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Kleinbothen fühlt sich in Sachen Hochwasserschutz vergessen

Familie Ruft wirbt für Flügeldeich und Wasserreservat Kleinbothen fühlt sich in Sachen Hochwasserschutz vergessen

Nach der Juni-Flut 2013 ist überall entlang der Mulde von Hochwasserschutz die Rede. Die Kleinbothener allerdings fühlen sich vergessen. Der Ort steht in der Prioritätenliste ganz unten – und muss auf wirksame Maßnahmen warten. Das Verständnis dafür fehlt.

Gerald und Siegline Ruft waren bereits zweimal vom Hochwasser betroffen.

Quelle: Andreas Röse

Grimma/Kleinbothen. Nach der Juni-Flut 2013 ist überall entlang der Mulde Hochwasserschutz ein Thema. „Von Kleinbothen ist dabei aber nicht die Rede“, macht Familie Ruft ihrem Ärger Luft. Sie war 2002, aber auch 2013 betroffen. „Wir haben viel zu verlieren“, sagt Sieglinde Ruft, „aber ein Schutzprojekt für Kleinbothen hat niedrige Priorität.“

Diese Einschätzung wird von Heinz Kaiser, Betriebsstellenleiter Mulde der Landestalsperrenverwaltung des Freistaates Sachsen (LTV), bestätigt. Im Hochwasserschutzkonzept von 2004 gebe es ein Projekt: ein Flügeldeich für Kleinbothen, der den Ort bei Hochwasser schützen würde. Doch bei der Festlegung von Prioritäten auf Landesebene, bei der zum Beispiel Gefahrenpotenzial und Kosten-Nutzen-Verhältnis eine Rolle spielen würden, habe der Schutz für Kleinbothen niedrige Priorität. Aufgrund der geringen Priorität ergeben sich für den Hochwasserschutz für die Ortslage Kleinbothen lediglich zehn Punkte. Die Folge: Die weitere Verfolgung und Planung jener Maßnahme bleibt somit erst nach dem Abschluss der Projekte mit hoher und mittlerer Priorität vorbehalten. Demzufolge würde Kleinbothen nicht vergessen, sondern sei auch im Hochwasserinvestitionsprogramm (HIP) des Freistaates Sachsen enthalten.

Familie Ruft sieht aber auch noch eine andere Gefahr. Wenn die LTV den Deich endlich gebaut hat, säuft das Dorf wegen der Gewässer II. Ordnung (Weißbach, Schaddelgraben) ab. Deshalb dürfe sich ein umfassender Schutz für den Ortsteil Kleinbothen nicht nur auf die Mulde beschränken. Man müsse aufpassen, dass der Ort nicht von hinten überflutet werde. Das weiß auch die Stadt Grimma, die für die Gewässer II. Ordnung in ihrem Bereich den Hut auf hat. „Bezüglich der Aufgabe seitens der Stadt Grimma haben wir vertieft 2015/16 einige Versuche unternommen, um einen Hochwasserschutz für den Schaddelgraben in Kleinbothen zu erlangen“, sagt die zuständige Mitarbeiterin im Stadtentwicklungsamt Janine Wolff. Dieses Konzept habe an die Gewässerplanungen des laufenden Flurneuordnungsverfahrens angeknüpft. Es sah neben der Offenlegung des Grabens zur Mulde eine trockene Flutmulde durch den Ort vor, die im Hochwasserfall volllaufen sollte. „Diese Planungen sind jedoch an den Zustimmungen der Eigentümer gescheitert, und so wurde auch die Maßnahme aus dem Flurneuordnungsverfahren durch Beschluss des Vorstands eingestellt“, erklärte Janine Wolff.

Sieglinde Ruft hofft trotzdem, dass etwas für den Hochwasserschutz im Ort getan wird. „Unsere Gehöft liegt mit am tiefsten Punkt im Ort. Beim nächsten Hochwasser sind wir wieder mit dabei“, erklärt sie. So könnte sie sich unter anderem vorstellen, dass das einst angedachte Wasserreservat am Sportplatz entsteht, um den Schaddelbach bei hoher Wasserführung entlasten zu können. „Seit dem die Brücke über die B 107 gebaut worden ist, kommt zusätzlich Regenwasser in den Schaddelbach“, erklärt sie. Erschwerend käme hinzu, dass sich am Schaddelbach Biber eingenistet hätten. Wo jetzt das Bad Kleinbothen steht, wäre einst eine Überflutungsfläche gewesen. „Diese fehlt im Ort. Auch hierüber sollte man nachdenken“, meint sie.

Von Cornelia Braun

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