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Kantoreitag: Klangfülle unterm Kreuzgewölbe

Kantoreitag: Klangfülle unterm Kreuzgewölbe

So viele Sängerinnen und Sänger auf einmal hat der Wurzener Mariendom noch nie gesehen: Rund 370 zwischen 14 und 80 vereinen am Sonntagnachmittag bei einem festlichen Konzert zum Kantoreitag ihre Stimmen zu einem gewaltigen Chor, um Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy, Franz Schubert und Franz Liszt zu Gehör zu bringen.

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Der Wurzener Dom vor einem außergewöhnlichen Konzert: Am Sonntag vereinen hier beim Kantoreitag 370 Sänger und Sängerinnen ihre Stimmen.

Quelle: Andreas Röse

Wurzen. „Das hat meine kühnsten Erwartungen übertroffen", sagt Kirchenmusikdirektor (KMD) Johannes Dickert.

Es ist nicht der erste Kantoreitag, der in Wurzen stattfindet", erinnert Dickert an 2005, „aber nach der letzten Strukturreform der erste für den Kirchenbezirk Leipziger Land", erklärt er die Dimension. Bei der letzten der in unregelmäßigen Abständen stattfindenden Veranstaltung im Jahr 2009, als bereits Grimma und Wurzen eine Einheit bildeten, hatte er in der Grimmaer Frauenkirche „nur" 130 Sänger gezählt. Es ist der Blick über den Tellerrand, der die Teilnahme am Kantoreitag so attraktiv macht, und auch die größere öffentliche Anerkennung für die Sänger, die „immer treu ihren Dienst tun", meint der KMD. „Besonders die kleinen Chöre erleben hier: Wir sind nicht allein." Und natürlich erhalte man auch Anregungen für den eigenen Chor-Alltag. „Wir" – und damit meint Dickert seine Kantorenkollegen und sich – „haben bewusst ein Werk mit ins Programm genommen, das auch ein kleiner Chor bei sich Zuhause aufführen kann." Konkret ist dies die „Deutsche Messe" von Schubert. „Deren Aufführung schwebte mir schon lange vor", freut sich Dickert, dass es nun endlich klappt. Die Messe habe eine sehr variable Besetzung und könne auch in der Minimalvariante – einstimmiger Chor und Orgel – aufgeführt werden. Als Pendant enthalte das Programm aber ebenso ein Werk, das erst im vielstimmigen Verbund seine Klangfülle entfaltet: Liszts „Nun danket alle Gott" – für Chor, Orgel (Reinhard Peldszus, Wurzen/Trebsen) und den vollen Bläsersatz, den am Sonntag das „Musica Juventa Bläsercollegium Halle" einbringt. „Das wird mit Sicherheit ein Werk sein, das Sänger und Zuhörer gleichermaßen begeistert", ist der KMD überzeugt, auch weil das kirchenmusikalische Schaffen Liszts oft im Schatten seiner Klavierwerke steht. „Schön, dass wir damit auch etwas ,Exotisches‘ präsentieren können", schmunzelt er.

Zwar haben manche Chöre sicher schon zu Jahresbeginn das erste Mal auf die Noten geschaut, aber am Sonntag steht nur eine gemeinsame Probe zur Verfügung, um alle unter einen Hut zu bringen. Der Kirchenmusikdirektor, der sich mit seinem Bornaer Kollegen KMD Bernhard Müller am Sonntag den Dirigentenstab teilt, zeigt sich aber optimistisch, dass trotzdem alles klappt. „Ich gehe davon aus, dass die Chöre gut vorbereitet sind. Und außerdem bietet der Dom ausgezeichnete akustische Bedingungen, sodass die Sänger auch einander gut hören." Zwischen Probe und dem 17 Uhr beginnenden Konzert (Eintritt ist frei) soll sogar Zeit für ein gemeinsames Kaffeetrinken „zum Benetzen der ausgedörrten Sängerkehlen" bleiben, wofür die Wenceslaikirche mal ganz anders, nämlich mit Bierzeltgarnituren, möbiliert wird. Das sei angesichts der Sängerzahl schon eine organisatorische Herausforderung, räumt Dickert ein. „Aber Anliegen des Kantoreitages ist es ja auch, dass sich Menschen begegnen und Erfahrungen austauschen."

Im Übrigen sollen auch die Sänger zwischendurch Gelegenheit haben, Musik einfach zu genießen, dann nämlich wenn Tobias Nicolaus (Grimma) an der Orgel eine Sonate von Mendelssohn Bartholdy und „Fünf Orgelvorspiele" von Carl Piutti – auch er selten gespielt – darbietet. Dass Mendelssohn Bartholdy auch noch – und das gleich zum Auftakt – mit einem Ausschnitt aus dem Paulus-Oratorium vertreten ist, ist kein Zufall. Der Romantiker gehört zu Johannes Dickerts Lieblingskomponisten, schätzt er doch dessen ausgefeilt strukturierte Musik. „Da geht echt was ab!"

Ines Alekowa

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