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Grimma Junge Streithelfer treffen sich in Belgershain
Region Grimma Junge Streithelfer treffen sich in Belgershain
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00:31 14.05.2018
An dieser Station kam es auf Teamarbeit an, damit der abwärts rollende Ball am Ende auch wirklich ins Ziel kommt. Quelle: Foto: Thomas Kube
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Belgershain

Zum gegenseitigen Austausch trafen sich am Mittwoch Erzieherinnen und Hortnerinnen sowie 40 Kinder aus dem Muldental im Belgershainer Schloss. Mit dieser Begegnung wollte der Kreisverband Leipziger Land/Muldental der Volkssolidarität (VS) ihr Engagement in Sachen Streitschlichtung würdigen – spielerisch und trotzdem mit Hintersinn.

Mediationsmodell: Kinder lösen Probleme selbst

Seit 2009 unterstützt der freie Träger das Mediationsmodell „Kinder lösen Konflikte selbst“. Das beginnt schon in der Kinderkrippe, wie Kathrin Walther, Leiterin der Köhraer VS-Kita „Märchenland“, erläuterte. „Unser Personal tritt für die Kleinen als Vorbild auf, wie Konflikte zu lösen sind. Später, im Kindergarten, bauen wir darauf auf. Ein Freundeprojekt dient dazu, Streitregeln zu besprechen; die Kinder erlernen beispielsweise, sich nicht zu schlagen, zu beschimpfen.“

Streithelferausbildung ab Grundschulalter

Im Grundschulalter beginnt die eigentliche Streithelferausbildung. „Dazu stellen wir eine Gruppe aus zehn Freiwilligen zusammen. Sie opfern viel von ihrer Freizeit“, sagte Ulrike Ruppert, Mediatorin im VS-Hort „Belgershainer Schloßgeister“. „Durch Spiele, die ihre Teamfähigkeit fördern, kommen sie sich näher. Sie lernen sich selbst zu reflektieren, sich auszudrücken, anderen zuzuhören und sie ausreden zu lassen, Schimpfwörter zu vermeiden.“ Auch Grenzen ihrer Möglichkeiten werden ihnen vermittelt, denn sie sollen nicht zwischen Fronten geraten, denen sie nicht gewachsen sind.

Stationsbetrieb zum Austesten

Beim Treffen im Schloss wurde dieser Entwicklungsprozess hin zum Streithelfer sichtbar. Vier Stationen durchliefen die Fünf- bis Neunjährigen aus den Einrichtungen von Belgershain und Köhra, aus der VS-Kita „Phantasie am Schwanenteich“ und dem VS-Hort „Riffpiraten“ aus Bad Lausick sowie aus den städtischen Grimmaer Kitas „Wilde Würmer“ und „Pfiffikus“.

In einem Raum ging es darum, Emotionen mittels eines Puzzles auszudrücken. Nebenan stellten die Kinder Gefühlsscheiben her, mit deren Zeigern sie anderen zu verstehen geben können, wie es ihnen gerade geht. Im Freien liefen Kooperationsspiele zur Förderung des Teamgeistes. Und schließlich galt es, einen von zwei Kindern gespielten Streit zu beobachten und darüber zu diskutieren, wie dieser aus dem Weg geräumt werden könnte.

Konfliktpotenzial nimmt zu

„Das Konfliktpotenzial zwischen Kindern nimmt gefühlt zu“, konstatierte Berit Naumann vom Fachbereich Bildung und Erziehung der VS. Eine Tendenz, die auch Kathrin Walther in ihrer Köhraer Tagesstätte beobachtet. „In vielen Familien, nicht allen, wird immer weniger geredet“, urteilte sie. „Und wo Sprache fehlt, müssen sich die Kinder körperlich ausdrücken. Sie schubsen sich gegenseitig weg.“

Die Hintergründe können aus Walthers Sicht sehr verschieden sein. „Manche Eltern parken ihre Kinder vorm Fernseher, Tablet oder Handy ab, dort sind sie der Sprache der Medien ausgesetzt“, kritisiert sie. „Andere Eltern bemühen sich enorm und wollen ihre Kinder jeden Tag bespaßen, weil sie denken, ihnen damit etwas Gutes zu tun. Auch dort fehlt aber die Kommunikation miteinander.“

Volkssolidarität begann Modellprojekt

Um auf diese allgemeingesellschaftliche Entwicklung reagieren zu können, bedurfte es zunächst der Ausbildung von Erziehern und Grundschullehrern. 2010 begann die Volkssolidarität, unterstützt vom Arbeitskreis Schulmediation Leipzig, ein zweijähriges Modellprojekt mit 15 eigenen und trägerfremden Einrichtungen, von denen jeweils zwei Mitarbeiter eine mehrtägige Grundlagenausbildung erhielten. Hinzu kamen unter anderem Teamschulungen, Elternabende, Familienbildungsnachmittage. „Ziel war es, die Kinderstreitschlichtung ganzheitlich zu verankern, und zwar langfristig, professionell und auf allen Ebenen, das heißt bei den Kindern, Erziehern, Lehrern und auch bei den Eltern“, rekapitulierte Berit Naumann. Inzwischen würden zehn Kitas und ein Hort der VS das Zertifikat „Bei uns lösen Kinder Konflikte selbst“ tragen, zwei weitere Einrichtungen wöllten das Projekt nächstes Jahr umsetzen.

Von Frank Pfeifer

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