700 Feuerwehreinsätze. Hinzu kamen laut Schneider etwa 3000 weitere Vorgänge, etwa das Vermitteln von Jagdpächtern bei Wildunfällen oder das Informieren von Behörden.

Der letze Tag der Leitstelle war geprägt von technischen Finessen, die dem Laien verborgen blieben. Etwa die Feinjustierung des digitalen Alarmumsetzer-Netzes, „um jeden kleinsten Winkel im Kreis haargenau zu erreichen“, so Schneider. Auch die Anbindung der Abrechnungssysteme für die Einsätze gehörte am Mittwoch zu den letzten Arbeiten.

Das Gebäude in der Grimmaer Zillestraße gehört dem Landkreis Leipzig. Er wird es auch weiterhin nutzen, erläutert der Erste Beigeordnete Gerald Lehne. „Kein Raum bleibt leer.“ Der Rettungszweckverband, der zwar die Leitstelle abgeben musste, aber wie gehabt etwa für die materielle Sicherstellung des Rettungsdienstes, die Unterhaltung der Rettungswachen und die Abrechnung der Rettungsleistungen zuständig ist, bleibt mit seinen zehn Mitarbeitern (acht Stellen) im Haus. Allerdings wird der Kreistag Ende des Jahres über eine neue Struktur entscheiden, da sich der Zweckverband durch den Wegfall des Döbelner Raumes (Landkreis Mittelsachsen) erübrigt hat. Es werde derzeit geprüft, so Lehne, ob die Aufgabe für den Landkreis Leipzig ab 2018 in Form eines Eigenbetriebes wahrgenommen oder in die Verwaltung integriert wird. Der Raum der bisherigen Leitstelle eigne sich als künftiger Stabsraum bei einem Katastropheneinsatz, so Lehne. Er müsste im Ernstfall nicht erst eingeräumt werden, „wir wären sofort arbeitsfähig“. Der jetzige Stabsraum im vorderen Haus in der Zillestraße sei viel zu beengt.

Von Frank Prenzel

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