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In voll besetzter Kirche: Colditzer Männerchor feiert seinen 170. Geburtstag

Festkonzert In voll besetzter Kirche: Colditzer Männerchor feiert seinen 170. Geburtstag

So voll war die Stadtkirche „St. Egidien“ schon lange nicht mehr: Über 400 Gratulanten fanden sich zum Festkonzert anlässlich des 170. Geburtstages des Männerchores Liedertafel Colditz ein. Der Chor gilt als einer der ältesten und größten in Sachsen und wurde 1997 von Bundespräsident Roman Herzog mit der Zelter-Plakette ausgezeichnet.

Die Liedertafel von Colditz während des Konzertes in der Stadtkirche St. Egidien.

Quelle: privat

Colditz. Es ist die Musik, die müde Männer munter macht. Wenn es dazu noch eines Beweises bedurfte, so lieferte ihn das Festkonzert für einen Dino unter Sachsens Chören: 170 Jahre und kein bisschen leise! Zwar hatte der Männerchor Liedertafel Colditz in früheren Zeiten mehr als dreimal so viele Sangesbrüder, dafür holte er sich zur Geburtstagsfeier tatkräftige Unterstützung: Den Katholischen Kirchenchor St. Raphael Colditz etwa, den Männerchor Bad Lausick, den Frauenchor „animato“ aus Neukieritzsch, den Paul-Fleming-Chor aus Wechselburg und den Gemischten Chor Elstertal aus Zeitz. Dazu spielte das Orchester Eva Schulze, des Evangelischen Schulzentrums Leipzig. Nicht zu vergessen solch Hochkaräter wie Sopranistin Kathleen Ziegner, Johannes Hartmuth an der Trompete, Lucretia Winter (Violine), Jakob Grabenhorst (Violoncello) und Viktor Vetter (Continuo und Klavier). Zusammen schmetterten sie Mozarts letztes Werk „Brüder, reicht die Hände zum Bunde“. Mächtig gewaltig!

Ein unvergessliches Erlebnis für die 32 Mannen um Joachim Gutschale, Klaus Hempel, Reinhard Richter, Gerhard Brachvogel und Gunter Neustadt. Die Liedertafel Colditz, sie lebt! Trotz Aderlasses gilt sie noch immer als einer der ältesten und größten Männerchöre Sachsens. 1997 wurde sie von Bundespräsident Roman Herzog mit der Zelter-Plakette ausgezeichnet. Zelter (1758-1832), Komponist und Chordirigent, war Begründer der Singebewegung, auf ihn gehen zahlreiche Liedertafeln und Liederkränze zurück. Gerade in der Weihnachtszeit erfreute sich schon damals das Singen besonderer Beliebtheit. Es gab weder Radio noch Plattenspieler, die Leute trafen sich zu Auftritten in Gasthäusern oder – wie in Colditz – auf dem Markt. Und dies an allen Ecken und Enden: Anfangs sang der Männerchor hinter dem alten Brunnen, später am unteren Markt sowie vorm heutigen Herrenausstatter. Inzwischen versammelt sich der Chor wieder an seinem Ursprung, auf den Granitstufen vor der Sparkasse, wo früher der Brunnen war. „Macht hoch die Tür“, „Stille Nacht“, „O du fröhliche“ – in guten wie in schlechten Zeiten verabreden sich am heiligen Abend bis zu 1000 Colditzer zum gemeinsamen 45-minütigen Singen. Im Archiv des Männerchores findet sich dazu 1871 ein erster Eintrag, wobei sehr wahrscheinlich ist, dass die Tradition noch weiter zurück reicht. Ähnlich verhält es sich mit dem Pfingstsingen: Es gilt als diesbezüglich prominenteste Veranstaltung im Muldental. 1886 war es Bürgermeister Johannes Müller, der das Tiergarten-Trällern über die Feiertage erstmals nicht nur den Vögeln überließ. Müller selbst war Mitglied der „Liedertafel“. In der jüngeren Vergangenheit sei die Veranstaltung nur ein einziges Mal ins Wasser gefallen: „Das war in den Achtzigern. Es schüttete wie aus Kannen, trotzdem erschienen 34 Zuhörer mit Regenschirm“, erinnert sich Albert Peter Bräuer. Er ist der Chorleiter und dankt allen Gratulanten in der Stadtkirche – Bürgermeister Matthias Schmiedel, Pfarrerin Angela Lau, den guten Seelen Karsta Eichhorn, Elke Wünscher sowie Steffen Marticke, der gemeinsam mit Brigitte Hempel, Helga Brachvogel, Heidi Meier, Katrin Rives und Regina Schnell über 400 Brötchen schmierte. Singen macht hungrig! Vor allem, wenn sechs Stunden am Stück, inklusive Proben, musiziert wird.

Albert Peter Bräuer (Melodie) und Reinhard Richter (Text) müssen es wie einen inneren Vorbeimarsch empfunden haben, als das von ihnen geschriebene Festlied „Ertönet mit lautem Schalle“ erklang – aus hunderten Kehlen! Musik macht müde Männer munter. Und nicht nur die.

Von Haig Latchinian

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