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Grimma Jugendträume in der Spitzenfabrik
Region Grimma Jugendträume in der Spitzenfabrik
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14:23 19.05.2015
Gedankenspiele über die Zukunft: Tobias Burdukat (r.) im Gespräch mit Christian Edelmann. Quelle: Thomas Kube

"Man braucht noch viel Fantasie, sich das vorzustellen, aber Jugendliche haben die Ideen dafür", sagt Tobias Burdukat, Grimmaer Stadtrat (Bürger für Grimma) und bei der Diakonie Leipziger Land zuständig für die Offene Jugendarbeit. Mit einem Drittel des Erlöses aus der diesjährigen Haus- und Straßensammlung der Diakonie vom 8. bis 17. Mai soll neben zwei weiteren Projekten in Marienberg und Zwickau der Weg in das "Dorf der Jugend" geebnet werden. Deshalb wurde die Spendensammlung für ganz Sachsen gestern auch in Grimma eröffnet. Deren Motto: "Ideen säen - Zukunft ernten".

Sigrid Winkler vom Diakonischen Werk der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche griff das Thema auf und erinnerte zugleich, dass Offene Jugendarbeit im ländlichen Raum nicht erst seit Haushaltkürzungen ein schwieriges Thema ist. "Jugendarbeit aber ist ein offener Prozess, damit der junge Mensch seine Persönlichkeit entwickeln kann. Das ist mit kurzfristigen Projekten nicht zu haben", mahnte sie Kontinuität an. Zumal gerade in der Phase, wenn Jugendliche die Welt entdecken, Träume haben und Grenzen testen, Erfüllung und Risiko eng beieinander lägen. "Und weil die Jugendzeit für das Erwachsenenleben prägend ist, setzt sich die Diakonie mit der Sammlung dafür ein, dass gerade im ländlichen Raum Jugendarbeit wieder als wichtige Zukunftsaufgabe verstanden wird." Der Vorstandsvorsitzende der Diakonie Leipziger Land, Christian Edelmann, sieht in dem Projekt darüber hinaus die Möglichkeit, das Zusammenleben zu befördern. Zum von der Wirtschaft schon bis ins Private ausstrahlende Konkurrenzdenken könnte das Dorf den Gegenentwurf bieten, "in dem sich Menschen mit unterschiedlichen Gaben gegenseitig stützen und das ausstrahlt in Stadt und Landkreis". Eine Idee, die auch Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) begrüßt. Er freute sich, dass der Eigentümer der Industriebrache - laut Burdukat eine Leipziger Baufirma - "Verständnis für soziale Projekte" habe, und versprach, dass die Stadt es ebenfalls unterstützen werde. Er warf als Erster einen Tausender in die Sammelbüchse.

Nach dem offiziellen Teil, den einige Jugendliche musikalisch umrahmten, erläuterte Burdukat bei einem Rundgang über das circa drei Hektar große Gelände mit dem vierstöckigen Produktionsgebäude von 1906, Kesselhaus und Verwaltungsgebäude mit Pferdestall erste Ideen zur Entwicklung des Areals. Im Produktionsgebäude könne man sich Skaterhalle und Veranstaltungsraum, darüber Werkstätten für Künstler, Klub- und Proberäume und unterm Dach ein Hostel vorstellen. Die Mulde vor der Haustür - und 2002 und 2013 im Erdgeschoss - bereitet Burdukat wenig Sorge. "Das Gebäude ist auf Säulen errichtet, schon damals wurde die Hochwassergefahr berücksichtigt, es gibt keine Risse", erklärt er. "Aber natürlich kommt in die unteren Räume nichts, was beschädigt werden könnte." Zuerst aber soll eine Genossenschaft gegründet werden, die auch berechtigt ist, einen Erbbaupachtvertrag über das Objekt abzuschließen. "Und dann werden wir uns unter anderen mit Handwerkern, Ingenieuren, Sozialarbeitern über Prioritäten unterhalten." Denn nicht nur eine Bauvoranfrage müsse gestellt und der Denkmalschutz ins Boot geholt werden, es gelte auch, Projekte voranzustellen, die neben Fördermitteln und Geldern aus Crowdfunding Einnahmen zur Finanzierung des Vorhaben bringen. In kleinen Projekten, die die Jugendlichen unter Anleitung von Fachleuten selbst in Arbeitseinsätzen realisieren können, will man das große Ziel schließlich umsetzen. "Wer bereit ist, sich in die Gemeinschaft einzubringen, ist dabei willkommen", sagt Burdukat.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 09.05.2015
Ines Alekowa

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