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Grimma Kleinbothen - ein Dorf fühlt sich vergessen
Region Grimma Kleinbothen - ein Dorf fühlt sich vergessen
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16:06 19.05.2015

Auch als die LVZ die Pläne der Landestalsperrenverwaltung vorstellte, kam der Ort nicht vor. "Wir sind aufgegeben", macht Gerald Ruft aus seiner Frustration kein Geheimnis. Nicht nur er fühlt sich vergessen.

Ruft und seine Familie sind Betroffene. "Wir sind immer wieder dran", sagt er, "und wir halten es kaum noch aus." Außer leerer Versprechungen habe es bisher nichts gegeben. "Wir haben viel zu verlieren", ergänzt seine Frau, "aber ein Projekt für Kleinbothen hat keine Priorität."

Diese Einschätzung wird von Axel Bobbe, Betriebsleiter der Landestalsperrenverwaltung, bestätigt. Im Hochwasserschutzkonzept von 2004 gebe es ein Projekt: ein Flügeldeich für Kleinbothen, der den Ort bei einem sogenannten hundertjährigen Hochwasser schützen würde. Doch bei der Festlegung von Prioritäten auf Landesebene, bei der zum Beispiel Gefahrenpotenzial und Kosten-Nutzen-Verhältnis eine Rolle spielen würden, habe der Schutz für Kleinbothen von hundert möglichen Punkten nur zehn erhalten. Kein Projekt mit dieser Einstufung sei in sachsen bisher angefasst worden. "Es gibt keine Planung und bis 2020 kein Geld", erklärt Bobbe. Das sei aber transparent gemacht worden, alle Landtagsabgeordneten zum Beispiel seien informiert, dass kein Geld für alle da sei.

Für Ralf Sachse, Ortsvorsteher in Großbothen, wirft die geringe Priorität Fragen auf. "Wenn die Mulde über die Ufer tritt, hat Kleinbothen nasse Füße", sagt er. Das sei schon bisher so gewesen und wenn oberhalb und unterhalb Schutzmaßnahmen umgesetzt würden, träte mit Sicherheit keine Verbesserung ein. Sachse weiß aber auch, dass ein umfassender Schutz für den Ortsteil Kleinbothen sich nicht nur auf die Mulde beschränken darf. Auch Schaddelgraben beziehungsweise Weißbach stellen eine Gefahr dar. Man müsse aufpassen, dass der Ort nicht von hinten überflutet werde, und sorgfältig überlegen, was dienlich sein könne, um Wasser zurückzuhalten - ein neuer Bachlauf vielleicht oder eventuell ein Rückhaltebecken. Bei den Überlegungen werden laut Sachse auch Entwicklungen der Vergangenheit berücksichtigt. Veränderungen, die durch die Intensivierung der Landwirtschaft entstanden seien oder durch einen geschliffenen Damm, würden in den Gesprächen eine Rolle spielen. Auch das Thema Flurneuordnung werde nicht ausgeklammert. "Natürlich gibt es auch Befindlichkeiten bezüglich landwirtschaftlicher Flächen."

In der Ortschaftsratssitzung in dieser Woche seien noch einmal alle Fakten gesammelt worden, sagt Sachse. Jetzt lägen die Ausführungen dem zuständigen Fachamt der Stadt Grimma vor. Dort müsse beleuchtet werden, welche Maßnahmen sich wie für Kleinbothen auswirken. "Preisgünstig und schnell", lautet Sachses Wunsch zum Hochwasserschutz. "Keine Versicherung mehr bekommen und die Schecke packen, das kann es doch nicht sein." Und deshalb will er von den Verantwortlichen wissen: "Wie geht es weiter mit Kleinbothen?" Eine Frage, auf die auch Gerald Ruft und die anderen Betroffenen eine Antwort erwarten.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.08.2013

Heinrich Lillie

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