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Grimma Klein gegen Groß: Die Melchers aus Naunhof erhöhen Druck auf Landestalsperrenverwaltung
Region Grimma Klein gegen Groß: Die Melchers aus Naunhof erhöhen Druck auf Landestalsperrenverwaltung
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00:21 09.11.2017
Die Unterschriftensammlung läuft: Horst und Reinhild Melcher (l.) sowie Wolfram Just schauen zu, wie Edith Just im Laden von Ronny Funke (r.) zum Stift greift. Quelle: Foto: Thomas Kube
Naunhof

Geschlagen geben sich die Melchers noch lange nicht. Seit die Naunhofer Imker im Zuge der Parthe-Sanierung einen zehn Meter breiten Streifen am Fluss räumen sollen, auf dem sie Kindern seit Jahrzehnten die Lebensweise und die Wichtigkeit von Bienen vermitteln, liegen sie im Clinch mit der Landestalsperrenverwaltung. Jetzt machen sie mit einer groß angelegten Unterschriftensammlung öffentlichkeitswirksam Druck.

Ihre Petition für den „Erhalt der naturnahen Wissensvermittlung zu Bienen für unsere Kinder“ liegt unter anderem in zahlreichen Geschäften, in Kreditinstituten, Apotheken, Arztpraxen und öffentlichen Einrichtungen aus. Lehrer der Grundschule Naunhof, Erzieher von Kitas wie auch Eltern und Großeltern der dort betreuten Kinder befürworteten das Anliegen. Fleißig wie ihre Bienen nutzten die Melchers jeden Anlass, um Unterschriften zu sammeln, zum Beispiel als zum Reformationsjubiläum Lutherlinden in der Region gepflanzt wurden.427 Namenszüge haben sie schon sicher. Sie hoffen auf mehr, weil die Aktion weiterläuft. „Wir sind sehr dankbar für die Solidarität“, betont Reinhild Melcher (71).

Der umstrittene Uferstreifen gehört dem Freistaat. Zu DDR-Zeiten hatte die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft Fuchshain den Melchers erlaubt, ihn zu nutzen. So pflasterten sie von ihrem Grundstück aus einen Weg zur Parthe, pflanzten links und rechts ein paar Blumen für die Bienen, auch Himbeeren und Johannisbeeren. So können die Kinder etwas naschen, wenn sie zum Fluss gehen, um dort zuzuschauen, wie die Immen mit ihren Rüsseln Wasser aufsaugen, mit dem sie den Durst des Nachwuchses sichern.

Die Landestalsperrenverwaltung (LTV) forderte nun, das Gelände des Freistaats zu räumen, und setzte eine Frist bis zum 27.Oktober. Horst Melcher (75) riss zunächst den Pflasterweg ein stückweit ab, verlegte die Steine aber inzwischen neu. Schließlich, so meint er, sollen die Kinder auch künftig auf sicherem Pfad zum Fluss gelangen können.

LTV-Betriebsleiter Axel Bobbe kann das nicht akzeptieren. „Für Gewässer gilt der Gemeingebrauch, jeder kann sie betreten“, hält er zwar fest, setzt dann aber unmissverständliche Grenzen: „Im Randstreifen dulden wir keine Treppen, Stege oder andere Baulichkeiten.“ Die Ökologie des Ufers solle so verbessert werden, wie es das Wassergesetz fordere. Um den Fluss zu beschatten und damit den Wildwuchs einzudämmen, wolle die LTV standortgerechte Büsche und Sträucher pflanzen. Deshalb, so Bobbe, müssten die Melchers alle Anlagen beseitigen. „Undank ist der Welten Lohn“, ärgern sich die Imker über solche Worte, die betonen, dass sie über Jahrzehnte den Randstreifen pflegten. Sie haben inzwischen – bittend um Hilfe – ans sächsische Umweltministerium geschrieben.

Mit anhaltendem Rückhalt dürfen sie vorerst in Naunhof und Umgebung rechnen. Bei Ronny Funke, Inhaber von „Obst, Gemüse, Fisch“ in der Breiten Straße hinterlässt ein Kunde nach dem anderen seine Unterschrift zur Petition. „Ich halte es für wichtig, Kindern die Natur nahe zu bringen, denn viele wissen nicht mehr, wie wertvoll Insekten sind. Bienen sichern unsere Ernährung“, sagt der 48-Jährige, selbst ein Imker.

Gerade erweitern Wolfram Just (82) und seine Frau Edith (79) aus Erdmannshain in dem Geschäft die Liste der Unterstützer. „Die Kinder müssen an die Natur herangeführt werden. Viele wissen nicht mehr, woher ihre Lebensmittel kommen, weil die Eltern nur verpackte Sachen kaufen“, argumentiert er.

Von Frank Pfeifer

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