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Kerstin Rothenberger begleitet Menschen auf dem letzten Weg

Diakonie Leipziger Land in Grimma Kerstin Rothenberger begleitet Menschen auf dem letzten Weg

Der letzte Weg eines Menschen will menschenwürdig begleitet sein. Der Hospiz- und Palliativdienst der Diakonie Leipziger Land kümmert sich um Schwerstkranke. Es fehlt an ehrenamtlichen Helfern für diese nicht ganz einfache Arbeit. Kerstin Rothenburger, „dem Tod selbst von der Schippe gesprungen“, ist eine von ihnen.

 Fand nach Krankheit zur neuen Berufung: Kerstin Rothenberger ist ehrenamtlich beim Hospiz- und Palliativberatungsdienst der Diakonie Leipziger Land tätig.

Quelle: Frank Schmidt

Grimma.  Menschen auf der letzten Wegstrecke des Lebens zu begleiten, das ist die Berufung von Hospizhelfern, die über den ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdienst der Diakonie Leipziger Land ehrenamtlich tätig sind. Hier bekommen Menschen unabhängig von ihrer Religion und politischen Überzeugung Hilfe und Beratung.

Ansprechpartner sind die bei der Diakonie fest angestellten Mitarbeiterinnen Gudrun Günther, die leitende Koordinatorin im ambulanten Hospizdienst, Sandy Naumann und Annegret Dobs. Im Ehrenamt allerdings sind es zu wenige Mitarbeiter. „Deshalb suchen wir ehrenamtliche Helfer“, wirbt Gudrun Günther in eigener Sache. Sie sagt aber auch, dass dafür bestimmte persönliche Eigenschaften mitzubringen sind. Aufmerksam zuhören zum Beispiel, schwierige Situationen mittragen sowie Beraten und Vermitteln. Das fachliche Rüstzeug bekommen die Hospizhelfer in einem Ausbildungskurs mit dem Schwerpunkt der psychosozialen Begleitung. Denn es werden Menschen betreut, die aufgrund ihrer ärztlichen Diagnose in die Endphase des Lebens eingetreten sind. „In dieser Zeit ist die Betreuung durch den Hospizdienst extrem wichtig. Sowohl für die Patienten als auch für die Angehörigen“, macht es Annegret Dobs an einem Beispiel deutlich. „Wir sind da, um als neutrale Personen Rat und Hilfe zu geben, aber auch zum Anlehnen, dass sich beispielsweise die Angehörigen mal ausweinen können, wenn sie sich in einer schwierigen Situation sehen.“

Genau dazu berufen fühlt sich Kerstin Rothenberger. Beruflich stand sie zu DDR-Zeiten bei der Deutschen Reichsbahn in Lohn und Brot, später im Einzelhandel. Heute ist die 50-Jährige erwerbsunfähig. Ursache war eine schwere Erkrankung. „Ich bin dem Tod von der Schippe gesprungen“, sagt sie. „Für mich war diese Erfahrung das Schlüsselerlebnis, als Hospizhelfer tätig zu werden.“ Ohne Umschweife stimmt sie der Feststellung zu, dass man mit dieser Arbeit fremdes Leid sehr nah an sich heranlässt. „Natürlich ist das so, aber es belastet mich nicht, weil die Dankbarkeit überwiegt, mit soviel Glück damals davon gekommen zu sein.“ Und das habe sie auch ihrem Partner und Freundeskreis zu verdanken, von denen sie in der schweren Krankheitsphase aufgefangen wurde. „Das hat mein Leben in einem völlig neuen Licht erscheinen lassen. Und als ich wieder in der Lage war, mein Leben selbst in die Hand zu nehmen, hatte ich das dringende Bedürfnis – das mag theatralisch klingen, ist aber tatsächlich so – der Allgemeinheit etwas zurückzugeben.“ Und so bewarb sie sich 2013 als Hospizhelfer und absolvierte noch im gleichen Jahr die dafür notwendige Ausbildung, um seither als Hospizhelferin tätig zu sein.

Bisher habe es Kerstin Rothenberger nicht bereut, sich dieser nicht leichten Aufgabe zu stellen. Und obwohl sie sich auf jeden ihrer Patienten ganz individuell einlässt, gelingt es ihr, abzuschalten, wenn sie das Patientenzimmer verlässt. „Für die Arbeit im Hospizdienst ist es ganz wichtig, sich vom Erlebten mit Hobbys oder Familie und Freunden abzulenken. Aber das hat nichts mit Verdrängung zu tun, denn auch mit meinem Mann spreche ich unter dem Aspekt der Schweigepflicht gelegentlich über diese Arbeit. Und sollte doch mal eine Situation zu sehr innerlich hochkochen, kann ich jederzeit für mich eine Auszeit nehmen, um Abstand zu gewinnen“, erzählt Rothenberger frei heraus.

 Menschen, die sich für den Hospizdienst interessieren, können sich telefonisch unter 03437/92 50 25 darüber informieren.

Von Frank Schmidt

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