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Grimma Kantor steigt mit der Gießkanne in die Orgel
Region Grimma Kantor steigt mit der Gießkanne in die Orgel
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17:35 05.09.2018
Grimmas Kantor Tobias Nicolaus muss seit August zur Gießkanne greifen und damit den Boden der Eule-Orgel in der Frauenkirche benetzen. Die Trockenheit dieses Sommers setzt dem Instrument zu. Quelle: Frank Prenzel
Grimma

Seit der Rückkehr aus dem Urlaub Mitte August steigt Grimmas Kantor Tobias Nicolaus Tag für Tag mit einer Gießkanne die Treppen zur Orgelempore hinauf. Er will dort keine Blumen gießen, sondern benetzt mit dem Wasser regelmäßig den Holzboden zwischen den Orgelpfeifen. Der heiße, trockene Sommer stresst nicht nur die Natur, er setzt auch dem großen Instrument in der Frauenkirche zu.

„Wir haben weniger Luftfeuchtigkeit in der Kirche, so dass sich das Holz der Orgel zusammen zieht“, erklärt der 51-jährige Kantor. Mit Gießkanne und täglichem Wischen im Gotteshaus wird die Raumluft befeuchtet – ein Versuch des Gegensteuerns. Nicolaus weiß, dass viele Kirchgemeinden derzeit ähnliche Probleme mit der Orgel haben.

Luft aus dem Blasebalg verfliegt in den Ritzen

Denn wenn das Holz am königlichen Instrument schwindet, kann der vom Blasebalg ausgesandte Orgelwind auf seinem Weg zu den Pfeifen verloren gehen. „Bei zu lautem und vollgriffigem Spiel bricht dann der Klang zusammen“, weiß Nicolaus aus Erfahrung, undichte Stellen führten zu einem störanfälligen Betrieb. Um den am Sonnabend beginnenden Orgelherbst in der Fauenkirche nicht zu beeinträchtigen, hat der Kantor deshalb den Holzhausener Orgelbauer Stefan Pilz kommen lassen. Der knöpfte sich das Instrument, das über 31 Register und 1800 Pfeifen verfügt, in den letzten Tagen vor. „Der Orgelbauer muss alles dicht kriegen“, so Nicolaus. So verklebe der Fachmann die Risse mit Leder, kontrolliere Schrauben und Technik, wechsele eventuell schadhafte Teile aus. Zur einwöchigen Konzertreihe soll die vor 90 Jahren eingebaute Orgel in gewohnter Schönheit und Kraft erklingen.

Generalsanierung der Eule-Orgel steht an

In Grimmas Frauenkirche steht ein Instrument der 1872 gegründeten Firma Hermann Eule Orgelbau, das Traditionsunternehmen ist noch heute in Bautzen ansässig. „1994 war die letzte große Generalreinigung unserer Eule-Orgel“, erläutert Kantor Nicolaus. „Mittelfristig müssen wir schauen, sie zu sanieren.“ Eine Generalreinigung sei alle 20 Jahre und eine Generalsanierung alle 40 Jahre notwendig.

Mit dem Orgelherbst, der ab Sonnabend seine vierte Auflage erlebt, möchte Nicolaus das Instrument in den Blickpunkt rücken und für ein kleines Festival-Gefühl sorgen. Das Programm bietet etwas fürs Ohr und Auge.

Das Programm in der Frauenkirche

Eröffnungskonzert am Sonnabend, 8. September, 17 Uhr: Martin Strohhäcker (Orgel), das Leipziger Symphonieorchester und die Kantorei der Frauenkirche bieten unter Leitung von Kantor Tobias Nicolaus die Symphonie für Orgel und Orchester von Alexandre Cuilmant und die Messe Solennelle von Louis Vierne.

„Orgel und Film“ am Dienstag, 11. September, 19.30 Uhr: Gezeigt wird der Stummfilm „Nathan, der Weise“ von Manfred Noa, gepaart mit Orgelimprovisationen von Prof. Wolfgang Seifen.

„Orgel und Tanz“ am Freitag, 14. September, 19.30 Uhr: Zu Orgelstücken von Kantor Tobias Nicolaus tanzen Ilka Demmler und Dana Reichmann durch die Kirche.

Abschlusskonzert am Sonnabend, 15. September, 17 Uhr: Unter Leitung von Tobias Nicolaus ist von Stefan Nusser (Orgel) und dem Motettenchor Leipzig das Requiem von Maurice Duruflé zu hören.

Französische Musik zur Eröffnung

Zum Eröffnungskonzert am 8. September, 17 Uhr, hat der Kantor ein französisches Programm heraus gesucht. Es erklingen die Symphonie für Orgel und Orchester von Alexandre Guilmant und die Messe Solennelle von Louis Vierne. Unter Leitung von Tobias Nicolaus wird der Dresdner Organist Martin Strohhäcker mit dem Leipziger Symphonieorchester das Werk ins Gotteshaus tragen. „Es ist ein schönes, majestätisches Stück“, freut sich der Kantor auf die Aufführung. Bei der Messe tritt die Kantorei der Frauenkirche auf.

„Orgel und Film“ heißt es dann am Dienstag, 11. September, ab 19.30 Uhr. Über eine Leinwand flimmert der in den 1920er-Jahren gedrehte Stummfilm „Nathan der Weise“, zu dem der international agierende Wolfgang Seifen Orgelimprovisationen liefert. In seinem Fach „ist er für mich in Deutschland der Beste“, verspricht Nicolaus einen musikalischen Genuss.

Orgel und Tanz neu im Konzert

Ein neues Element bietet der Kantor mit „Orgel und Tanz“ am Freitag, 14. September, ab 19.30 Uhr. Mit Ilka Demmler und Dana Reichmann hat er sich zwei Profi-Tänzerinnen aus Leipzig eingeladen, die während seines Orgelspiels Ausdruckstanz darbieten. Das Abschlusskonzert am 15. September, 17 Uhr, schlägt den Bogen zum Auftakt, wenn mit dem Requiem von Maurice Duruflé wieder ein französischer Komponist zu hören ist. Der Dessauer Organist Stefan Nusser tritt hier mit dem Leipziger Motettenchor auf. „Es ist ein ausgesprochen klangschönes Stück“, sagt der Kantor. Die zwei jungen Solisten des Abends seien unter seiner Chorarbeit groß geworden.

„Der Orgelherbst ist ein Geschenk an Grimma, nun muss es Grimma nur noch auspacken“, hofft Nicolaus auf gut besetzte Stuhlreihen.

Von Frank Prenzel

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