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Kleine Grube, große Preise – Verband kommt Rentnerin entgegen

Golzern Kleine Grube, große Preise – Verband kommt Rentnerin entgegen

Christel Meyer lebt weitab vom Schuss – im einstigen Bahnwärterhäuschen Golzern. Dort entsorgt sie ihr Fäkalwasser in eine ein Kubikmeter fassende herkömmliche Grube, die zweimal im Monat geleert werden muss. Nach der Änderung der Abfuhrpreise für abflusslose Gruben hätte die 75-Jährige im Jahr plötzlich das Dreifache – mehr als 1100 Euro – zahlen müssen und suchte Hilfe.

Christel Meyer an ihrer Klärgrube. Sie ist heilfroh, dass ihr der Verband bei der Abfuhr entgegen kommt.

Quelle: Frank Prenzel

Grimma/Golzern. Wo Christel Meyer wohnt, sagen sich Fuchs und Hase gute Nacht. Mutterseelenallein lebt die 75-Jährige im einstigen Schrankenwärterhaus von Golzern, hunderte Meter von der nächsten Ortschaft entfernt. Die einstige Lehrerin mag ihr kleines, altes Häuschen am Mulderadweg, der auf der stillgelegten Bahntrasse errichtet wurde. Ihr Trinkwasser speist sich aus dem eigenen Brunnen. Als jedoch zum Jahresanfang die Preise für die Abfuhr abflussloser Gruben erhöht wurden, bekam Christel Meyer tiefe Sorgenfalten. Für das wenige Abwasser, das anfällt, sollte sie nun fast das Dreifache hinlegen – mehr als 1100 Euro im Jahr. Sie suchte Hilfe.

Der Geschäftsführer des Versorgungsverbandes Grimma-Geithain (VVGG), Lutz Kunath, reagierte sofort, als ihn die LVZ zu dem Fall befragte. Noch am selben Tag vereinbarte er mit der alleinstehenden Rentnerin einen Termin und suchte sie am Mittwoch auf. Kunath verschaffte sich vor Ort einen Überblick und legte einen Kompromiss auf den Tisch. „Er hat mir ein Angebot gemacht, damit kann ich leben“, reagierte die 75-Jährige überglücklich. „Herr Kunath ist voll und ganz auf mein Anliegen eingegangen“, lobte sie erleichtert.

Es ist und bleibt ein (ungewöhnlicher) Sonderfall. Als der Gesetzgeber die Umstellung auf biologische Klärgruben verordnete, wollte Christel Meyer die Chance nicht verstreichen lassen und mit Hilfe von Fördergeld ihre verschlissene Grube ersetzen. Im März 2014 gestattete ihr der Versorgungsverband – abweichend von der Din-Vorschrift – den Bau einer neuen Sammelgrube mit einem Volumen von einem Kubikmeter. Es ist eine Grube herkömmlicher Art, die aus Platzgründen in die alte Fassung eingelassen wurde und deshalb auch nicht größer sein konnte. „Eine biologische Kleinkläranlage war nicht möglich, weil sie eine bestimmte Menge Wasser braucht“, erzählt die Rentnerin. Solche Gruben funktionieren nicht unter sechs Kubikmeter Fassungsvermögen. 2629 Euro zahlte Christel Meyer für ihre neue Minigrube, die Sächsische Aufbaubank überwies 1250 Euro Fördergeld.

Die 75-Jährige ist sparsam. Maximal 60 Liter Fäkalwasser fließen täglich in den Behälter, der aufgrund seiner geringen Größe dennoch zweimal im Monat geleert werden muss. Bis zum vorigen Jahr zahlte die Rentnerin 17 Euro, wenn die Entsorgungsfirma anrückte. Nach dem Beschluss in der Verbandsversammlung hätte sich nun jede Leerung auf 47,48 Euro verteuert (siehe Kasten). Das wären für die Rentnerin jährlich über 1100 Euro gewesen und damit das Mehrfache eines Haushaltes, der am öffentlichen Netz hängt.

Hilfesuchend hatte sich Christel Meyer zunächst an die Oewa, die für den Wasserverband die Geschäfte besorgt, gewandt und um eine Härtefallregelung gebeten. Einer Sonderregelung könne nicht zugestimmt werden, kam es da noch als schriftliche Antwort vom Verband. Man empfehle ihr den Einbau einer größeren Grube mit mindestens sechs Kubikmetern. Diese müsse seltener entsorgt werden. Ein illusorisches Ansinnen. „Ich wüsste gar nicht, wo ich so eine große Grube hinbauen soll“, so Christel Meyer, von der Finanzierung ganz zu schweigen.

Die kleinere Grube habe man vor drei Jahren aus Kulanz genehmigt, sagt Verbandschef Kunath. „Der Förderzeitraum lief aus, wir wollten, dass die Mittel nicht verfallen.“ Die Sorgen von Christel Meyer nimmt er ernst und machte den Fall nach dem LVZ-Anruf zur Chefsache. Die 75-Jährige ist darüber froh und bedankt sich, dass er sich so rasch um eine Lösung bemüht hat. Und sie weiß, dass sie aufgrund ihrer örtliche

Neue Pauschale

Im Dezember hatte der Versorgungsverband Grimma-Geithain (VVGG) auch neue Preise für die Abfuhr von Fäkalwasser aus abflusslosen Gruben und von Fäkalschlamm aus Kleinkläranlagen beschlossen. Neben dem Mengenentgelt von 14,75 Euro je Kubikmeter Fäkalwasser (zuvor 17 Euro) und 35,48 Euro je Kubikmeter Fäkalschlamm (zuvor 34 Euro) wird seit Januar pro Anfahrt eine Pauschale von 32,73 Euro fällig. Das ist neu. Hintergrund ist die Umrüstung auf biologische Kleinkläranlagen. Diese müssen in der Regel nur noch aller zwei Jahre geleert werden, während bis dahin eine jährliche Pflichtentleerung vorgeschrieben war. Vor allem aber holen die Abfuhrunternehmen deutlich weniger Fäkalschlamm aus den biologisch arbeitenden Gruben.

Das rechnet sich weniger, die Anfahrtskosten bleiben allerdings bestehen. Mit der neuen Anfahrtspauschale reagierte der Verband deshalb auf die Kalkulation der Abfuhrunternehmen.

n Lage als ausgesprochener Ausnahmefall gilt.

Von Frank Prenzel

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