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Junge Turmfalken kuscheln sich in Nerchauer Kirchturmsspitze aneinander

Ornithologen beobachten die Brutpaare im Muldental Junge Turmfalken kuscheln sich in Nerchauer Kirchturmsspitze aneinander

Zehn junge Turmfalken erblickten in der Kirchturmspitze in Nerchau das Licht der Welt. In dieser Woche wurde ein weiblicher Altvogel beringt. Die Jungvögel sollen in 14 Tagen beringt werden

Diese Turmfalkenküken sind erst wenige Tage alt.

Quelle: Thomas Kube

Grimma/Nerchau. Ein Extra-Fitness-Training braucht der 80-jährige Nerchauer Egon Güttner nicht, um in Form zu bleiben. Denn der rüstige Rentner ist in diesen Tagen wieder im Muldental unterwegs, um die fast 30 Nistkästen für Kleinvögel zu erklimmen. In dieser Woche kontrolliert er gemeinsam mit dem Ornithologen Bernd Holfter die in luftiger Höhe angebrachten Nistkästen für Turmfalken, Schleiereulen und Dohlen in der Nerchauer Kirche. Junge Turmfalken kuschelten sich in zwei Nistkästen im Nerchauer Kirchturm eng aneinander. Sie sind erst drei bis vier Tage alt, vermutlich vor wenigen Tagen geschlüpft. „Wie viele Schnäbel sind es“, fragt Bernd Holfter. Er zählte schließlich zweimal fünf. „Turmfalken nisten schon mehrere Jahre im Kirchturm“, sagt Egon Güttner, der gemeinsam mit dem 87-jährigen Wolfgang Siebert um das Wohl der Vogelwelt rings um Nerchau besorgt ist und die Nistkästen in Ordnung hält. „Wir mussten in diesem Jahr sieben von denen für Kleinvögel reparieren, da die Waschbären sich hier angesiedelt haben und diese zerstörten“, sagte er. Doch auf den Nerchauer Kirchturm kommt der Waschbär nicht. Dafür entdeckte Bernd Hofter in einem Turmfalkenkasten auch noch Überbleibsel von einem diesjährigen Dohlennest. Er erinnerte sich auch daran, dass im vorigen Jahr eine beringte Schleiereule aus Niedersachsen hier fünf Kleine groß zog, die leider im Februar in Wermsdorf als Winterofer tot aufgefunden wurde. Überhaupt ist der Kirchturm gut vermietet. In dem Gebälk haben sich Fledermäuse eingenistet. Wenn jedoch der Ornithologe Bernd Holfter aus Grimma erscheint, werden Wildvögel beringt. Davon erfuhren auch die Nerchauer Reiner Merz (66) und Dietmar Rosse (60). „Wir wollten einmal die Bewohner der Kirche aus der Nähe sehen“, sagten Beide. Dass wir Menschen so gute Einblicke ins Wohnzimmer der Turmfalken bekommen, ist immer etwas Besonderes“, ist Holfter überzeugt. Und genau deshalb ist die Beringung so spannend. Im Nerchauer Kirchturm konnte jedoch vorerst nur ein weiblicher Altfalke beringt werden. „Die Bruten sind noch zu klein. Das können wir erst in 14 Tagen tun“, so Bernd Holfter. Natürlich beringte er das weibliche Tier, ohne es zu verschrecken. Dafür ist der Ornithologe nach über 40 Jahren ehrenamtlicher Arbeit im Naturschutz Profi genug. Zudem habe er nach eigenem Bekunden 1977 an der Vogelwarte auf der Insel Hiddensee eine Prüfung als Beringer von wild lebenden Vögeln abgelegt. Und während der Fachmann zur Tat schritt, sahen sich die Teilnehmer der Beringung im Kirchturm um, der in den letzten Jahren wieder zugänglich gemacht worden war. Auf der gegenüber liegenden Seite befand sich der zweite Nistkasten mit fünf Jungen. Nicht so viel Glück hatte ein anderes Pärchen, dass ihre Eier im sogenannten Hochhaus, der Farbenfabrik Nerchau, abgelegt hatten. „Von den insgesamt sechs Eiern, waren drei taub, so dass nur drei Wollknäule das Licht der Welt erblickten“, sagte Holfter. Er führt das darauf zurück, dass der männliche Turmfalke zu jung war. „Je älter die Partner sind, um so besser klappt es“, erzählt er. „In diesem Jahr schlüpfen nicht so viele Turmfalken aus den Eiern. 2016 hatten wir 60 bis 70 Pärchen im ehemaligen Grimmaer Kreis“, sagt der Ornithologe. In diesem Jahr rechnet er mit 50 Pärchen. „Die Anzahl hängt vor allem vom Nahrungsangebot ab“, erzählt Bernd Holfter. Er selbst habe ca. 40 Brutpaare davon unter Kontrolle. „Turmfalken fliegen übrigens nicht so weit. Sie sind keine Zugvögel. Sie siedeln sich in der Nähe ihres Gebortsortes wieder an“, erklärt der Ornithologe. So habe in der Kirche Kleinbardau in diesem Jahr ein Pärchen fünf Junge ausgebrütet. Das Brutweibchen stammt aus Belgershain, wo es 2015 geboren wurde. Allerdings gibt es auch Ausnahmen von einzelnen Jungvögeln, die doch etwas weiter fliegen. So wurde ein beringter Turmfalke Oktober 2016 in Libyen gefunden, welcher vier Monate zuvor im Schloss Colditz aufgewachsen ist. Egon Güttner fügte noch hinzu , dass ein 2014 im Nerchauer Kirchturm geborener Turmfalke Ende 2016 in Frankreich in den Pyrenäen gefunden wurde, der durch einem Verkehrsunfall starb.

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In der Kirche in Nerchau befinden sich Nistkästen für Turmfalken. Diese wurden in diesem Jahr von zwei Turmfalkenpärchen belegt. Doch auch Schleiereulen und Dohlen wurden scho in Nerchau gesichtet.

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Von Cornelia Braun

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