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Katholischer Pfarrer verlässt Grimma

Katholischer Pfarrer verlässt Grimma


Grimma. Ende Juli verlässt Grimmas katholischer Pfarrer Bosco Marschner die Region. Er hatte kurz nach dem Hochwasser von 2002 die hiesige Pfarrei St.

. Trinitatis übernommen und wechselt nun nach Zittau. „Bei uns ist es üblich, etwa alle zehn Jahre zu wechseln", sagt der schlanke 44-Jährige.

Und wenn vom Bischof der Wunsch nach einem Wechsel kommt, dann ist es für einen katholischen Pfarrer naturgemäß schwierig, Argumente dagegen zu finden. Jedenfalls hat er keine Familie, mit der er in einer Region fest verwurzelt wäre. Bosco Marschner sollte schon vor drei Jahren wechseln, damals sagte er nein, was akzeptiert wurde. Jetzt kam das Angebot für die Pfarrstelle in Zittau, das er nicht ausschlug, kommt er damit doch der Oberlausitzer Heimat seiner Kindheit, seiner Mutter und seinen Geschwistern näher. Die leben in Schirgiswalde bei Bautzen.

Die St. Trinitatis Gemeinde Grimma, zu der auch Naunhof und Beucha gehören, war Marschners erste reguläre Pfarrstelle. Zuvor war er jeweils zweieinhalb bis drei Jahre Kaplan in Plauen, Bautzen und in Cottbus. Nach dem Theologiestudium, das Bosco Marschner 1987 begonnen hatte, entschied er sich nicht gleich für den Dienst in der Kirche. Er ging zunächst für anderthalb Jahre nach Prag, wo er an Schulen Deutsch lehrte. Er nutzte die Zeit zur eigenen Orientierung, um sich die Frage zu beantworten, ob er sich ganz in den Dienst der Kirche stellen möchte, ober er im Zölibat und ohne Familie leben will. Fragen, die zu DDR-Zeiten kaum gestanden hätten, damals führte das Theologiestudium fast zwangsläufig zum Pfarrerberuf. Nach der Wende war das anders, und Marschner sagt heute: „Es war mir wichtig, frei entscheiden zu können, mir sagen zu können: Du musst das nicht machen, aber es ist ein Weg, auf dem man glücklich werden kann." Er habe es nicht bereut.

Und so folgt er auch jetzt dem Ruf seiner Kirche und setzt die Wanderschaft fort. Wohl wissend, dass Jesus mehrmals darauf hingewiesen hat, dass der Mensch unterwegs ist auf dem Weg zur eigentlichen Heimat im Himmel. Was nicht ausschließt, dass der Abschied von Grimma auch schwerfällt. Vor allem von den Menschen, die er 2002 kurz nach dem Hochwasser in schweren Stunden kennen gelernt hatte, zu denen ein Vertrauen besteht, „das woanders erst aufgebaut werden muss." Abschied auch von einer aktiven Gemeinde, die jeden Sonntag die Kirche in der Nicolaistraße füllte, von Kindern und Jugendlichen, mit denen er viel unternahm und von denen er einige an seinen Sport, das Klettern, herangeführt hat. „Ich werde sie ins Zittauer Gebirge einladen", sagt Bosco Marschner, der sich auch wegen der dortigen Berge und Felsen auf die neue Gemeinde freut.

Unter den Sachen, die er jetzt langsam verpackt, ist auch ein riesiger Schuh. Ein Geschenk zu seiner Priesterweihe zum Zeichen der fortwährenden Wanderschaft. Vorn drauf geben die griechischen Anfangsbuchstaben für Jesus das Ziel vor, hinten steht sein Name, für die Spur, die er hinterlässt. Auf die Sohle schreibt er die Stationen seines Wirkens. Da steht jetzt auch Grimma.

André Neumann

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