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Keine Hindernisse mehr für Neubau eines Frischemarktes in Wurzen

Parlamentsbeschluss Keine Hindernisse mehr für Neubau eines Frischemarktes in Wurzen

Wann der Bau eines Frischemarktes des Rewe-Handelskonzerns an der Dresdener Straße in Wurzen beginnt, weiß die Stadtverwaltung momentan nicht zu sagen. Hindernisse jedenfalls gibt es keine mehr. Vom Verwaltungsgebäude des ehemaligen Drahtseilwerkes bleibt lediglich der Schriftzug erhalten.

Lediglich der Schriftzug „Drahtseilwerk Wurzen“ bleibt erhalten und ziert künftig eine Mauer an der Bundesstraße 6. Das Backsteinhaus hingegen fällt der Abrissbirne zum Opfer.

Quelle: Thomas Kube

Wurzen. Am 30. Mai 2012 fühlten Expansionsgebietsleiter Ulli Seyfarth und Investor Klaus Landau erstmals im Technischen Ausschuss des Stadtrates vor. Zunächst hinter verschlossenen Türen und mit einer Botschaft, die allein für die Ohren der Mandatsträger bestimmt war. Vier Monate später, aber im gleichen Jahr, ging es dann fürs Duo auf Promotiontour – zur Händlerschaft der Innenstadt. Immerhin galt es ein Projekt des Handelskonzerns Rewe Group appetitlich zu machen, dass in Kommunen mit dichtem Discounternetz nur allzu oft für Diskussionen sorgt. Nämlich der Bau eines Lebensmittelmarktes auf dem Areal Dresdener Straße 59.

Dreieinhalb Jahre später ebnete nunmehr das Parlament in seiner letzten Sitzung 2015 den Weg zum Spatenstich und verabschiedete ohne Gegenstimme oder Enthaltung die „Satzung zum vorhabenbezogenen Bebauungsplan“, wie es im Amtsdeutsch heißt. Doch zuvor galt es für die Volksvertreter, erst einmal die Hinweise der Träger öffentlicher Belange, also von Behörden und Institutionen, sowie von den Anwohnern des künftigen Standortes abzuwägen.

Anhand der Antworten darauf skizzierte die Verwaltung bereits ein detailliertes Bild des künftigen Objektes. Demnach verschwindet der heutige Anblick in Gänze. Das Backsteingebäude, einst Verwaltungssitz des volkseigenen Betriebes Drahtseilwerk Wurzen, fällt dem Abrissbagger zum Opfer – bis auf den blauen Schriftzug „Drahtseilwerk Wurzen“ am Haus. Dieser soll später, so Stadtplaner Carl Rößler, in Absprache mit dem Denkmalschutz eine „neu zu errichtende Mauer“ an der Dresdener Straße zieren. Die Parkplätze entstehen vor dem eigentlichen Rewe-Frischemarkt, der eingerückt mit der Frontseite zur Bundesstraße 6 hochgezogen wird, sowie parallel zur Rosa-Luxemburg-Straße, der Einfahrtsschneise. Ein mindestens siebzig Meter langer Grünstreifen, bepflanzt mit Flachwurzlern, begrenzt das Terrain. Die maximale Gebäudehöhe beträgt den Unterlagen zufolge 8,50 Meter, die maximale Verkaufsfläche 1650 Quadratmeter. Darin integriert ist ein Backshop mit einer festgesetzten Größe von 75 Quadratmetern.

Zum Verkehr heißt es: „Die derzeitige Planung sieht eine Neugestaltung der Einmündung Rosa-Luxemburg-Straße vor. Die vorhandene Fahrbahnbreite liegt im Einmündungsbereich bei etwa 7,40 Meter mit zwei Fahrspuren.“ Angedacht sei, die Zufahrt auf drei Spuren zu verbreitern, um ein besseres Abbiegen zu gewährleisten und Rückstau zu vermeiden. Der Fahrzeugstrom würden von der Rosa-Luxemburg-Straße über die Dr.-Rudolf-Friedrichs-Straße und über die Dresdener Straße verteilt.

Besonderes Augenmerk schenkte das Stadthaus, wie Oberbürgermeister Jörg Röglin (parteilos) extra anmerkte, den Befürchtungen der Anwohner. Eigens hierfür fertigte die AKIB GmbH, Ingenieurbüro für Bauplanung und Bauphysik in Leipzig, eine Schallimmissionsprognose an – für den Zufahrtsverkehr, die lüftungstechnischen Anlagen, den Liefer- und Parkplatzverkehr sowie für die Geräuschkulisse durch Einkaufswagen. In Folge der Expertise legte die Verwaltung unter anderem fest: Die Anlieferung mit bis zu vier Lkw für den Rewe-Markt und ein Lkw für den Backshop erfolgt nur im Tageszeitraum bis 22 Uhr, „innerhalb der Ruhezeiten mit maximal drei Lkw“. Darüber hinaus müssen die Fahrbahnen des Parkplatzes asphaltiert werden und Einkaufswagen „in lärmarmer Ausführung“ zum Einsatz kommen. Überdies wechselt der Glascontainer-Standort am heutigen Straßenrand auf den Parkplatz.

Ob bereits im Frühjahr 2016 die Abbrucharbeiten beginnen und der Markt dann im Herbst vielleicht öffnet, konnte in der Stadtverwaltung niemand sagen. „Wann es losgeht, ist jetzt Sache des Investors und Grundstückseigentümers. Das Parlament jedenfalls hat den Weg geebnet“, ließ Stadtsprecherin Cornelia Hanspach auf Nachfrage bei Oberbürgermeister Röglin wissen.

Geschichte des Drahtseilwerkes Wurzen

Am Standort Dresdener Straße 59 befindet sich das Drahtseilwerk seit 1889. Zuvor gehörte das Gelände zur Metallwarenfabrik August Söhlmann, die dort zwei Jahre lang Aluminiumtapeten produzierten. 1903 beschäftigte die Drahtseilfabrik und Riemenweberei von August Wilhelm Kaniss (1847 – 1927) etwa 90 Mitarbeiter. Der Firmengründer übertrug 1907 das Unternehmen an Sohn Ernst Ludwig Wilhelm. Das Werk stellte unter anderem ab 1934 Steuerseile für Flugzeuge her, Katapultseile für Flugzeugträger sowie Verspannungsseile für Luftschiffe und galt nach dem Zweiten Weltkrieg als Rüstungsbetrieb. Daher wurde das Unternehmen 1946 bis 1948 als einziger Betrieb in Wurzen von sowjetischen Offizieren als Sowjetische Aktiengesellschaft geführt. Danach volkseigen mit 273 Beschäftigten (1954) entstand 1966 eine neue Seilerei in der Rosa-Luxemburg-Straße. Drei Jahre später (1969) wurde das Drahtseilwerk Wurzen dem VEB Draht- und Seilwerk Rothenburg bei Halle/Saale als Zweigbetrieb zugeordnet. 1991 musste bereits ein Großteil der Belegschaft gekündigt werden. Im Februar 1992 erfolgte schließlich der Verkauf an die Westfälische Drahtindustrie Hamm. Mit Kurzarbeit hielt der neue Eigentümer die Produktionsstätte notdürftig bis 1997 aufrecht.

Von Kai-Uwe Brandt

Wurzen Dresdener Straße 59 51.3656491 12.7471081
Wurzen Dresdener Straße 59
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