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Kann ein Verein die Großküche in Mutzschen wieder wachküssen?

Brandschutz-Problem Kann ein Verein die Großküche in Mutzschen wieder wachküssen?

Jahrelang steppte der Bär in der Großküche in Mutzschen. Doch 2014 gingen aus Brandschutz-Gründen im Veranstaltungssaal für immer die Lichter aus. Jetzt schwebt die Idee im Raum, mit einem Verein die Großküche wieder wach zu küssen. Doch es gibt offene Fragen.

Beiseite gestellte Stühle, gähnende Leere. Kann ein Verein die Großküche in Mutzschen wieder als Eventhalle etablieren? Laut Stadt Grimma ist sie derzeit nicht brandschutzgerecht.

Quelle: Frank Prenzel

Grimma/Mutzschen. Jahrelang steppte der Bär in der Großküche in Mutzschen. Doch 2014 gingen aus Brandschutz-Gründen im Veranstaltungssaal für immer die Lichter aus. Jetzt schwebt die Idee im Raum, mit einem Verein die Großküche wieder wach zu küssen. Ortsvorsteher Carsten Graf weiß, dass dafür engagierte Mutzschener und Gewerbetreibende Gewehr bei Fuß stehen. Doch es gibt offene Fragen. Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) jedenfalls sichert seine Unterstützung zu.

„Wir wollen uns nicht streiten, sondern eine konstruktive Lösung“, beteuert Graf, der seit seinem Ausscheiden aus der Stadtverwaltung Grimma im Mai als Projektmanager der Vollack-Gruppe am Standort Radefeld arbeitet. Bei der Vergabe des Bürgermeister-Postens in Borna kam der 45-Jährige nicht zum Zuge. Dennoch wächst in Mutzschen Unverständnis, dass die Großküche im Tiefschlaf liegt und Grimma als Eigentümer für Investitionen in den Brandschutz kein Geld übrig hat. Denn jahrelang nahm am Zustand niemand Anstoß. Laut Graf wurden auch regelmäßig Brandverhütungsschauen vorgenommen, die letzte unter der damaligen Stadt Mutzschen im Jahr 2008. Diese Schauen seien alle vier Jahre vorgeschrieben, somit sei nach der Eingemeindung 2012 die Stadt Grimma am Zuge gewesen, sagt Graf.

Nach Angaben von Ordnungsamtsleiterin Katrin Werner gab es so eine Schau im Jahr 2013. Dabei seien verschiedene Mängel protokolliert worden. Diese Vor-Ort-Betrachtung war offenbar der Auslöser, um der Nutzung einen Riegel vorzuschieben. „Die größeren angemeldeten Veranstaltungen habe ich noch auf mein Risiko erlaubt“, sagt Berger. Die Feuerwehrleute hätten dabei Brandwache gestanden. Doch irgendwann war Schluss. „Ich habe mir das mehrfach angesehen“, so der Rathauschef. Vor allem die Holzbinder auf dem Dach seien ein Problem. Ein Abhängen mit Platten sei aus statischen Gründen nicht möglich. Berger möchte nicht wissen, was trotz vieler Fluchtrichtungen bei einem Brand passieren könnte. Bei einer Beratung im April dieses Jahres sei ein Brandschutzingenieur zu keinem anderen Entschluss gekommen als die Stadt, bekräftigt Hochbauamtsleiterin Ute Hoppe. „Ohne richtig Geld anzufassen, kriegt man die Großküche für öffentliche Veranstaltungen nicht genutzt“, sagt sie. Die Stadt lege bei Investitionen in Mutzschen den Schwerpunkt auf die Grundschule und Straßen, betont Berger zudem. „Wir können uns dort nicht alles leisten.“

Carsten Graf ist mit seinem Ortschaftsrat indes einer Meinung, dass die Großküche, deren etwa 400 Quadratmeter große Veranstaltungsfläche per Trennwand halbiert werden kann, auch für wenig Geld wieder flott gemacht werden kann. Die von Grimma avisierten 50 000 Euro seien nicht nötig. Statt zum Beispiel neue Türen für 10 000 Euro einzubauen, könne man die vorhandenen für 500 Euro brandschutzgerecht umbauen, habe ein vom Ortschaftsrat eingeholtes Angebot ergeben. Es stelle sich die Frage, was zwingend zur Betreibung des Eventraumes notwendig ist, so Graf.

