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Grimma Jetzt endlich Start – Dorf der Jugend schafft sich seinen Veranstaltungsraum
Region Grimma Jetzt endlich Start – Dorf der Jugend schafft sich seinen Veranstaltungsraum
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00:19 23.12.2017
Die Steine sind da. Tobias Burdukat, Jonas Richter und Ruven Gentzsch schaffen sie in den künftigen Veranstaltungsraum des Dorfes der Jugend in der alten Spitzenfabrik in Grimma. Mit den Steinen wird auch eine Trennwand errichtet. Quelle: Foto: Frank Prenzel
Grimma

Es gehört schon etwas Fantasie dazu, um vor dem geistigen Auge den künftigen Veranstaltungsraum zu sehen. Graffiti ziert die schlichten Wände und Säulen, der nackte Betonboden wirkt unwirtlich, Regenwasser dringt aus der maroden, mit Stoffbahnen abgegrenzten Halle herüber und bildet Pfützen. An der Decke sorgt ein metallener Lampenstrang für fahles Licht. Doch der Anfang ist gemacht. Am Montag wurden die Kalksandsteine angeliefert, mit denen zunächst eine Trennwand zur Nachbarhalle errichtet und das Treppenhaus zugemauert wird. Tobias Burdukat, Spiritus Rector des Dorfes der Jugend in Grimma, Medientechnik-Student Jonas Richter und Ruven Gentzsch, der beim Förderverein für Jugendkultur und Zwischenmenschlichkeit ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert, spuckten in die Hände, um die Steine zunächst in den künftigen Veranstaltungsraum zu hieven. Der wird im Erdgeschoss des Produktionsgebäudes der einstigen Spitzenfabrik rund 200 Quadratmeter einnehmen. Burdukat rechnet jede Stunde mit dem Eintreffen der Baugenehmigung. Es darf aber schon der Mörtel eingerührt werden.

Der 34-Jährige hatte gehofft, eigentlich im Sommer mit den Arbeiten beginnen zu können. Denn da stand noch die Kerntruppe des Dorfes Gewehr bei Fuß. Doch das Gerangel um die Stellplätze hat viel Zeit gekostet. Wie berichtet, sollten die etwa 40 nachzuweisenden Parkplätze zunächst auf der benachbarten Wiese entstehen. So war auch der Bauantrag mit entsprechendem Lärmgutachten erarbeitet worden. Doch dann signalisierte die Stadtverwaltung, dass die Wiese ein Vorbehalt für Gewerbeansiedlungen sei und das Dorf der Jugend nun doch die vorhandene Parkfläche neben dem Caravanplatz nutzen dürfe. „Wir haben die Baulast eingetragen bekommen“, so Burdukat. Allerdings musste der Bauantrag überarbeitet werden und auch ein neues Lärmschutzgutachten her. „Obwohl schon eines existiert“, schüttelt Burdukat den Kopf.

Derweil ist es Winter geworden und höchste Eisenbahn, den künftigen Veranstaltungsraum vor der Nässe zu schützen. „Das mit dem Regenwasser muss aufhören“, weiß Burdukat, der derzeit Sozialarbeiter und Baumanager in einer Person ist. Allerdings haben die meisten aus der bisherigen Kerntruppe inzwischen ein Studium oder die Ausbildung begonnen und damit Grimma verlassen. Und eine neue Stammgruppe muss Burdukat erst wieder aufbauen. Er ist sich aber sicher: „Hier werden viele Studenten mit anpacken. Wir steuern das über die sozialen Netzwerke.“ Wer Zeit und Lust habe, helfe beim Bau. Eine Firma jedenfalls können sich die Dorf-Macher nicht leisten. Lediglich ein Maurermeister aus Eulatal ist als Profi gebunden. Dachdeckermeister und Stadtrat Johannes Heine hilft laut Burdukat die Mauer wetterfest zu machen. „Das ist wie eine Außenwand.“

Der Raum wird schlicht bleiben. Eine Bar soll mit hinein, der Zugang muss barrierefrei gestaltet werden. Im ersten Stepp wird auch eine Lüftungsanlage installiert, und die Türen sollen erneuert werden. Wird es zu frisch, müssen später mobile Heizgeräte helfen. Die Investition einer Heizung sei nicht zu stemmen, erklärt Burdukat. Für die offene Jugendarbeit ist die wetterfeste Bleibe in der alten Spitzenfabrik aber unabdingbar. Hier sollen Konzerte, Diskos, Kino und Workshops über die Bühne gehen. Burdukat zieht auch die Vermietung ins Kalkül, um Finanzen für die Jugendarbeit einzuspielen.

Gebaut wird, so lange das Geld reicht. Das generiert sich aus Spenden. So fließen auch die 30 000 Euro, die Burdukat für seine Ehrung mit der Goldenen Henne erhielt, in das Projekt. Um Fördermittel hat sich der 34-Jährige gar nicht erst bemüht. „Das ist viel zu kompliziert. Ich wüsste nicht, wie ich das allein bewältigen sollte.“ Und mit einem Anflug von Sarkasmus sagt er: „Es sind doch bloß Jugendliche, unsere Zukunft. Das will in Sachsen doch keiner haben.“ Burdukat selbst wird vom Kreis mit einer 30-Stunden-Stelle finanziert. Träger des Dorfes der Jugend, das vor fünf Jahren in einer ersten Idee reifte, ist der Förderverein.

„Ich dachte nicht, dass alles so kompliziert ist“, lässt der 34-Jährige seinen Blick durch den kalten Raum schweifen. „Überall gibt es Probleme.“ Zumindest darf das Jugend-Dorf seit Oktober wieder die Fahrradwerkstatt uneingeschränkt nutzen. Das Bauaufsichtsamt des Kreises hatte im Frühjahr einen Riegel vorgeschoben, weil für die Werkstatt kein Bauantrag eingereicht worden war (die LVZ berichtete). Das haben Burdukat & Co mittlerweile erledigt, die Freigabe ist erfolgt. Haken dran.

Von Frank Prenzel

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