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Grimma Jugendliche in Grimma gestalten Bild am Rondell
Region Grimma Jugendliche in Grimma gestalten Bild am Rondell
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06:02 17.05.2018
Das runde Häuschen auf dem Grimmaer Nicolaiplatz hat dank vieler Hände ein nachdenklich machendes Graffito erhalten. Hier sind Johanna (l.) und Pauline, beide Zwölftklässler am Grimmaer Gymnasium, bei der Arbeit. Quelle: Andreas Döring
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Grimma

Der Geruch von frischer Farbe lag am Dienstagnachmittag über dem Grimmaer Nicolaiplatz. Am Rondell neben den Bushaltestellen legte ein Jugendlicher nach dem anderen gezielt Hand an. Gewappnet mit Sprühdosen füllten sie Fläche für Fläche an dem verwaisten Rundgebäude, das einst einen Kiosk und eine öffentliche Toilette beherbergte und seine besten Zeiten längst hinter sich hat.

Eine kaputte Welt – Giftfässer, Müll, tote Fische

Wer jetzt auf den Bus wartet und seinen Blick auf das runde Häuschen wirft, soll zum Nachdenken angeregt werden. Im unteren Teil des Graffiti-Rundbildes, das dank vieler kreativer Köpfe und Hände entstanden ist, zeigt sich eine kaputte Welt: Giftfässer, ein Fluss voll toter Fische, ein Schrottauto, Müll, kranke Bäume. Von oben jedoch ranken sich grüne Pflanzen nach unten, fließt ein sauberer Fluss hinab. Es ist, als solle die kranke Landschaft von der gesunden Natur geschluckt werden. Dazu prangt ein großer Schriftzug mit vier markanten Worten: Du hast die Wahl!

Das runde Häuschen auf dem Grimmaer Nicolaiplatz wird ganz legal verschönert. Schüler vom Gymnasium legten unter Anleitung vom Dorf der Jugend mit Farbdosen los. Die Stadt unterstützte die Aktion und finanzierte die Farbe.

„Will der Mensch eine zugemüllte, dreckige oder eine schöne, grüne Welt. Das ist die Kernaussage des Bildes“, sagt Tobias Burdukat. Ein kleines Team seines Dorfes der Jugend hatte sich um das Bild und dessen Botschaft vorab Gedanken gemacht, im Plenum des Dorfes wurde es für gut befunden.

Idee zur Gestaltung des Nico ist schon älter

Genau genommen geht Burdokat mit der Idee zur Gestaltung des „Nico“ genannten Platzes schwanger, seit er in Grimma als Sozialarbeiter tätig ist. Der Platz sollte bunter und ansprechender werden. Immer und immer wieder sei das aber abgelehnt worden, erinnert er sich. 2014 durfte dann wenigstens der benachbarte Turm der Alten Feuerwehr bebildert werden. Das riesige, 20 Meter lange Bild auf alten Lasterplanen entstand in monatelanger Kleinarbeit im Dorf der Jugend und wurde zu guter Letzt an einem Holzgestell am Turm angebracht.

Unterstützung für Sprühaktion

In diesem Jahr ging nun aber alles ganz schnell. Beim Subbotnik im zeitigen Frühjahr kam Stadtrat Johannes Heine (Freie Wähler) und seinen Mitstreitern die Idee wieder in den Sinn. Er sprach Burdukat an und klärte mit der Rathausspitze die Genehmigungsfrage. Damit war der Weg frei. Heine ließ es sich auch nicht nehmen, die Sprühaktion zu unterstützen. Er stellte unter anderem Schutzhandschuhe und Leitern zur Verfügung.

Immerhin ragt das Rundgebäude drei Meter in die Höhe und liefert bei einem Umfang von 24 Metern eine Fläche von 72 Quadratmetern. „Die Größe haben wir unterschätzt“, gab Burdukat dann auch unumwunden zu. „Diese Dimension macht man sonst nicht beim Graffiti.“ Mit einer maßstabsgetreuen Skizze, zehnmal kleiner als das Rondell, gewannen die Macher die nötige Sicherheit und konnten die Zahl der Farbdosen besser berechnen. Gearbeitet wurde mit einem Zahlenbild. Das heißt: 60 Zahlen standen für Felder mit 60 verschiedenen Farben, die per Sprühdose auszufüllen waren.

Stadt finanzierte knapp 400 Farbdosen

Etliche junge Leute streiften sich einen Handschuh über und legten los. Viele ganz spontan. Etwa Schüler aus Gymnasium und Oberschule, die auf den Bus warteten. Auch Oberbürgermeister Matthias Berger ließ es zischen – mit rosa Farbe an zwei Buchstabenfeldern. Die Stadt hatte nicht nur grünes Licht für die Aktion gegeben, sondern finanzierte laut Burdukat die knapp 400 Farbdosen, von denen eine vier Euro kostet.

Burdukat: Offene Jugendarbeit im wahrsten Sinne des Wortes

„Das ist hier offene Jugendarbeit im wahrsten Sinne des Wortes“, freute sich Burdukat über das gelungene Projekt. Mit einigen anderen hatte er tags zuvor die mit weniger schönen Graffitis überzogene Fläche geweißt. Sinn und Zweck sei es ja, dass etwas gemeinsam entsteht. Johanna Bahr hat das eindringliche Motiv mit entworfen. „Das Besondere ist das Bild an sich“, meint die Zwölftklässlerin des Grimmaer Gymnasiums, die gerade in den Abiturprüfungen steckt. Es zeige den Kontrast der Welt, so die Kaditzscherin.

Auch das Kinder- und Jugendhaus „Come in“ brachte sich ein, versorgte die Teilnehmer zum Beispiel mit frisch gebackenen Waffeln. „Wir nutzen diese Plattform auch, um unsere Angebote vorzustellen“, so Leiter Stefan Kosiek.

Von Frank Prenzel

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