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Kinderspielstadt kehrt nach Belgershain zurück

Projekt Kinderspielstadt kehrt nach Belgershain zurück

Nach zehn Jahren kehrt die beliebte Kinderspielstadt zu ihren Wurzeln zurück. Allerdings nur örtlich, denn das Konzept befindet sich derzeit in einer Wandlungsphase.

Kinderspielstädte gab es auch schon im Freien, wie hier 2010 im Botanischen Garten von Großpösna.

Quelle: André Kempner

Belgershain. Nach zehn Jahren kehrt die beliebte Kinderspielstadt zu ihren Wurzeln zurück. In den Herbstferien können bis zu 120 Mädchen und Jungen in der Belgershainer Turnhalle ausprobieren, wie Gemeinwesen funktioniert. Das Konzept allerdings befindet sich im Wandel, verrät Veranstalterin Heike Schüürmann, die noch händeringend Unterstützung aus der Bevölkerung sucht.

Aus Sindelfingen und Leipzig hatte sie 2007 die Idee in den damaligen Muldentalkreis importiert. „Bürgermeister Hagenow, den ich ansprach, fand sie toll. Die erste Kinderspielstadt habe ich daraufhin in seinem Dorf mit Hilfe des Regenbogen-Vereins organisiert, den es dort gab“, blickt sie zurück. 67 Mädchen und Jungen seien der Einladung zur Premiere gefolgt. Schüürmann gründete daraufhin den Verein KinderZeit, der fortan die Organisation übernahm und dem sie vorsteht.

Mit ihrer Veranstaltung zog sie durch den Landkreis Leipzig. Rund 3000 Kinder probierten sich im Laufe des Jahrzehnts in verschiedenen Berufen aus, schlüpften unter anderem in die Rollen von Bürgermeistern, Tischlern, Friseuren, Polizisten, Apothekern und Forschern. „Gleichzeitig erfuhren und erlebten sie unmittelbar, was es mit Demokratie, Mitbestimmung, Gleichberechtigung, Rücksichtnahme und Toleranz auf sich hat“, resümiert Schüürmann. In 16 Spielstädten seien sie in die Welt der Erwachsenen eingetaucht und hätten die Möglichkeit ergriffen, die jeweilige Kommune nach ihren Wünschen zu gestalten.

In Geithain organisierte Heike Schüürmann mit ihrem Verein 2013  die Kinderspielstadt in der Paul-Günther-Schule

In Geithain organisierte Heike Schüürmann mit ihrem Verein 2013 die Kinderspielstadt in der Paul-Günther-Schule

Quelle: Jens Paul Taubert

Das soll auch vom 9. bis 13. Oktober in Klein-Belgershain geschehen, das sich in der Turnhalle entfalten wird. Allerdings hat Schüürmann Änderungen im Sinn. „Anfangs ging es mir um einen Kreislauf, in dem die Kinder etwas produzieren und dafür Geld erhalten, von dem sie sich Produkte oder Dienstleistungen kaufen können. Dieser kommerzielle Teil störte mich im Laufe der Zeit immer mehr, weshalb ich ihn zurückfahren möchte“, sagt sie.

Den Fokus wolle sie jetzt mehr auf das Leben richten, die verdienten Taler würden eher symbolisch ausgegeben. Es handle sich in Belgershain deshalb um eine halbkonventionelle Ausgabe der Kinderspielstadt. Schon zur darauf folgenden will Schüürmann ganz aufs Geld verzichten. „Es geht mir mehr um die Zusammenarbeit, um Vernetzungen, von denen jeder abhängt und die gepflegt werden müssen, ohne Andere auszunutzen“, erklärt die Vereinschefin.

Aus ihrer Sicht ist ein weiterer Aspekt wichtig. „Mit unserem qualitativ hochwertigen Angebot locken wir die Kinder einmal weg vom Fernseher oder Computer. Bei uns sind sie sinnvoll beschäftigt“, betont sie. Dieser Einschätzung schließt sich Bürgermeister Thomas Hagenow (parteilos) an: „Auch in meinem Interesse ist es, den Kindern wieder so eine hervorragende Veranstaltung zu bieten.“ Deshalb habe er mit Herzblut zugesagt, als für den zehnjährigen Geburtstag der über das Landesprogramm „Weltoffenes Sachsen für Demokratie und Toleranz“ geförderten Reihe Belgershain auserwählt wurde.

Unterstützung braucht Schüürmanns Verein nicht nur vom Freistaat, sondern auch aus der Bevölkerung. „Wir suchen dringend und schnell Freiwillige für den umfangreichen Auf- und Abbau der Kinderspielstadt, aber auch Handwerker, in der Kinder- und Jugendarbeit Tätige, Sozialarbeiter, Rentner und Schüler ab 15 Jahren, die uns in der Woche helfen“, wirbt sie. Interessenten könnten sich bis zum 26. September bei ihr genauso melden wie Eltern und Einrichtungen, die Kinder für einen oder mehrere Tage in die Spielstadt schicken möchten.

Kontakt: heike.schuurmann@web.de oder Telefon 0177/7 57 54 25

 

Von Frank Pfeifer

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