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Grimma Klappe, die Erste: Für Lindgren-Film kommt Tanzszene in Zschoppach in den Kasten
Region Grimma Klappe, die Erste: Für Lindgren-Film kommt Tanzszene in Zschoppach in den Kasten
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22:00 16.08.2017
Astrid Lindgren wird verkörpert von der 23-jährigen Newcomerin Alba August. Auch in Zschoppach kam eine Szene in den Kasten. Quelle: Erik Molberg Hansen, DCM
Grimma/Zschoppach

Klappe, die Erste! Einmal mehr bot sich Grimma für Dreharbeiten eines großen Filmes an. Allerdings wurde die Öffentlichkeit abgeschirmt, als am 24. Mai im alten Gasthof in Zschoppach eine kleine Szene für „Young Astrid“ gedreht wurde. Erst jetzt signalisierte Grimmas Rathaussprecher Sebastian Bachran, dass für die Verfilmung der Jugendjahre der berühmten schwedischen Kinderbuchautorin Astrid Lindgren (1907-2002) ein Drehteam auch das Muldental angesteuert hatte.

In Zschoppach kam eine Szene in den Kasten, bei der Lindgren mit ihrer Freundin zum Tanz ausgeht. Ihren Freund, von dem sie im Alter von 18 Jahren unehelich schwanger wurde – im Schweden der 1920er Jahre ein Skandal –, lernt die spätere Erfinderin von Pippi Langstrumpf und Ronja Räubertochter in dieser Szene im Tanzsaal allerdings nicht kennen. Lindgren wird von der 23-jährigen Newcomerin Alba August verkörpert. Im kommenden Frühjahr soll der Streifen, für den die mehrfache Berlinale-Preisträgern Pernille Fischer Christensen die Regie führt, in die Kinos kommen.

Die Mitteldeutsche Medienförderung GmbH hat laut Rathaussprecher Bachran auch Grimma regelmäßig im Blick. „Etwa einmal im Jahr fragen die an, in der Regel finden wir dann einen passenden Drehort“, erläutert er und betont: „Wir sind als filmfreundliche Stadt eingestuft.“ Die Fördergesellschaft nehme ordentlich Geld in die Hand, damit Drehteams nach Mitteldeutschland kommen. Auch Grimma profitiere von diesem Werbeeffekt, so Bachran. „Kinoproduktionen stehen uns gut zu Gesicht,“ bringt er den Imageeffekt ins Spiel. Für Filmleute nach der richtigen Kulisse zu suchen, sei gut investierte Zeit.

Die letzte Motivanfrage ist übrigens gar nicht lange her. Im Juni wurde für einen internationalen Kinofilm auch in der Muldestadt nach einem prächtigen Gründerzeitgebäude gesucht, das beim Dreh das 1945 in Berlin zerstörte Hotel „Prinz Albrecht“ darstellen soll. „Wir haben aber nichts Passendes gefunden“, bedauert Bachran. Einen repräsentativen Mehrgeschosser des Klassizismus habe Grimma nicht aufzubieten. In anderen Fällen fanden die Filmemacher in Grimma indes optimale Drehorte. Für den 2016 ausgestrahlten ARD-Fernsehfilm „Die Luther Matrix“ avancierten auch die Klosterruine Nimbschen und die Klosterkirche Grimma zur Kulisse. Laut Bachran unvergessen ist die Produktion eines chinesischen Kinofilm im Jahr 2015 in Höfgen. Die Berliner NCM New Century Management drehte mit dem chinesischen Team von Beijing He Pai Xin XI Film & Media die romantische Liebeskomödie „Berlin Fairy Tale“ hauptsächlich in der Hauptstadt. Für einige Filmminuten machte das 40-köpfige Team aber einen Abstecher nach Höfgen – wegen der alten Bauernhöfe, der Wassermühle und der einzigartigen Kirche. Prädestiniert war Grimma für den Kinofilm „Im falschen Leben“ (2010) mit Anna Maria Mühe, der Tochter des verstorbenen Grimmaer Ehrenbürgers und Schauspielers Ulrich Mühe. Katharina Thalbach stand in Grimma für „Der Mond und andere Liebhaber“ (2008) vor der Kamera. Und legendär sind schon die Tatort-Aufnahmen 1998 in Grimma („Fürstenschüler“) und 2009 in Mutzschen („Heimwärts).

Für den Lindgren-Film suchte die Berliner Produktionsfirma DCM Film Distrubition GmbH in Grimma einen Gasthof mit dem Charme der 1920er Jahre. „Mir fielen vier bis fünf Gebäude ein“, so Bachran, der im April mit einem sogenannten Location-Scout unterwegs war. Das leer stehende Rittergut in Haubitz etwa wurde verworfen, doch der inzwischen ungenutzte Gasthof in Zschoppach passte für die Tanzszene. Die Filmemacher frischten laut Bachran noch den imposanten Saal mit Schachbrettdecke auf – im Stil der damaligen Zeit kam braune Blumentapete an die Wand.

Über 100 Komparsen waren in Zschoppach mit von der Partie. Mit Hilfe eines Castings seien durch Produktion und Regie erfahrene Tänzer ausgewählt worden, so DCM-Sprecherin Patricia Bauermeister. Das sogenannte Closed Set begründet sie mit der kurzen Drehzeit, die zur Verfügung stand. „Da muss alles stimmen“, Szenen könnten nicht wiederholt werden. „Da stört jede Person, die nicht dazu gehört“, erklärt Bauermeister das abgeschirmte Arbeiten in Zschoppach.

Übrigens avancierten auch andere mitteldeutsche Städte für den Lindgren-Film zum Drehtort, nämlich Altenburg und Meerane. „Young Astrid“ ist eine internationale Produktion, an der DCM beteiligt ist. Der Film erzählt einfühlsam davon, wie die junge Lindgren den Mut findet, die Anfeindungen ihres Umfeldes zu überwinden und ein selbstbestimmtes Leben als moderne Frau zu führen. Das Drehbuch schrieb Fischer Christensen zusammen mit dem Kinderbuchautor Kim Fupz Aekeson.

Von Frank Prenzel

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