Ein Verein sei in der Lage, über das Leader-Programm Fördermittel für ein multikulturelles Zentrum wie die Großküche zu generieren, sagt der Ortschef. Mutzschen gehöre zum Fördergebiet Sächsisches Zweistromland-Ostelbien, „so lange es noch Geld gibt, müssen wir diese Entscheidung zügig treffen“. Laut Graf beträgt die Förderquote 75 Prozent, begrenzt auf 150 000 Euro. Bei voller Ausschöpfung seien also für Investitionen 200 000 drin. „Wir wollen das hinkriegen.“

Engagierte Leute stünden bereit, den Verein zu gründen, um das kulturelle Leben in Mutzschen wieder zu beleben, sagt Graf. Voraussetzung sei aber, dass der Verein Eigentümer der Großküche wird. „Dann können wir aktiv werden.“ Bei einer Erbpacht müsste Grimma den Antrag bei Leader stellen und die Eigenmittel aufbringen, gibt Graf zu bedenken. Aus seiner Sicht funktioniert das nicht.

„Wenn ein Verein die Verantwortung übernimmt, werden wir alles tun, ihn zu unterstützen“, bekräftigt Oberbürgermeister Berger. „Der Stadtrat wird das mittragen“, ist er sich bezüglich einer Übertragung des Eigentums sicher. Die setzte aber ein aufwendiges Verfahren voraus, gibt Berger zu verstehen. Denn die Großküche ist mit dem Feuerwehrdomizil verknüpft, das zu Grafs Bürgermeister-Zeiten angebaut wurde und auch Teile der einstigen Großküche belegt. Die Trennung des Eigentums sei kompliziert und koste auch ein paar Euro, sagt Berger. Auch bei der den Stadtwerken gehörenden Solaranlage auf dem Dach müsse überlegt werden, „wie man damit umgeht“.

Bereits in ihrem ersten Jahr, 2009, habe die Solaranlage 15 000 Euro Gewinn abgeworfen,sagt Ortsvorsteher Graf. Die Summe all der Jahre hätte sich gut für Investitionen geeignet. „Wir wollen einen Raum zum Feiern, dafür hat die Ausstattung Jahrzehnte gereicht“, bekräftigt Graf auch mit Blick auf die fehlende Heizung. „Für uns ist die Großküche wie ein massives Festzelt.“

Aus der Historie

Wenn es um die Großküche in Mutzschen geht, kann der frühere Bürgermeister und jetzige Ortsvorsteher Carsten Graf die Eckdaten aus dem Effeff herbeten. Das Bauwerk sei als multikulturelles Zentrum in der Kleinstadt geschaffen worden, mit Standortbeschluss des Ministerrates der DDR, erzählt Graf. Mit viel Mühe und Eigenleistung durch Firmen der Region wurde es errichtet und zur 900-Jahr-Feier von Mutzschen im Jahr 1981 eingeweiht. „Es war eine richtige Großküche“, so Graf. Sie hat die Betriebe in und um Mutzschen versorgt, mittags kamen die Schüler zum Essen. Und sie wurde für alle möglichen Veranstaltungen genutzt: Konzerte, Sport- und Feuerwehrbälle, Kulturevents, Schulanfang... Auch nach dem Mauerfall und der Deutschen Einheit blieb die Großküche zunächst in kommunaler Hand - bis 1997. Dann erwarb der Dachdecker-Unternehmer Peter-Michael Elsner die Großküche und investierte laut Graf sogar in Fenster und Türen. Doch noch im selben Jahr habe er Insolvenz anmelden müssen, erzählt der ehrenamtliche Ortsvorsteher. Das 75. Jubiläum des Spielmannszuges Mutzschen sei 1997 die zunächst letzte große Veranstaltung gewesen. Auch in der Großküche gingen die Lichter aus. Bezeichnet wird das Gebäude indes noch heute so.

2003 wurde Graf in Mutzschen zum Bürgermeister gewählt. „Wir strikten Konzepte im Stadtrat“, berichtet der 45-Jährige. Von der Bank, die die Großküche offenbar aus der Insolvenzmasse erworben hatte, kaufte Mutzschen die Immobilie für 50 000 Euro zurück. Dank Förderung aus dem Stadtentwicklungsprogramm zahlte die Stadt selbst nur 11 000 Euro. Über die Leader-Förderung wurde eine Planung erarbeitet, mit der zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen wurden. Die Feuerwehr bekam mit der Großküche verknüpft ein neues Gerätehaus, im alten Bestand wurden Umkleide, Duschen, Küche und Schulungsräume der Wehr untergebracht. „So hatten wir eine Feuerwehr mit angeschlossenem Kulturraum“, erinnert sich Graf an die Wiederinbetriebnahme. Die Einweihung am 4. Oktober 2008 wurde mit einem Feuerwehrball gefeiert. Bis zur Eingemeindung 2012 wurde der Eventraum laut Graf für „alle möglichen Veranstaltungen genutzt“ und auch für Familienfeieren vermietet. Unter Ägide der Stadt Grimma wurde festgestellt, dass die Halle nicht dem Brandschutz genügt. Die bislang allerletzte, durch die Feuerwehr abgesicherte Veranstaltung war laut Graf der Schulanfang 2015.

 

Von Frank Prenzel

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