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Grimma Juchtenkäfer könnte die Pläne für Tonabbau durchkreuzen
Region Grimma Juchtenkäfer könnte die Pläne für Tonabbau durchkreuzen
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14:14 19.05.2015

Das schmächtige Krabbeltier könnte Ärger bereiten - und zwar ziemlich großen. Regelrechte Berühmtheit erlangte der Käfer im Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen um Stuttgart 21. Beim hart umkämpften Neubau des Stuttgarter Hauptbahnhofs bremste der Winzling die Bauarbeiten zeitweilig aus. Ein Gericht stoppte das Fällen von Bäumen, in denen sich das seltene Insekt heimisch fühlte. Der Stuttgarter Schlossgarten wurde spätestens dann zum Schauplatz von bundesweit beachteten Massendemos. Es kam zu Polizeieinsätzen, großem Medienauflauf - die Auseinandersetzung, die mit dem Ringen um den Lebensraum eines kleines Tierchens begann, endete schließlich mit dem Aus einer ganzen Landesregierung.

Zutrauen würde man dem unscheinbaren Insekt so viel Macht nicht auf den ersten Blick. Der Juchtenkäfer misst gerade einmal drei, vier Zentimeter. Hinzu kommt, dass man ihn nur schwer zu Gesicht bekommt. Er lebt zurückgezogen in Baumhöhlen. Naturschützer frohlocken schon, wenn es ihnen gelingt, Besiedlungsspuren in Form von Exkrementen oder Chitinteilen nachzuweisen. Auf Grund seiner unauffälligen Lebensweise wird der kleine Kerl auch "Eremit" (Einsiedler) genannt.

So winzig das Insekt, so groß seine Bedeutung aus Sicht von Naturschützern. "Der Käfer genießt höchsten europäischen Schutzstatus", betont Jens Haubner, Mitglied im sächsischen Landesvorstand des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). "In Sachsen können da nur Wolf und Seeadler mithalten." Der Juchtenkäfer wird in der Roten Liste der geschützten Arten als stark gefährdet geführt und steht zudem unter dem besonderen Schutz der Berner Konvention.

Der BUND, der als anerkannter Naturschutzverband seine Stellungnahme zum geplanten Tonabbau im laufenden Raumordnungsverfahren abgab, schlägt jetzt im Fall Brandis Alarm: Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass der Käfer in Brandis vorkomme. Dies würde bedeuten, dass umfangreiche Maßnahmen zu seinem Schutz ergriffen werden müssten.

Dort, wo sich totes Holz zu zersetzen beginnt, fühlt sich das streng geschützte Krabbelwesen wohl. "In Brandis gibt es offenbar solche Baumbestände", vermutet Haubner. Auf welch sensiblem Terrain man sich bewegt, scheint auch die Abbaufirma realisiert zu haben. In einem Schreiben, das an die Brandiser Stadträte ging, ist ebenfalls die Rede davon, dass auf dem Areal möglicherweise der Eremitenkäfer beheimatet ist.

Was diese Einschätzung für die Umsetzung der Gruben-Pläne im Brandiser Osten bedeutet, darüber lässt sich derzeit nur spekulieren. "Es ist ja nicht nur der Juchtenkäfer, der durch das Vorhaben auf dem Spiel steht", meinte gestern Kreisnaturschutzbeauftragter Jens Müller aus Brandis. "Es gibt unzählige Arten, die betroffen sind." So seien von 82 registrierten Vogelarten zwölf laut Bundesnaturschutzgesetz geschützt, daneben gebe es fünf geschützte Amphibien- und neun Fledermausarten - ebenfalls allesamt stark in ihrem Bestand gefährdet. Besonderer Aufmerksamkeit bedürften auch die Goldene Acht oder das Kleine Fünffleck-Widderchen - hierbei handelt es sich um wohlklingende Namen von Tagfaltern, die der BUND in seinem Einwand an die Landesdirektion ebenfalls auflistet.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.03.2015
Prenzel, Simone

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