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Kirchenhistoriker referiert über Martin Luther und seine Beziehung zu Grimma

Kirchenhistoriker referiert über Martin Luther und seine Beziehung zu Grimma


Grimma. Die Grimmaer wussten das längst: An der Mulde stand die Wiege der Reformation. Dem widersprach auch der Kirchenhistoriker Michael Beyer nicht ausdrücklich.

. Er referierte auf Einladung des Geschichts- und Altertumsvereins über Luthers Beziehung zu Grimma im gut besuchten Vortragsraum des Stadtgutes. Zumindest sei der Anstoß der Reformation in Grimma erfolgt, und überhaupt „müsste das mal richtig erforscht werden". So wissenswert wie humorvoll berichtete der Theologe, der in Schönbach wohnt. Gerade aus dem dortigen Pfarrhaus, wie auch aus dem von Großbuch, gibt es frühe Zeugnisse protestantischen Kirchenlebens. Dass in und um Grimma die Reformation zwanzig Jahre früher Fuß fassen konnte als in Leipzig, wird an der Mulde gern gehört. Dennoch musste der Referent etwas „Wasser in den Wein" der Euphorie schütten, denn vieles bleibt im Dunkel der Vergangenheit. 

 

Unklar ist bereits, wie oft und wann genau Luther in Grimma predigte und auch worüber. Visitator war Luther in Grimma nicht. Auf vielen Reisen hat er aber die Stadt sehr oft gestreift. Neuere Forschungen ergeben immerhin, dass im Jahr 1516 sowohl Luther als auch Johann Staupitz, dessen Bruder in Wasewitz wohnte, und Wenceslaus Linck, der aus Colditz stammte, sich in Grimma getroffen haben könnten und gehörig gegen den Ablasshandel wetterten. Dieser blühte gerade in Wurzen besonders. Bei dieser Gelegenheit soll Luther mit Nachdruck festgestellt haben: „Nun will ich der Pauke ein Loch machen, so Gott will!" Wenn das kein früher Anstoß für das war, was später von Wittenberg aus die Welt veränderte!

Ein weiterer, eher strittiger Punkt im Vortrag war der Druck einiger Schriften Luthers, die als Erscheinungsort Grimma nennen. Die sehr bedeutende „Von weltlicher Oberkeit" ist als Augsburger Druck nachgewiesen. Diente die Tarnung des Druckortes dem Schutz der Werkstatt? „Vom ehelichen Leben" nennt die Druckerei von Nikolaus Wiedemar in Grimma ein Werk.

Hatte er hier eine Außenstelle? Michael Beyer schlug damit ein sehr spannendes Kapitel auf. Natürlich durfte in Grimma auch Katharina von Bora nicht fehlen. „Es ist in Nimbschen passiert, ob dabei nun ein Schuh verloren wurde oder nicht", freute sich nicht nur der Historiker.

Wie viele Nonnen waren es denn nun wirklich, die in der Osternacht 1523 aus dem Kloster flohen, wollten die Besucher wissen. Kein Zweifel, es waren zwölf, aber nur neun kamen in Wittenberg an. Eine blieb in Grimma, M. von Staupitz. Sie richtete hier 1529 die erste Mädchenschule ein, in dem Gebäude, wo sich heute das Kreismuseum befindet. Ob Margarete oder Magdalena (wie das Museum sagt) – das Monogramm stimmt jedenfalls. Und gebildete Frauen waren die Nonnen alle. Gern hätte das Publikum dem Referenten noch länger gelauscht, etwa um noch mehr über „Possen und Zechereien" in Grimma aus Luthers Tischreden zu erfahren. Vielleicht gibt es ja eine Fortsetzung – und nicht erst 2017 mit Ende der Lutherdekade.

Beate Bahnert

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