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Kantor Espen Melbö verlässt Naunhof

Abschied mit Wehmut Kantor Espen Melbö verlässt Naunhof

Wer in Naunhof momentan über Kirchenmusik spricht, verwendet eher Moll- als Dur-Töne. Kantor Espen Melbö verlässt die Stadt, was seine Fans traurig stimmt. Es geht ein Mann, der Akzente setzte, an der Orgel und im persönlichen Miteinander. Am Sonntag wird er offiziell verabschiedet. Den Draht zu Naunhof lässt er aber nicht ganz abreißen.

Gepackte Kartons: Naunhofs Kantor Espen Melbö war diese Woche im Umzugsstress. Am Sonntag wird er offiziell verabschiedet.

Quelle: Andreas Döring

Naunhof. Wer in Naunhof momentan über Kirchenmusik spricht, verwendet eher Moll- als Dur-Töne. Kantor Espen Melbö verlässt die Stadt, was seine Fans – und davon gibt es viele – traurig stimmt. Es geht ein Mann, der Akzente setzte, an der Orgel und im persönlichen Miteinander. Am Sonntag wird er offiziell verabschiedet. Den Draht zu Naunhof lässt er aber nicht ganz abreißen, denn er sieht dort noch Verpflichtungen.

„Wir bedauern, dass er uns verlässt, denn er ist uns sehr ans Herz gewachsen“, sagt Pfarrer Norbert George. „Wir wussten zwar, er würde nicht für immer bei uns bleiben. Aber dass er uns seinen Schritt jetzt so plötzlich mitteilte, hat uns dann doch überrascht.“

Die Entscheidung fiel Espen Melbö nicht leicht, sie hatte unter anderem finanzielle Gründe. In Naunhof konnte ihm nur eine 50-prozentige Stelle geboten werden. Mehr ließ sich nicht finanzieren, da die Landeskirche ihre Zuschüsse nach der Zahl der Gemeindemitglieder vergibt. Zwar besserte der Kantor seinen Lohn zwischenzeitlich über eine weitere 50-Prozent-Stelle an der Stadtkirche Naumburg auf; doch diese endete 2015.

Kurz danach wurde Melbös Sohn Adrian geboren. Und der Vater suchte eine sichere Grundlage für die Ernährung seiner Familie. Sie fand er in seinem Heimatland Norwegen, in das der 34-Jährige nun zurückkehrt. Die Kleinstadt Larvik, zwei Autostunden südlich von Oslo an einem Fjord gelegen, ist sein Ziel. Dort beginnt am 1. März in der Hauptkirche seine Vollanstellung, er wird aber auch in anderen Gotteshäusern der Stadt Orgel spielen. Seine Frau Gunda kommt mit, hat die Sprache schon bestens drauf und rechnet sich gute Chancen aus, als Deutsch-, Französisch- oder Musiklehrerin einen Job zu finden.

Ohne sie hätte es Melbö möglicherweise nie nach Naunhof verschlagen. Ab 2006 wollte er für nur sechs Monate an der Musikhochschule Leipzig studieren. Dann aber lernte er die Frau seines Lebens kennen, blieb hängen und verlängerte das Studium auf sieben Jahre. Noch vor dem Ablauf sah er die Ausschreibung, dass Naunhof einen neuen Kantor sucht. Er bewarb sich, wurde unter sechs Bewerbern ausgewählt und trat im Januar 2012 seine erste feste Stelle an.

Und wie! Manche Musiker meinen, so wie er hätte in Naunhof noch nie jemand die Ladegast-Orgel gespielt. Auch Pfarrer George ist voll des Lobes: „Seine Orgelkonzerte waren absolut großartig“, urteilt er und schiebt nach: „Ach was sage ich da, sie sind es noch.“ Espen Melbö wird Naunhof nämlich vorerst nicht ganz den Rücken kehren. Der junge Kantor will noch einige Abendmusiken geben, für die er im diesjährigen Konzertplan steht. Und er wird die Bach-Reihe fortsetzen, die auf alle Fälle in Erinnerung bleiben wird.

Im Dezember 2014 hatte Melbö begonnen, in monatlichen Konzerten sämtliche Orgel-Werke des berühmten Barock-Komponisten zu spielen – jeweils mit einer kurzen Einleitung zu den Stücken. Von den insgesamt 1140 Minuten, die da zusammenkommen, hat er gut zwei Drittel absolviert. Wenn er jetzt abbricht, müsste er in Norwegen von vorn beginnen. Deshalb hat er sich vorgenommen, alle zwei Monate Naunhof zu besuchen und die Reihe abzuschließen. Sie endet dann eben nicht, wie ursprünglich geplant, im November, sondern erst im Sommer 2018. „Das ist verrückt“, gibt der Kirchenmusiker zu. Aber die Besucher der Reihe, und das waren viel mehr als erwartet, werden es ihm sicherlich danken.

Es ist das Miteinander, das es dem Kantor neben allen beruflichen Erfahrung



Pfarrer George schlägt indessen schon wieder erste Dur-Töne an. Er zeigt sich zuversichtlich, jemanden zu finden, der die gute Qualität der Kirchenmusik in der Stadt fortführt. Die Ausschreibung der Stelle wird nach seinen Worten bald sachsenweit veröffentlicht. „Dann finden sich hoffentlich mehrere Bewerber, die vorspielen müssen und aus denen wir auswählen können“, nennt er das weitere Prozedere und äußert einen großen Wunsch: „Ideal wäre eine eigene Stiftung für die Kirchenmusik, die etwas Geld zuschießen könnte für einen exzellenten Kantor.“

Abschiedsgottesdienst der Kirchgemeinden Naunhof, Klinga und Erdmannshain für Espen Melbö am morgigen Sonntag ab 14 Uhr, in der Stadtkirche Naunhof; im Anschluss Grußstunde und Kaffeetrinken im Pfarrhaus

Von Frank Pfeifer

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